Von Neulingen und nötigen Steigerungen – das erwartet die NHL-Schweizer in dieser Saison
Roman Josi
Letzte Regular Season: 68 Spiele, 13 Tore, 42 Assists
NHL-Total: 1030 Spiele, 203 Tore, 576 Assists
Zum Start der letzten Saison gab es bei Roman Josi noch einige Unsicherheiten. Wie lassen sich die Belastungen einer NHL-Saison mit seiner jüngst diagnostizierten Herzkrankheit Posturales Tachykardiesyndrom (POTS) vereinbaren? Die Antwort kam schnell: ziemlich gut. Zwar schlug sich der Schweizer auch in der vergangenen Spielzeit immer wieder mit der einen oder anderen Verletzung herum, aber er absolvierte immerhin beinahe 70 Spiele, dazu Olympia und Heim-WM mit der Schweizer Nati.
Auch jetzt ist Josi wieder gesund und bereit, die neue Saison mit den Predators anzugreifen. Nach zwei enttäuschenden Saisons sollen nun endlich wieder die Playoffs erreicht werden. Dafür braucht es einen Roman Josi in absoluter Topform, denn das Kader von Nashville ist immer noch eher dünn – aber es gibt einige neue Gesichter.
Der neue General Manager Chris McFarland (von Colorado gekommen) hat bereits begonnen, das Team umzubauen. Die Stürmer Ross Colton und Jack Drury hat er gleich aus Colorado mitgenommen. Am interessantesten ist aber die Verpflichtung von Mavrik Bourque (ehemals Dallas), der Nashville als zusätzliche offensive Waffe zur Verfügung stehen soll.
Was für eine erfolgreiche Saison spricht:
- Roman Josi startet gesund und bestens vorbereitet in die neue Saison.
- Es gibt für Josi in Nashville keine ernsthafte Konkurrenz. Er ist bei den Predators DER Offensivverteidiger. Das Spiel nach vorne läuft über ihn – in allen Situationen und insbesondere im Powerplay.
- Auch letzte Saison trug der Schweizer trotz diverser Verletzungen viel zur Nashville-Offensive bei. Bleibt er komplett gesund, sind rund 70 Punkte möglich.
- General Manager Chris McFarland wird versuchen, die Mannschaft im Laufe der Saison weiter zu verstärken.
Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:
- Roman Josi ist bereits 36 Jahre alt. Seine letzte verletzungsfreie Saison ist bereits zwei Jahre her. Ein beginnender Leistungsabfall wäre keine Überraschung.
- Der Schweizer schultert zudem in Nashville enorm viel Verantwortung. Er wird regelmässig mehr als 25 Minuten Eiszeit pro Spiel erhalten und die Regular Season dauert nun noch zwei Spiele länger. Wird die Belastung irgendwann zu viel?
- Josi ist offensiv stark. Defensiv waren die letzten zwei Saisons aber einige der schwächsten seiner Karriere. Das war mit ein Grund, warum die Predators grosse Probleme hatten.
Prognose: 11 Tore, 49 Assists
Nico Hischier
Letzte Regular Season: 82 Spiele, 28 Tore, 38 Assists
NHL-Total: 609 Spiele, 199 Tore, 289 Assists
Die letzte Saison dürfte sich für Nico Hischier gut angefühlt haben. Erstmals seit seinem Rookiejahr 2017/18 hat der Walliser alle 82 Spiele in einer Saison bestritten und keine (grösseren) Verletzungen mitgeschleppt. Trotzdem war das Jahr für die Devils enttäuschend – mit nur Rang 7 in der Metropolitan Division wurden die Playoffs ziemlich deutlich verpasst.
Das hatte diverse Gründe: Die Devils schlugen sich erneut mit vielen Verletzungen herum, darunter fiel auch Superstar Jack Hughes erneut mehr als 20 Spiele aus. In der Verteidigung herrschte wenig Konstanz und Goalie Jacob Markström war alles andere als zuverlässig. Aber auch Hischier zog für seine Verhältnisse eine eher schwächere Saison ein.
