In Österreichs Hockey-Verband brodelt es – Frauen drohen mit WM-Boykott
Österreichs Fraueneishockey müsste sich eigentlich im Höhenflug befinden. Das ÖEHV-Team gewann im April 2025 das Turnier der Division 1 und sicherte sich damit den Aufstieg und die erstmalige Teilnahme an der Weltmeisterschaft der höchsten Kategorie.
Doch stattdessen befinden sich viele Spielerinnen momentan auf Kriegsfuss mit dem Verband. Aktuell bestreitet das Nationalteam in der Slowakei das erste Vorbereitungsturnier dieser Saison – dabei fehlen allerdings elf Spielerinnen, die beim Aufstieg im vergangenen Frühling dabei waren.
Einige Spielerinnen wurden nicht aufgeboten, weil sie gemäss dem österreichischen Verband «erforderliche Leistungstests» verpasst hätten. Andere ÖEHV‑Akteurinnen leisteten dem Aufgebot aus Protest keine Folge. Denn die Österreicherinnen sind unzufrieden, wie sie vom Verband behandelt werden. «Es geht uns keinesfalls nur ums Geld, sondern um Gleichbehandlung», sagte Verteidigerin Antonia Matzka.
@zeitimbild Österreichs Eishockey-Nationalteam droht, aus Protest nicht zur WM zu fahren: Grund seien die schlechten und unprofessionellen Bedingungen für das Team #zeitimbild #zib #eishockey #eishockeywm #nationalteam ♬ News Report Political Tensions Rise over Seas Technology - Viral Sound Empire
Bereits im März hätten sie dem Verband einen Katalog mit Forderungen überreicht. Etwa, dass sie nicht mehr in Etagenbetten schlafen müssen. Dass sie sich nicht mehr in «Hütten ohne Heizung» umziehen müssen. Dass sie eigene Kleider erhalten und nicht mehr einfach die Restposten der Männerteams übernehmen müssen – oder ganz einfach genug zu essen. Da die Frauen vom Verband offenbar keine Antwort auf diese Forderungen erhalten haben, gab es bereits im Mai bei einem Trainingslager einen ersten Boykott.
Und es könnte gar noch weitergehen. «Wenn nichts hilft, sind wir sogar bereit, auf die WM zu verzichten, wenn es der nächsten Generation dafür besser geht», sagte Kapitänin Anna Meixner. Der ÖEHV behauptete zwar, man habe sich sofort mit den Vertretern der Spielergewerkschaft getroffen, um die Forderungen abzuarbeiten. Die Gewerkschaft verneint dies allerdings. «Von den neun Verbesserungsvorschlägen ist bislang kein einziger schriftlich bestätigt worden», sagte Gewerkschafter Sascha Tomanek. Mittlerweile fordert die Gewerkschaft gar eine Überprüfung der Vorgänge im ÖEHV durch das österreichische Sportministerium.
Unterstützung erhalten die Frauen auch von ihren männlichen Kollegen. Der frühere ZSC-Junior und heutige NHL-Stürmer Marco Rossi sagte: «Ich verstehe die Entscheidung, man sollte auch zu 100 Prozent hinter den Frauen stehen.» Und Nationalstürmer Paul Huber meinte: «Gewisse Basics sollten gegeben sein. Ich hoffe für die Frauen, dass sie sich durchsetzen.»
Klar ist: Viel Zeit bleibt dem ÖEHV nicht mehr, um die Gemüter zu beruhigen. Die Frauen-WM der höchsten Kategorie findet bereits vom 6. bis 16. November in Dänemark statt. (abu)
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