Bichsel-Sperre aufgehoben – NHL-Verteidiger darf wieder für die Hockey-Nati spielen
Seine Sperre hat das Schweizer Eishockey in den letzten zweieinhalb Jahren auf Trab gehalten. Der Schweizer NHL-Verteidiger Lian Bichsel durfte das Nati-Trikot weder bei der Heim-WM noch bei den Olympischen Spielen tragen.
Auch der neue Nationaltrainer Jan Cadieux kannte nach seiner Amtsübernahme von Patrick Fischer kurz vor der Heim-WM keine Gnade. Bichsel, 22 Jahre alt, mit den Dallas Stars frühzeitig aus dem NHL-Playoff ausgeschieden, blieb ausgeschlossen. Für das vierte grosse Turnier in Serie.
Nun brechen endlich neue Zeiten an. Auf die neue Saison hin ist Bichsel wieder willkommen. Patrick von Gunten, neuer Director Sport von Swiss Icehockey, sagt auf Anfrage von «Schweiz heute»: «Wir haben mit Lian Bichsel gesprochen und die Situation gemeinsam geklärt. Er ist wieder ein Kandidat für die A-Nationalmannschaft.»
Weitere Erläuterungen stellt von Gunten am kommenden Dienstag in Aussicht. Dann tritt er Kraft seiner neuen Funktion als Nachfolger von Lars Weibel erstmals vor die Medien. Gemeinsam mit Nationaltrainer Cadieux.
Wie stabil ist die Beziehung Cadieux/Bichsel?
Damit naht das Ende einer unrühmlichen Geschichte, in der es nur Verlierer gab. Auf der einen Seite Bichsel. Der Verteidiger, der mit 22 bereits den Sprung vom Talent zum Stammspieler in einer der besten NHL-Mannschaften geschafft hat, musste mit dem Etikett des Verstossenen leben. Und dies, obwohl er «nur» zwei U20-Aufgeboten keine Folge geleistet hatte. Aus nachvollziehbaren Gründen überdies. Wenn ein Spieler auf das «Stopp» seines Körpers hört, oder sich unmittelbar nach einem Transfer nach Schweden beim Team integrieren will, ist das verständlich. Andererseits Swiss Icehockey, weil es die Beziehung mit einem der grössten Talente seit Jahren unnötig gefährdete.
Darüber, was nach der Sperre genau passierte, welche Annäherungsversuche und Einsichtserklärungen es gab, gehen die Meinungen weit auseinander. Wie in fast jedem Streit halt. Die grosse Frage lautet darum nun: Ist etwas hängen geblieben zwischen Bichsel und den Nati-Verantwortlichen? Ist die Beziehung Cadieux/Bichsel stabil genug?
Dass mit Weibel und Fischer die Haupt-Verantwortlichen der «Ära-Bichsel-Sperre» nicht mehr am Ruder sind, kann helfen. Ein Neustart unter Patrick von Gunten kann gelingen. Falls Bichsel die Gespräche mit von Gunten und Cadieux als einen echten Neuanfang empfindet. Der Spieler selbst möchte sich derzeit auf Anfrage noch nicht äussern.
Es könnte dauern bis zu Bichsels Nati-Debüt
Dass die Fans Lian Bichsel bald einmal im Schweizer Nati-Trikot zu sehen bekommen, ist indes noch nicht absehbar. Und zwar aus mehreren Gründen:
- Es ist gut möglich, dass Bichsels Dallas Stars, die auf dem Papier zu den besten NHL-Teams gehören, nach einem enttäuschenden Jahr im kommenden Frühling wieder mehr als eine NHL-Playoff-Runde überstehen. NHL-Spieler bestreiten die WM nur dann, wenn ihr Team schon ausgeschieden ist.
- Bei Bichsel kommt hinzu, dass er derzeit im letzten Jahr seines drei Jahre laufenden Entry-Level-Vertrags steht. Das bedeutet: Nur wenn seine Zukunft bei Dallas (oder einem anderen Team im Falle eines Transfers) schon vor der WM geklärt ist, würde er das Turnier in Deutschland bestreiten. Ansonsten wäre das Risiko einer Verletzung zu gross. Auch dies ist Usus bei NHL-Spielern.

