Unzuverlässig und schlecht fürs Image – die Krux mit den Kryptosponsoren im Sport
Als hätte der FC Basel nicht schon sportlich genug Probleme – mit nur vier Siegen aus elf Spielen steht Rotblau auf Platz 7 der Super League –, droht nun auch neben dem Platz Ungemach. Denn Hauptsponsor Bitpanda hat für das Jahr 2025 einen Verlust von 14 Millionen Euro (knapp 13 Mio. Franken) verkündet. Bereits zuvor hatte CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad überraschend seinen Abschied für Anfang 2027 angekündigt.
Beim österreichischen Finanzdienstleister, der seinen Kundinnen und Kunden den Handel mit Kryptowährungen, Aktien und Rohstoffen ermöglicht, gibt man sich gelassen. Die Verluste würden vor allem mit Investitionen in Marketing und Expansion zusammenhängen.
So seien die Marketingkosten 2025 um 56 Prozent auf rund 107 Millionen Euro (knapp 99 Mio. Franken) gestiegen. Deshalb gab es 2025 trotz eines gestiegenen Umsatzes und eines Gewinns von über 60 Millionen Euro im Vorjahr plötzlich einen Millionenverlust. Neben dem FC Basel fungiert Bitpanda unter anderem auch bei Bayern München und Arsenal als Sponsor, der am Dienstag zurückgetretene Tennis-Profi Stan Wawrinka trat zudem als Botschafter für die Krypto-Börse auf.
Der FCB spricht gegenüber Blick von einem «geschätzten und verlässlichen Partner, der seinen vertraglichen Verpflichtungen vollumfänglich nachkommt». Der Vertrag zwischen Basel und Bitpanda läuft noch bis 2028. «Für uns bedeutet Partnerschaft weit mehr als eine vertragliche Zusammenarbeit», erklärte der Klub weiter. Neben der gemeinsamen Freude über Erfolge würde das auch heissen, «sich in herausfordernden Zeiten gegenseitig zur Seite zu stehen».
In der Wirtschaftsbranche gibt es hingegen Zweifel. «Bitpanda wird zum Problemfall», titelte beispielsweise das Handelsblatt. Von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA besitzt das Unternehmen keine Bewilligung in der Schweiz, in Deutschland und Österreich aber schon. Die Vergangenheit zeigt, dass solche Sponsoren für Sportklubs mit grossen Problemen verbunden sein können.
Plötzlicher Zahlungsausfall
Erst im Frühling dieses Jahres brach dem Schweizer Eishockeyrekordmeister HC Davos der Stadionsponsor weg. Mit Zondacrypto meldete eine der grössten Kryptobörsen in Mitteleuropa Insolvenz an. Dem polnischen Unternehmen wurden Betrug und Geldwäsche vorgeworfen. Tausende Betroffene bangen weiterhin um ihr Geld, da das Insolvenzverfahren in Estland, wo Zondacrypto lizenziert ist, noch läuft.
Für den HCD bedeutete dies, dass er in diesem Sommer nach nur anderthalb Jahren einen neuen Namenssponsor für das Eisstadion suchen musste. Zondacrypto war auch bei Juventus Turin oder der AS Monaco als Partner aktiv.
Dass eine Partnerschaft mit grossen Vereinen nicht unbedingt dafür spricht, dass es sich um einen vertrauenswürdigen Partner aus der Kryptobranche handelt, zeigen auch die Fälle von Digitalbits und FTX. Ersteres Unternehmen stieg 2021 bei Inter Mailand und der AS Roma als Trikotsponsor ein, in beiden Fällen blieben irgendwann jedoch die Zahlungen aus. Beide Klubs spielten zeitweise ohne Brustsponsor. Inter Mailand wartet noch immer auf Zahlungen in Höhe von 31,35 Millionen Euro (28,9 Mio. Franken).
FTX war Namenssponsor des Stadions des NBA-Teams Miami Heat. Im Jahr 2021 hatten sich die Stadt Miami, der die Arena gehört, und das Unternehmen auf einen Vertrag über 19 Jahre und 135 Millionen US-Dollar (ca. 112 Mio. Franken) geeinigt, nach anderthalb Jahren war dieser aber schon null und nichtig. FTX war zwar die drittgrösste Börse für Kryptowährungen der Welt, schrieb aber Verluste in Milliardenhöhe und meldete Bankrott an. Gründer Sam Bankman-Fried wurde wegen der Veruntreuung von Kundenvermögen als Betrüger verurteilt.
