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EHC Kloten Cheftrainer Per Hanberg, hinten, und seine Spieler Fabian Ganz, vorne von links, Robin Leone, Patrick Obrist und Jeffrey Fueglister enttaeuscht nach dem 2-4 waehrend dem fuenften Eishockey Playoff-Finalspiel der Swiss League zwischen dem EHC Kloten und dem HC Ajoie am Montag, 26. April 2021, in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Kloten-Trainer Per Hånberg muss nach der Aufstiegsenttäuschung gehen. Bild: keystone

Eismeister Zaugg

Kloten will weiterhin in die National League – aber der Trainer muss gehen

Kloten ist im Aufstiegskampf dramatisch gescheitert. Nun stecken die Zürcher in einer Sinnkrise, aus der sie ein neuer Trainer erlösen soll. Eine Geschichte aus dem Seldwyla unseres Hockeys.



Eigentlich ist Kloten der perfekte Klub für die Swiss League. Aus einer kleinen Stadt im Windschatten der Megalopolis Zürich und der mächtigen ZSC Lions. Nach bitteren Erfahrungen im sportkapitalistischen Grössenwahn geläutert und demütig geworden. Gleichsam eine Oase in einem der reichsten Wirtschaftsräume Europas, in der die wahren Werte – Nähe zu den Fans, Bescheidenheit, Transparenz, Nachwuchsförderung – gehegt und gepflegt werden wie selten gewordene Pflanzen. Hockeyromantik pur.

Vielleicht gar mit einem Schweizer Trainer, der nicht mit schnödem Erfolgsdenken gestresst wird und nebenbei an der städtischen Sekundarschule in der Woche noch zwei Turnlektionen gibt und die Männerriege leitet. Ach, wäre das schön!

Aber Kloten kann so wenig bescheiden und romantisch werden wie das Kamel aus dem Gleichnis im Buch der Bücher durchs Nadelöhr zu kriechen vermag.

Die Eishockeyspieler Felix Hollenstein, rechts, und Roman Waeger des EHC Kloten feiern am 1. April 1995 im Stadion Schluefweg in Kloten, Schweiz, den Sieg der Eishockey Meisterschaft. (KEYSTONE/Str)

Ein Klub mit der Geschichte des EHC Kloten kann nicht bescheiden bleiben. Bild: KEYSTONE

Zu ruhmreich ist die Vergangenheit mit einer 56-jährigen Geschichte und fünf Meisterschaften auf der ganz grossen nationalen Bühne. Wer so eine Vergangenheit hat, ist zu höherem berufen als dörflicher Hockeyromantik.

So wie es sich ein verarmter Adeliger nicht leisten kann, sich mit einem Reihenhaus zu begnügen und ein stattliches Anwesen bewohnt, das er sich eigentlich nicht leisten kann, so ist Kloten zum Aufstieg in die höchste Liga verdammt. Eine Liga, die, wie wir aus der jüngsten Vergangenheit wissen, zwar standesgemäss ist. Aber sich Kloten eigentlich nicht mehr leisten kann.

Ein bisschen ist Kloten ein Seldwyla unseres Hockeys. Die fiktive Stadt, die der grosse Gottfried Keller ja auch im Züribiet verortet hat. Seine wunderbare Schilderung – ein Stück Weltliteratur – passt, leicht abgeändert, verblüffend gut zu Kloten und seinem EHC. Man möge dem Chronisten den Frevel verzeihen, sich bei Zürichs berühmtestem Dichter zu bedienen.