Mit «nur» 66 Punkten aus 82 Spielen war seine offensive Ausbeute so gering wie seit 2020/21, als er einen grossen Teil der Saison verletzt verpasste, nicht mehr. Einerseits war dies wohl auch etwas Pech geschuldet. Hischier musste aber auch so viel defensive Verantwortung schultern, wie noch nie zuvor und tat dies akzeptabel – aber halt eben auf Kosten der Punkteproduktion. Die Mannschaft der Devils war von General Manager Tom Fitzgerald schlicht nicht zufriedenstellend zusammengestellt worden. Deshalb wurde der 58-Jährige im April nach sieben Jahren bei den Devils entlassen und durch Sunny Mehta (vorher Assistenz-GM bei den Florida Panthers) ersetzt.
Was für eine erfolgreiche Saison spricht:
- Hischier ist vor dem Saisonstart topfit und bereit für die neue Saison. Er hat sich nun seit der WM 2025 nicht mehr mit einer Verletzung herumschlagen müssen. Das Vertrauen in den eigenen Körper dürfte hoch sein.
- Der neue GM Sunny Mehta hat die Devils gezielt verstärkt. Luke Evangelista und Evan Rodrigues sind gute Zweiwegstürmer, die Hischier etwas von seinen defensiven Pflichten befreien können, damit sich dieser offensiv wieder mehr entfalten kann.
- Letzte Saison war Hischiers Schusseffizienz ein gutes Stück tiefer als im Jahr zuvor, wo er die 30-Tore-Marke knackte. Eine Rückkehr zu dieser Form und der Schweizer trifft wieder regelmässiger. Hischier muss aber auch schauen, dass er wieder regelmässiger in gefährlichen Positionen zum Abschluss kommt.
Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:
- Unter Cheftrainer Sheldon Keefe hat sich Hischiers Spiel etwas in die falsche Richtung entwickelt: Er und die Devils haben weniger oft den Puck, generieren weniger Chancen, kassieren mehr Strafen und leisten sich mehr Puckverluste als zuvor unter Lindy Ruff. Etwas mehr Tempo, insbesondere im Umschaltspiel, würde Hischier und die Devils bevorteilen.
- In New Jersey harmonieren Nico Hischier und Timo Meier bislang noch nicht ganz gleich gut, wie sie das beispielsweise in der Schweizer Nati tun.
- Die Devils bleiben ein verletzungsanfälliges Team. Jack Hughes hat in seiner Karriere noch nie eine komplette Saison bestritten und auch Hischier hat dieses Kunststück erst zwei Mal geschafft. New Jersey kann sich Ausfälle seiner zwei besten Center nicht leisten.
- Die Konkurrenz im Osten ist extrem stark. In der Metropolitan Division kämpfen neben Stanley-Cup-Champion Carolina auch die verstärkten Washington Capitals um den Titel, während sich Philadelphia, Pittsburgh und die New York Islanders wohl auf Augenhöhe mit den Devils befinden.
Prognose: 32 Tore, 50 Assists
Timo Meier
Letzte Regular Season: 77 Spiele, 24 Tore, 20 Assists
NHL-Total: 698 Spiele, 241 Tore, 238 Assists
Wir müssen nicht um den heissen Brei herumreden: 24 Tore und nicht einmal 50 Punkte sind zu wenig für einen Stürmer wie Timo Meier, der jährlich 8,8 Millionen US-Dollar verdient. Er selbst erhofft sich mehr und wenn die Devils zurück in die Playoffs und dort auch erfolgreich sein wollen, dann benötigen sie dringend mehr vom Appenzeller.
Doch was ist mit dem Timo Meier geschehen, der in der Saison 2022/23 noch 40 Tore erzielt hat? Einerseits «leidet» er wie Hischier auch an den defensiven Pflichten. Der Flügelstürmer kommt stets an der Seite von Hischier in New Jerseys Toplinie zum Einsatz. Ihre wichtigste Aufgabe ist es dabei, die gegnerischen Toplinien zu neutralisieren. Letzte Saison begann Meier nur 45,6 Prozent seiner Einsätze in der offensiven Zone – das ist der Tiefstwert seiner bisherigen NHL-Karriere. Zum Vergleich: In seiner 40-Tore-Saison startete Meier über 70 Prozent seiner Einsätze in der offensiven Zone.
