Aus der Quiz-Show in die Champions League
Der Höhenflug geht weiter. Nach dem ersten Meistertitel der Klubgeschichte kommt der Sabah FK zu seiner Premiere in der Champions League. Aserbaidschans Doublegewinner warf Hapoel Be'er Sheva raus – fast in letzter Sekunde. Erst ein Tor in der 94. Minute erzwang im Rückspiel am Dienstagabend eine Verlängerung, in der sich die «Eulen» aus einem Vorort der Hauptstadt Baku durchsetzten. Nun warten sie gespannt darauf, welche Gegner ihnen die Auslosung am Donnerstag beschert.
Mittendrin ist Trainer Valdas Dambrauskas. Der 49-jährige Litauer wurde mit 30 Jahren Coach – dank des Preisgelds eines Fernseh-Quiz. Dambrauskas war 2002 in der litauischen Ausgabe von «Wer wird Millionär». So viel gewann er zwar nicht, umgerechnet etwa 1700 Franken. Aber für den damals 25-Jährigen war es viel Geld: in etwa ein Jahresgehalt, wie er einst dem englischen Magazin «Four Four Two» erzählte.
Dambrauskas is a top guy. He was also at Ludogorets and I got the chance to interview him once. Did you know that - while in his 20s - he participated in the Lithuanian version of ‘Who wants to be a millionaire?’. And then he used the prize money he’d won to fund his UK studies pic.twitter.com/BqqGJcHvF0
— Metodi_Shumanov (@shumanskoo) July 28, 2026
Titel in vier Ländern
Er habe den Gewinn nicht verschleudern wollen, sondern ihn als Startkapital betrachtet. Dambrauskas zog nach England und nahm ein Studium der Sportwissenschaften auf. Weil das Leben in London um einiges teurer ist als in Litauen, reichte das Geld aus der Quiz-Sendung nicht lange, die Ausbildung finanzierte er sich in der Folge wie so mancher Student mit Teilzeitjobs.
Dank des Studiums konnte Dambrauskas in Nachwuchsakademien von Manchester United oder Fulham schnuppern. Mit 30 Jahren übernahm er einen Klub in der neunthöchsten Liga, danach Litauens U17- und U19-Nationalmannschaft. Nun war Valdas Dambrauskas im Geschäft. Dank Meistertiteln mit Zalgiris Vilnius schaffte er es ins Ausland, wurde mit Ludogorez Rasgrad bulgarischer Meister und gewann mit Hajduk Split den Cup in Kroatien.
Kein Scheichklub, sondern gut vernetzt
Über Griechenland (OFI Kreta), Zypern (Omonia Nikosia) und Ungarn (Diosgyör) landete der Trainer im Sommer vor einem Jahr in Aserbaidschan. Was ihm einst in der Quiz-Sendung nicht gelang, glückte ihm mit Sabah: ein totaler Triumph. Gleich in der ersten Saison führte Dambrauskas das Team zum Double. Mitverantwortlich dafür war der Angreifer Aaron Malouda, der kürzlich für angeblich rund 3 Millionen Euro zum FC Basel wechselte.
Der Unternehmer Yaqub Hüseynov hatte den FK Sabah im Jahr 2017 gegründet, sofort gelang der Aufstieg in die höchste Liga – und bloss neun Jahre später spielt er in der Champions League. Der Klub gehört dem Wirtschaftskonglomerat Bridge Group (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Besitzerin des Schweizer Rekordmeisters GC). Die aserbaidschanische Gruppe führt Unternehmen in der Baubranche, im Hotel- und Restaurantgewerbe oder in der Landwirtschaft – und eben: eines im Fussball. Kein Wunder, gilt Sabah als gut vernetzt und kann auf vergleichsweise hohe Sponsoreneinnahmen zählen.
Der Weg in die Champions League war dennoch alles andere als vorgezeichnet. Vier Runden musste der FK Sabah überstehen. Er schlug die New Saints aus Wales, KuPS aus Finnland, die Dänen aus Aarhus und zuletzt den israelischen Meister Hapoel Be'er Sheva.
«Fühle mich wie der glücklichste Trainer der Welt»
Als zweiter Klub aus dem öl- und gasreichen Aserbaidschan nach Karabach Agdam schaffte Sabah den Sprung in die Königsklasse. Der Stellenwert dieser Qualifikation zeigt sich unter anderem darin, dass Staatspräsident Ilham Alijew dazu gratuliert hat. Es mache ihn stolz, dass ein neu gegründeter Klub in so kurzer Zeit einen solchen Erfolg erzielt habe. «Dass aserbaidschanische Klubs zum zweiten Mal in Folge an der Ligaphase des stärksten Klubwettbewerbs der Welt teilnehmen, ist ein weiterer Beleg für die Fortschritte Aserbaidschans und für seinen Status als Sportnation.»
Karabach Agdam hatte letzte Saison sogar den Sprung in die K.o.-Phase der Champions League geschafft. Natürlich träumt auch der FK Sabah von weiteren Erfolgen. «Meine Spieler haben Aussergewöhnliches geleistet und ich bin stolz auf sie», sagte Valdas Dambrauskas. «Wir werden im prestigeträchtigsten Fussballwettbewerb der Welt spielen. Im Moment fühle ich mich wie der glücklichste Trainer der Welt.»
Ein Vierteljahrhundert, nachdem das TV-Quiz für ihn frühzeitig endete, hat Dambrauskas im Fussball den Jackpot geknackt.