«Seldwyla steht für einen wonnigen, sonnigen und berühmten Hockey-Ort, und so ist auch in der Tat die kleine Stadt dieses Namens gelegen irgendwo im Züribiet. Ihr Hockeyclub, ein berühmter, spielt immer noch in der gleichen alten Arena wie im letzten Jahrhundert. Gelegen mitten in grünen Bäumen und überdacht, so dass wohl die Sonne herein kann, aber kein rauhes Lüftchen. Der Hockeyclub ist das Wahrzeichen der Stadt und das sonderbare Schicksal derselben, dass die Geschichte so voller Heldentaten ist, in der Gegenwart aber das Geld für solche fehlt. Und zwar so, dass kein Mensch zu Seldwyla weiss, wovon der Hockeyclub eigentlich seit Jahren lebt und wovon er künftig leben soll.»

Präsident Mike Schälchli ist hin und hergerissen zwischen Gottfried Keller-Romantik und der Verpflichtung, sich der grossen Vergangenheit würdig zu erweisen. Noch ist er nach dem dramatischen Scheitern aufgewühlt.

«Ja, wir suchen einen neuen Trainer.»

Mike Schälchli, Präsident EHC Kloten

Aber es obliegt dem Vorsitzenden zügig Grundsatzentscheidungen zu treffen. Und so hat er sich zu einer Vorwärtsstrategie entschieden: Kloten gehört einfach in die National League. Neue Saison, neuer Anlauf, neues Glück.

Also wird der Vertrag mit Trainer Per Hånberg und seinem Assistenten Björn Lidström nicht verlängert. Das Arbeitsverhältnis mit den beiden Schweden wäre nur im Falle eines Aufstieges automatisch um ein drittes Jahr verlängert worden. Auf Anfrage bestätigt Mike Schälchli: «Ja, wir suchen einen neuen Trainer.»

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Das sagte der scheidende Trainer direkt nach der Niederlage in Ajoie. Video: YouTube/MySports

Klotens Obmann hat das Glück, dass er nicht vor einem Scherbenhaufen steht. Die Hockeyfirma EHC Kloten ist wirtschaftlich und sportlich intakt. Bereits haben gut und gerne 3000 Dauerkartenbesitzer auf die Rückzahlung des Geldes verzichtet und sind bereit, für die nächste Saison wieder ein Saison Abo zu kaufen. Oder wie es der Präsident treffend formuliert. «Zu 97,50 Prozent haben wir diese Saison alles richtig gemacht.» Aber die Differenz machen diese fehlenden 2,5 Prozent. In diesem Bereich war Ajoie besser. Nun auch bei diesen 2,5 Prozent alles richtig zu machen, das ist die ganz grosse Herausforderung.

Mit einem neuen Trainer und ein paar Transferhandgriffen erfolgt in den nächsten Tagen eine Optimierung. Nicht ein revolutionärer Neuanfang.

Die Aussichten sind ja gut: Auch nächste Saison gibt es einen Direktaufsteiger. Anders als die jüngsten Aufsteiger Biel, Lausanne, Langnau oder die Lakers muss sich Kloten im nächsten Frühjahr nicht durch eine Liga-Qualifikation gegen ein Team aus der National League durchkämpfen. Es reicht, beschauliche Gegner aus der Provinz wie Visp, Olten oder Langenthal zu bodigen. Widersacher, die nicht durch glutiges Rebellentum wie Ajoie befeuert werden.

Aber der Traum vom Aufstieg sollte alle beflügeln. Wie einst in Biel, in Langnau oder in Rapperswil-Jona. Geht es Kloten in der zweithöchsten Liga zu gut, mit reichlich Siegen, wenig Stress und freundlichem Publikum, entsteht eine Komfortzone, aus der die Spieler kaum mehr zu verscheuchen sind. Kloten braucht also einen kompromisslosen, unbequemen, unablässig antreibenden neuen Trainer. Typ charismatischer Bandengeneral. Und ein oder zwei neue Leitwölfe, die unbeugsames Leistungsdenken in die Kabine und auf dem Eis vorlegen.

Mike Schälchli, ein umtriebiger, gut vernetzter Mover and Shaker in der Rolle als Sportmanager zu Seldwyla. In der sportlichen Rolle seines Lebens.

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