Das ist – wie bei Nico Hischier – der offensiven Produktion natürlich abträglich. Kommt bei Meier hinzu, dass seine Schusseffizienz in der ganzen Karriere noch nie so tief war wie letzte Saison. Der bald 30-Jährige war sicher auch etwas vom Pech verfolgt, weshalb eine Steigerung dieses Jahr nicht unwahrscheinlich ist.
Was für eine erfolgreiche Saison spricht:
- Dass Timo Meier und Nico Hischier unter den richtigen Umständen harmonieren können, haben sie bei den Olympischen Spielen und an Weltmeisterschaften bereits bewiesen. Allerdings spielt Meier in der Nati auf Hischiers rechtem Flügel und in New Jersey auf der linken Seite.
- Meier ist fit und konnte in den Vorbereitungsspielen nicht nur mit Skorerpunkten, sondern auch mit Tempo und Energie überzeugen – etwas, das den Devils zuletzt gefehlt hat.
- Ähnlich wie bei Hischier: Wenn einige Devils-Neuzugänge zusätzliche defensive Verantwortung übernehmen können, öffnet das den Schweizer Stürmern offensive Räume.
Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:
- Bislang kommt Timo Meier in New Jersey einfach nicht gleich auf Touren, wie zuvor in San Jose. Ob sich das nach vier Jahren nun plötzlich ändert? Unwahrscheinlich.
- Meier betont zwar, dass er auf beiden Seiten spielen kann, doch die Resultate sprechen eine eindeutige Sprache: Als rechter Flügel performt er besser. Trotzdem setzt ihn Sheldon Keefe konsequent auf der linken Seite ein.
- Es scheint so, als würde Meier erneut nicht im ersten Powerplay der Devils zum Einsatz kommen. So fehlen ihm natürlich gute Möglichkeiten, um zu Toren und Assists zu kommen.
Prognose: 28 Tore, 28 Assists
Jonas Siegenthaler
Letzte Regular Season: 82 Spiele, 0 Tore, 16 Assists
NHL-Total: 449 Spiele, 10 Tore, 72 Assists
Jonas Siegenthaler absolvierte letzte Saison zum ersten Mal in seiner NHL-Karriere sämtliche 82 Spiele in einer Saison – und verpasste die Heim-WM dann doch verletzungsbedingt. Wegen akuter Nackenbeschwerden musste sich der Zürcher Verteidiger – auf Anraten der Devils – einer Operation unterziehen. Nun ist Siegenthaler aber wieder gesund und bereit für die Saison.
Wenn Jonas Siegenthaler seine Leistungen konstant abrufen kann, dann ist er einer der besten Defensivverteidiger der Welt. Letzte Saison war das allerdings nicht der Fall. Die gegnerischen Teams kamen sowohl zu gefährlichen Chancen als auch zu Toren, wenn Siegenthaler auf dem Eis stand. Womöglich wurde er durch seine Nackenbeschwerden doch etwas mehr beeinträchtigt, als er das selbst zugeben wollte.
Was für eine erfolgreiche Saison spricht:
- Dank der Operation im Frühling ist Siegenthaler nun wieder gesund und beschwerdefrei. Einer guten Saison steht aus körperlicher Sicht nichts im Wege.
- Dougie Hamilton und Jonathan Kovacevic sind beide wieder fit. Mit beiden hat Siegenthaler schon exzellente Saisons gespielt. Voraussichtlich startet er die Saison wieder an der Seite von Hamilton.
- Zugegeben, ein nicht besonders wissenschaftlicher Punkt, aber: Bei Siegenthaler haben sich die letzten vier Jahre gute und schlechte Saisons immer abgewechselt. Dann wäre jetzt also wieder ein gutes Jahr an der Reihe.
- Die NHL-Preseason sollte man nicht zu stark gewichten, aber Siegenthaler hat dort sehr gut ausgesehen.
Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:
- Im ersten Testspiel hat Siegenthaler schon gut ausgesehen. Doch wie sich sein Nacken in einem Ernstkampf anfühlt und verhält, wird sich noch zeigen.
- Die Konkurrenz sitzt Siegenthaler im Nacken. Simon Nemec ist zwar weg (zu Calgary getradet), aber mit Anton Silayev und Seamus Casey haben die Devils zwei weitere hochtalentierte junge Verteidiger, die nach Eiszeit lechzen. Schwächephasen kann sich der Schweizer nicht erlauben.
Prognose: Rund 15 Punkte und eine defensive Steigerung im Vergleich zum Vorjahr.
Kevin Fiala
Letzte Regular Season: 56 Spiele, 18 Tore, 22 Assists
NHL-Total: 707 Spiele, 229 Tore, 299 Assists
Kevin Fiala ist der einzige Schweizer NHL-Stürmer, der schon mehrfach die Marke von mehr als einem Punkt pro Spiel geknackt hat. Davon war er in den letzten zwei Jahren bei den Los Angeles Kings aber ein gutes Stück entfernt. Überhaupt ist bemerkenswert, wie sich die Skorerpunkte des Ostschweizer Stürmers seit seinem Trade zu LA entwickelt haben. Während Fiala pro 60 Minuten Eiszeit immer mehr Tore schiesst, gehen seine Assists massiv zurück.
Dass Fialas Qualitäten als Spielmacher innert kürzester Zeit derart stark nachgelassen haben, ist unwahrscheinlich. Viel logischer ist es, dass sich die Rolle des 30-Jährigen etwas verändert hat. Er ist nun selbst der Spieler, der den Abschluss sucht und auch suchen muss, weil die Kings mit Adrian Kempe sonst nur einen echten Sniper haben. Andererseits ist es auch sicher so, dass Fiala regelmässig mit Spielern zusammenspielt, die nicht in der Lage sind, seine Vorlagen zu verwerten. So ist die Schusseffizienz aller Spieler, wenn Fiala mit ihnen auf dem Eis steht, in den letzten Jahren stets gesunken.
Klar ist: Den Saisonstart wird Kevin Fiala dieses Jahr verpassen. Nach seiner schweren Beinverletzung an den Olympischen Spielen musste sich der Schweizer im Spätsommer einer neuerlichen Operation unterziehen. Die Kings hoffen, dass er Anfang November ins Team zurückkehren kann.
Was für eine erfolgreiche Saison spricht:
- Kevin Fiala ist im Spiel der LA Kings ein offensiver Dreh- und Angelpunkt. Obwohl er rund einen Drittel der letzten Saison verpasste, war er am Ende der viertbeste Skorer des Teams. Wenn er zurückkehrt, wird er auch eine wichtige Rolle übernehmen.
- Es besteht die Möglichkeit, dass Fiala nach seiner Rückkehr eine Flügelzange mit Artemi Panarin bildet. Damit hätte er in LA erstmals wieder ein Spieler auf seinem Level.
Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:
- Fiala hat wegen seiner Verletzung und der späten neuerlichen Operation das gesamte Trainingscamp der Kings verpasst. Dieser Rückstand ist im Verlauf einer Saison oft nur schwer aufzuholen.
- Auch wenn Fiala Anfang November zurückkehren sollte, bleiben Zweifel: Wie lange dauert es, bis das Vertrauen in sein Bein wieder zurück ist?
Prognose: Nach dem verpassten Saisonstart noch 15 Tore und 23 Assists.
Janis Moser
Letzte Regular Season: 79 Spiele, 7 Tore, 29 Assists
NHL-Total: 338 Spiele, 25 Tore, 90 Assists
Nur zwei Dinge im Leben sind garantiert: der Tod und dass sich Janis Moser Saison für Saison verbessert. Letzte Saison standen die Vorzeichen eigentlich schlecht für den Bieler Verteidiger. Victor Hedman, sein erfahrener Verteidigungspartner bei den Tampa Bay Lightning und einer der besten Spieler der Welt auf dieser Position, fehlte die ganze Saison über immer wieder längere Zeit wegen gesundheitlicher Probleme. Doch als Moser mehr Verantwortung übernehmen musste – oder konnte – blühte er so richtig auf.