Volatile Branche
Dass immer wieder Kryptounternehmen Insolvenz anmelden müssen, liegt neben teils zwielichtigen Gestalten, die dahinter stehen, auch an der Volatilität des Markts. Die Kurse der digitalen Währungen schnellen so steil nach oben wie sie auch wieder abstürzen – sie sind also deutlich volatiler als beispielsweise Aktien oder Wertanlagen wie Gold. Postfinance erklärt die hohe Volatilität unter anderem damit, dass der Kryptomarkt noch relativ jung, kaum reguliert und die Börsen anders als auf dem Aktienmarkt immer offen seien.
Dazu kommt, dass gerade kleinere Plattformen weniger liquide sind. Wollen sich die Kundinnen und Kunden in kurzer Zeit einen zu hohen Betrag auszahlen lassen, bringt das die Unternehmen in die Bredouille und kann sie wie beispielsweise bei Zondacrypto gar in die Zahlungsunfähigkeit treiben. Das betrifft dann auch die gesponserten Sportklubs.
Imageschaden
Diese können durch diese Partnerschaften natürlich auch einen grossen Imageschaden erleiden. Ist zum Beispiel ein HCD-Fan über das Sponsoring auf die Kryptobörse gestossen und bangt nach der Insolvenz von Zondacrypto nun um sein Geld, dürfte er sich schon auch fragen, weshalb sein Herzensverein Werbung für einen solchen Partner macht. Gleiches gilt für Fans, die beim Handeln auf diesen Plattformen grosse Verluste machen.
Neben den Klubs treten oder traten aber auch Sportler wie eben Stan Wawrinka, Cristiano Ronaldo oder auch Lionel Messi als Botschafter für Kryptounternehmen an.
Ronaldo veröffentlichte gemeinsam mit Binance eine NFT-Kollektion. Diese sogenannten Non-Fungible Tokens, die für bis zu 10'000 US-Dollar verkauft wurden, waren bald nichts mehr wert. Das Unternehmen wurde später zudem wegen Geldwäsche zu einer Busse von vier Milliarden US-Dollar (ca. 3,31 Mia. Franken) verurteilt. Ausserdem wurde dem Unternehmen im letzten Jahr vorgeworfen, Terroristen zu unterstützen. So solle Binance Überweisungen von über einer Milliarde US-Dollar (ca. 828,29 Mio. Franken) an Organisationen ermöglicht haben, die in den USA als terroristisch eingestuft sind.
Vor der aktuellen Saison wurden die Premier-League-Klubs von der britischen Finanzmarktaufsichtsbehörde (FCA) nun gemahnt, besser aufzupassen, für wen sie werben. «Eine Reihe nicht zugelassener Unternehmen, darunter Kryptofirmen und Handelsplattformen, nutzen Sponsoring, um ahnungslose Fussballfans anzusprechen», teilte diese mit. Deshalb habe die FCA den Klubs direkt geschrieben, um sie auch an ihre Verantwortung gegenüber ihren Fans zu erinnern.
«Millionen von Fussballfans vertrauen dem Wappen ihres Vereins», sagte Lucy Castledine, Leiterin der Abteilung für Verbraucherinvestitionen, und fügte an: «Die Vereine sollten nicht erlauben, dass nicht zugelassene Finanzunternehmen diese Loyalität ausnutzen.»
Die FCA nannte kein Unternehmen explizit, doch hat zum Beispiel ManCity-Partner OKX keine Lizenz in Grossbritannien. Im Jahr 2025 gab die Kryptobörse zu, gegen die Geldwäschegesetze der USA verstossen zu haben, und bezahlte eine Strafe von über 500 Millionen US-Dollar (ca. 414 Mio. Franken). Dennoch wirbt Manchester City weiter für OKX.
Die neuen Wettanbieter
Die Premier-League-Klubs sind für diese weltweit aktiven Sponsoren besonders attraktiv. Für verhältnismässig wenig Geld erreichen sie dadurch nämlich Millionen von Menschen nicht nur in England, sondern beispielsweise auch in Asien.
Und seit dieser Saison treten die Klubs im englischen Oberhaus nicht mehr mit Anbietern von Sportwetten als Brustsponsoren auf – auf Ärmeln, Trainingstrikots und Werbebanden sind diese aber weiterhin vertreten. Es ist eine freiwillige Einigung der Premier-League-Vereine. So machten sie auch Platz für Sponsoren aus anderen Branchen. Dass nun acht von 20 Klubs den Namen eines Unternehmens aus der Finanzbranche (nicht ausschliesslich Kryptofirmen) auf der Brust tragen, ist nicht ohne Ironie.
So werden manche Glücksspielanbieter durch Unternehmen ersetzt, deren Kundinnen und Kunden ebenfalls ihr Geld riskieren, um potenziell grosse Gewinne zu erzielen. Diese werden in einem Grossteil der Fälle aber ausbleiben.
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