Wie weiter mit Nino Niederreiter?
Enttäuschender hätte die neue Saison für Nino Niederreiter kaum starten können. In den ersten beiden Spielen kam der Schweizer Stürmer in der vierten Linie zum Einsatz und war dabei trotz rund zehn Minuten Eiszeit quasi durchs Band eine statistische Nullnummer: keine Skorerpunkte, kein Torschuss, ja nicht einmal ein einziger Abschlussversuch. Einzig zwei Checks, eine herausgeholte Strafe, aber auch einen Puckverlust musste sich El Nino notieren lassen.
Scott Arniel, Trainer der Winnipeg Jets, zog daraus Konsequenzen. Niederreiter wanderte im dritten Saisonspiel auf die Tribüne und sah von dort aus, wie seine Teamkollegen die Pittsburgh Penguins mit 3:2 besiegten. Am Mittwochabend das gleiche Bild: Mit dem Schweizer in der Pressebox gewannen die Jets gegen die Colorado Avalanche mit 3:2. Berichte über eine allfällige Verletzung oder auch nur eine leichte Blessur Niederreiters liegen nicht vor. So stellt sich bei manchem Schweizer Hockey-Fan wohl die Frage: Ist das schon das Ende von Nino Niederreiters NHL-Karriere?
Das wäre ein zu voreiliges Fazit. Ja, aktuell sieht es für den Schweizer Nationalstürmer nicht gut aus, doch Winnipeg hat auch erst vier Spiele gespielt. Einerseits stehen damit immer noch 80 (!) Regular-Season-Spiele aus. Dass Niederreiter bei allen nur zuschaut, ist extrem unwahrscheinlich. Und andererseits kann sich die Lage in der NHL schnell verändern. Es reicht, wenn eine einzige Verletzung das Kader der Jets durchwirbelt, oder Niederreiter gut trainiert und plötzlich spielt er wieder.
Also stellt sich noch die Frage, ob der Schweizer mit seinen 34 Jahren weiterhin ein wertvoller NHL-Spieler sein kann. Der Blick auf die letzte Saison sagt: Ja. Zwar hat Niederreiter in 61 Spielen (er wurde auch von einer Knieverletzung gebremst) nur noch 19 Skorerpunkte gesammelt, aber sein Spiel ist mittlerweile nur noch bedingt von Toren und Assists abhängig. Der Churer war bei den Jets ein äusserst zuverlässiger Defensivstürmer. Winnipeg hatte mit ihm auf dem Eis quasi immer weniger gegnerische Chancen zugelassen, als eigene Chancen kreiert wurden.
In den ersten beiden Spielen in dieser Saison war das aber entschieden anders – auch wenn die Aussagekraft in nur zwei Spielen natürlich extrem eingeschränkt ist. In den 11:39 Minuten, die Niederreiter zum Saisonstart gegen Boston auf dem Eis stand, hatten die Jets eine Torchance und die Bruins deren vier. Und in den 9:13 Minuten gegen Detroit mit Niederreiter auf dem Eis hatte Winnipeg keine einzige Chance und liess drei gegnerische Möglichkeiten zu.
Für Niederreiter rückte Cole Koepke auf den linken Flügel der vierten Linie. Machte der 28-Jährige es besser? Auch hier reichen zwei Spiele natürlich nicht aus, um die Frage abschliessend zu beantworten. Die Analytics von Koepke sind ein Stück besser als die von Niederreiter, aber auch der US-Amerikaner wurde in einem seiner beiden Spiele (gestern gegen Colorado) mit einem Chancenverhältnis von 2:12 krass dominiert. Im Gegensatz zum Schweizer war er aber insgesamt etwas aktiver.
Auch wenn Niederreiter in dieser Saison bei Winnipeg sicher wieder zum Einsatz kommen wird, so ist seine Zukunft in der NHL unsicher. Der Vertrag des 34-Jährigen in Winnipeg läuft im nächsten Sommer aus und eine Verlängerung bei den Jets scheint derzeit unwahrscheinlich. Die Frage wird sein, ob er versuchen wird, danach wieder bei einem NHL-Team unterzukommen, oder ob er eine Rückkehr in die Heimat vorzieht. Niederreiter trainiert während der Sommermonate jeweils regelmässig beim HC Davos und ist Miteigentümer beim EHC Chur.
Bis er diese Entscheidung fällen muss, hat Niederreiter aber sicher noch andere Ziele. Die Marke von mehr als 1000 NHL-Spielen hat er bereits letzte Saison geknackt. Für die Marke von 500 Skorerpunkten fehlt ihm noch ein Tor oder ein Assist. So dürfte der Nati-Stürmer umso heisser auf seinen nächsten NHL-Einsatz brennen.