Gemeinsam mit Darren Raddysh, der seinen grossen Durchbruch erlebte, bildete er eines der besten Verteidigungspaare der Liga. Während Raddysh mit 70 Skorerpunkten offensiv explodierte, sorgte Moser mit seiner Spielintelligenz für die defensive Stabilität. Raddysh ist nun bereits wieder weg (zu Toronto), aber Moser wird an der Seite des erfahrenen Neuzugangs John Carlson wieder eine ähnliche Rolle zukommen.
Was für eine erfolgreiche Saison spricht:
- Janis Mosers Karriere ist ein einziger Steigerungslauf. Der dürfte auch in der neuen Saison weitergehen.
- Auch wenn Victor Hedman wieder gesund ist, dürfte sich Moser bei Tampa langsam aber sicher zum Nummer-1-Verteidiger entwickeln. Im Powerplay dürfen ihm Carlson oder Hedman noch vorgezogen werden, aber bei 5-gegen-5 wartet auf den Schweizer viel Spielzeit.
- Im vergangenen Dezember hat Moser seinen Vertrag um acht Jahre verlängert. Das zeigt, wie viel Vertrauen die Lightning in ihn haben. Und mit 6,75 Millionen pro Jahr ist er im Vergleich zu den Verteidiger-Verträgen dieses Sommers beinahe schon günstig. Unmut der Fans ist daher nicht realistisch.
Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:
- Die Verteidigung der Tampa Bay Lightning ist ziemlich alt. Wenn Victor Hedman (35), John Carlson (36) oder Ryan McDonagh (37) ausfallen sollten, steht Moser plötzlich quasi alleine da. Ist er dem auch gewachsen?
- Mosers Tampa Bay Lightning spielen in der Atlantic Division. Nirgends ist die Konkurrenz härter. Die Playoff-Qualifikation wird kein Spaziergang.
Prognose: 11 Tore, 24 Assists
Pius Suter
Letzte Regular Season: 64 Spiele, 13 Tore, 16 Assists
NHL-Total: 428 Spiele, 95 Tore, 96 Assists
Die St.Louis Blues steuern langsam, aber sicher auf einen Rebuild zu. Die letzte Saison war eine Enttäuschung, vom Meisterschaftsteam von 2019 sind kaum mehr Spieler übrig. Nach jahrelangen Trade-Spekulationen hat Stürmer Jordan Kyrou die Blues im Sommer Richtung Washington verlassen. Auch Robert Thomas könnte noch folgen.
Das macht die Situation für Pius Suter natürlich nicht besser. Der Zürcher Stürmer, der letzte Saison 18 Spiele wegen einer Sprunggelenksverletzung verpasste, steht so vor einer Saison mit vielen Ungewissheiten. Es wird spekuliert, dass auch er einer der Spieler ist, der von den Blues im Laufe der Saison für Draft-Picks noch weggetradet werden könnte. Als versatiler Stürmer für die zweite oder dritte Linie und Unterzahlspezialist könnte er für diverse Teams interessant sein.
Was für eine erfolgreiche Saison spricht:
- Pius Suter ist anpassungsfähig. Egal ob Chicago, Detroit, Vancouver oder St.Louis: Er hat bis jetzt noch an jeder Station persönliche Erfolge gefeiert.
- Trotz Verletzungssorgen hat Suter letzte Saison wie so oft konstant rund einen halben Punkt pro Spiel geliefert. Das ist auch dieses Jahr wieder möglich. Noch immer wird unterschätzt, wie gut er darin ist, sich direkt vor dem Tor festzubeissen und dort für Gefahr zu sorgen.
- Wenn Suter bei St.Louis bleibt, wird er wohl auch die Chance erhalten, eine wichtigere Rolle zu übernehmen, als das bei einem Titelkandidaten der Fall wäre.
Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:
- Suter steht vor einer Saison mit vielen Unsicherheiten: Wie gut ist St.Louis? Wird er im Laufe der Saison getradet? Solche Unsicherheiten können einen Spieler belasten.
- Wenn Suter bei St.Louis bleibt, steht erneut eine schwierige Saison bevor. Die Blues werden mit ihrem Kader auch in dieser Saison eher untendurch müssen.
Prognose: 17 Tore, 24 Assists
Nino Niederreiter
Letzte Regular Season: 61 Spiele, 8 Tore, 11 Assists
NHL-Total: 1030 Spiele, 248 Tore, 251 Assists
Die letzte Saison war wohl die schwierigste in Nino Niederreiters Karriere. Im Februar musste sich der Churer Stürmer wegen anhaltender Knieprobleme einem arthroskopischen Eingriff unterziehen. Danach fiel er für den Rest der NHL-Saison aus und machte für die Heim-WM in Zürich einen Neuaufbau.
Aber an der Weltmeisterschaft war wie schon bei Olympia oder zuvor in Winnipeg zu spüren, dass Niederreiter mittlerweile ein anderer Spieler ist. Er hat nicht mehr das Tempo und die Energie seiner besten Jahre, als er auch mal die 50-Punkte-Marke knackte. Seine Punkteflauten dauern mittlerweile teilweise mehrere Wochen. Stattdessen hat er sich zu einem Defensivspezialisten auf dem Flügel gemausert – er ist also immer noch wertvoll, einfach in einer anderen Rolle.
Was für eine erfolgreiche Saison spricht:
- Dank des Eingriffs im letzten Februar sollten die Knieprobleme mittlerweile Geschichte sein. Nino Niederreiter startet gesund in die Saison.
- Die Jets sind sich Niederreiters veränderter Rolle auch bewusst. Von ihm werden nicht mehr 40 Skorerpunkte erwartet. Er startet die Saison voraussichtlich in der 4. Linie.
Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:
- Die Winnipeg Jets waren letzte Saison eines der schlechtesten Teams der Liga und diese Saison droht noch mehr Chaos: Stargoalie Connor Hellebuyck möchte die Jets verlassen, streikte im Trainingscamp und wurde dafür suspendiert. Ohne ihren besten Einzelspieler dürfte Winnipeg noch schlechter dastehen.
- Niederreiter wird nicht jünger.
Prognose: 10 Tore, 10 Assists
Lian Bichsel
Letzte Regular Season: 50 Spiele, 4 Tore, 4 Assists
NHL-Total: 88 Spiele, 8 Tore, 9 Assists
Lian Bichsel hat vergangene Saison seine erste komplette Spielzeit in der NHL absolviert – oder er hätte es, wenn er nicht zwischen Ende November und Ende Januar verletzt ausgefallen wäre. In den 50 Spielen, die er gemacht hat, konnte er seine Stärken ausspielen: Checks austeilen, Härte ins Spiel bringen und Schüsse blocken. Bichsel muss sicher noch Erfahrung sammeln, damit sein Einfluss auch in der Offensive noch grösser wird.
Was für eine erfolgreiche Saison spricht:
- Bichsel startet in seine 3. NHL-Saison. Mit 22 Jahren darf ein weiterer Entwicklungsschritt erwartet werden.
- Der Solothurner Verteidiger beginnt die Saison in Dallas wohl im dritten Verteidigungspaar. Er dürfte damit auch etwas leichtere Matchups erhalten, die ihm das Leben etwas einfacher machen.
- Bichsel befindet sich im letzten Jahr seines Entry-Level-Vertrags. Oftmals zeigen Spieler im letzten Jahr eines Vertrags ihre besten Leistungen.
Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:
- Bichsel ist wegen seiner Grösse und seiner Härte im Spiel bereits auf dem Radar der Schiedsrichter. Er darf sich sicher weniger erlauben als andere Spieler, bis er auf der Strafbank landet.
- Die Stars sind ein Titelkandidat und nicht dafür bekannt, viel Geduld mit jungen Spielern zu haben. Bringt Bichsel seine Leistung nicht, könnte er trotz vieler Vorschusslorbeeren schnell degradiert werden.
- Bichsel spielt auch um seinen nächsten NHL‑Vertrag. Dieser Druck kann einen Spieler auch hemmen.
Prognose: Mehr als 65 Spiele und 15 Skorerpunkte.
Akira Schmid
Letzte Regular Season: 34 Spiele, 2,59 Gegentore/Spiel, 89,3 Prozent Fangquote
NHL-Total: 82 Spiele, 2,66 Gegentore/Spiel, 89,8 Prozent Fangquote
Auf den ersten Blick war Akira Schmids vergangene Saison bei den Vegas Golden Knights wenig berauschend. Allerdings galt das für alle Goalies in der Wüstenstadt und so war Schmid am Ende der Beste des Trios mit Carter Hart und Adin Hill. Wenn Trainer-Saurier John Tortorella trotz dessen schwacher Leistungen nicht stur an Hart festgehalten hätte, wäre Schmid womöglich auch im Stanley-Cup-Final noch zum Einsatz gekommen.
So aber endete die Zeit des Emmentalers in Las Vegas. Er erhielt von den Florida Panthers einen neuen Vertrag, die ihr Goalie-Duo im Sommer komplett umbauten. So ist Schmid beim Stanley-Cup-Sieger von 2024 und 2025 jetzt die Nummer 2 hinter dem Schweden Jacob Markström (vorher New Jersey Devils).
Was für eine erfolgreiche Saison spricht:
- Die Florida Panthers sind ein Superteam – vermutlich das beste und ausgeglichenste Kader der NHL. Hinter einer solchen Mannschaft müsste es für einen Torhüter eigentlich einfach sein, zu überzeugen.
- Jacob Markström ist als Nummer 1 sehr bipolar. Entweder ist er beinahe unschlagbar, oder er ist sehr inkonstant. Wenn zweiteres eintreffen sollte, wird Schmid genügend Chancen erhalten, sein Talent zu beweisen.
- Mit 26 Jahren erreicht Schmid langsam das beste Alter für einen Torhüter. Es wird Zeit, dass er nun die Kombination aus seiner Ruhe, seinem Talent und mittlerweile auch seiner Erfahrung aus bald 100 Spielen ausspielt.
Was gegen eine erfolgreiche Saison spricht:
- Wenn Markström eines seiner Jahre hat, in denen er quasi unbezwingbar ist, wird sich Schmid nur selten beweisen können – und kaum in den ganz wichtigen Spielen.
- Es gibt Gerüchte, dass Florida an einem Trade für Winnipeg-Star-Goalie Connor Hellebuyck arbeitet. Aktuell scheint das finanziell kaum möglich, doch NHL-GMs finden immer wieder kreative Wege, um Dinge zu ermöglichen. Je nachdem wäre dann Schmid nur noch die Nummer 3, die Nummer 2 hinter Hellebuyck statt Markström oder auch selbst plötzlich bei einem neuen Team.
Prognose: Schmid spielt eine solide Saison als Nummer 2 in Florida mit einer Fangquote um die 90 Prozent.
Attilio Biasca
Für die meisten Schweizer Hockey-Fans kam die Nachricht wohl überraschend. Mitte Juni unterschrieb Attilio Biasca – frischgebackener Vizeweltmeister und Schweizer Meister mit Fribourg-Gottéron bei den Boston Bruins. An der WM erkämpfte sich der Powerstürmer im Laufe des Turniers einen Platz an der Seite von Nico Hischier und Timo Meier und bewies dort, dass er durchaus auf Augenhöhe mit den NHL-Söldnern agieren kann.
Nun hat er bei den Boston Bruins um einen Platz im NHL-Kader gekämpft – muss die Saison aber genau wie Rochette in der AHL beginnen. Biasca kennt das Eishockey in Nordamerika bereits aus zweieinhalb Saisons bei den Halifax Mooseheads. Zudem wird in Boston durchaus auch Deutsch gesprochen: Cheftrainer ist der deutsche Marco Sturm und im Kader befinden sich mit J.J. Peterka und Lukas Reichel zwei deutsche Nationalstürmer. Einen Deutsch-Bonus gibt es für Biasca aber natürlich nicht. Wenn er sich in Nordamerika festbeissen möchte, muss er diese Saison realistischerweise auch den Umweg über die AHL in Kauf nehmen.
Prognose: Kommt in der AHL häufiger zum Einsatz als in der NHL.
Théo Rochette
Gleich wie Attilio Biasca hat auch Théo Rochette Mitte Juni einen NHL-Vertrag unterschrieben. Den Lausanner Stürmer zog es zu den Detroit Red Wings. Was die Skorerpunkte angeht, kann Rochette zwar ein besseres Palmarès vorweisen als Biasca – letzte Saison in Lausanne sammelte er knapp einen Punkt pro Spiel. Doch als eher kleinerer und schmächtigerer Spieler dürfte es für ihn schwieriger sein, sich in der NHL tatsächlich durchzusetzen. Die Frage wird sein, ob er die Geduld hat, auch den Umweg über die AHL in Kauf zu nehmen, oder ob er eine Rückkehr zu Lausanne auf Leihbasis vorzieht. Er beginnt die Saison auf jeden Fall mal bei Detroits Farmteam in Grand Rapids.
The Red Wings have assigned 17 players to Grand Rapids (AHL).
— NHL Rosters (@NHL_Rosters) September 25, 2026
Sheldon Dries
Shai Buium
Trey Augustine
Michal Postava
Sutter Muzzatti
John Leonard
Cameron Butler
Theo Rochette
Ronnie Attard
Ondrej Becher
Dominik Shine
Dylan James
Wilmer Skoog
Noah Dower Nilsson
Jacob Bryson
Jesse…
Prognose: Kommt mehrheitlich in der AHL zum Einsatz oder wird gar an Lausanne ausgeliehen.
Leon Muggli
Der Zuger Verteidiger versucht sich nun zum zweiten Jahr in Folge in Nordamerika. Letzte Saison konnte sich der mittlerweile 20-Jährige auch in der AHL noch nicht nach Wunsch durchsetzen. Heuer startet er die Saison erneut im Farmteam der Washington Capitals und hofft dort auf eine grössere Rolle
NEWS: The Washington Capitals have assigned D Cam Allen, D Ryan Chesley, LW Andrew Cristall, D David Gucciardi, C Tyler Kopff, LW Lynden Lakovic, LW Ēriks Mateiko, D Leon Muggli, C Theodor Niederbach, RW Terik Parascak, C Petr Sikora, and LW Alexander Suzdalev to Hershey (AHL).…
— Around The Horn Hockey (@ATHornHockey) September 27, 2026
Prognose: Verbringt die ganze Saison in der AHL.
Philipp Kurashev
Philipp Kurashev hatte letzte Saison bei den San Jose Sharks eigentlich einen guten Einstand. Nach einer besonders heissen Woche mit 7 Punkten aus vier Spielen Anfang November kürte ihn die NHL gar zum drittbesten Spieler dieser Woche. Doch eine Verletzung Mitte Dezember warf den Berner wieder aus dem Konzept. Nach seiner Rückkehr Ende Januar kam er nur noch unregelmässig zum Einsatz und liess wieder die Konstanz vermissen.
So kommt es, dass Kurashev auch kurz vor dem Saisonstart noch ohne NHL-Vertrag ist. Ja, nicht einmal zu einem Tryout-Vertrag, um sich im Trainingscamp eines Teams zu beweisen, hat es gereicht. Selbst wenn Kurashev nun noch einen NHL-Vertrag erhalten sollte (beispielsweise im Fall einer gravierenden Verletzung bei einem anderen Spieler), so ist eine erfolgreiche Saison unwahrscheinlich. Selbst talentiertere Spieler als Kurashev hatten nach einem verpassten Trainingslager Mühe, den Tritt in der NHL noch zu finden (siehe Saison 2018/19 von William Nylander in Toronto). Gemäss einem NZZ-Bericht soll Kurashev sich noch in dieser Woche für einen neuen Arbeitgeber in der Schweiz entscheiden.
