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Eismeister Zaugg mit der Saisonvorschau auf die MyHockey League

Am Samstag startet die neue Saison in der MyHockey League.
Am Samstag startet die neue Saison in der MyHockey League.instagram/swissicehockeyfederation
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Wie die «NHL der Amateure» die Ligareform blockiert

Am Samstag beginnt die Meisterschaft der MyHockey League. Die höchste Amateurliga ist eine Erfolgsgeschichte, blockiert die Ligareform und die Karten werden neu gemischt: Die für die Saison 2027/28 geplante U23-Meisterschaft wird um mindestens ein Jahr auf die Saison 2028/29 verschoben.
19.09.2026, 10:1519.09.2026, 10:15

Eigentlich gibt es eine Liga zu viel. Die MyHockey League ist 2017 als nationale Amateurliga neu entstanden. Zuvor war die in drei regionale Gruppen aufgeteilte 1. Liga mit 34 Teams die höchste Spielklasse der Amateure.

Eine Amateurliga mit maximal 12 Teams in einer neuen, zwischen der damaligen NLB und 1. Liga eingeschobenen Spielklasse war umstritten. Inzwischen ist diese neue Liga so erfolgreich, dass die Reformbemühungen in eine komplett neue Richtung gehen: Eine Fusion der maroden Swiss League mit der gesunden MyHockey League ist kein Thema mehr.

Warum funktioniert die MyHockey League so gut? Weil hochklassiges Hockey in guten Infrastrukturen zu einem vernünftigen Preis möglich ist. Die Spieler haben alle eine exzellente Ausbildung. Die meisten kommen aus den Juniorenabteilungen der NL-Klubs, viele haben sogar Junioren-Länderspiele oder gar Junioren-WM-Turniere oder mehrere Jahre die Meisterschaft der Swiss League bestritten. Wer aus den verschiedensten Gründen dann nicht auf eine Profi-, sondern auf eine Karriere im Beruf setzt und trotzdem weiterhin auf gutem Niveau Hockey spielen will, der landet in der MyHockey League. Es geht nicht mehr um Geld. Es muss Spass machen.

Das Niveau ist erstaunlich gut. In der Regel wird intensives Offensivhockey zelebriert. Das Training reicht in der Regel nicht aus, um Teams taktisch so aufwändig zu schulen, dass Schablonen-Hockey möglich wird. Die Zeit reicht auch nicht, um sich intensiv mit den gegnerischen Teams zu befassen. Also Konzentration auf die eigenen Qualitäten und los geht's. Es ist möglich, mit zwei Trainings pro Woche (neben zwei Spielen) in der Spitzengruppe mitzumischen. Wie gut die Liga ist, zeigt sich daran, dass mehrere Aufsteiger (Basel, Chur, Sierre) in der Swiss League auf Anhieb konkurrenzfähig waren.

Basel, Switzerland, November 09 2025: Gianluca Barbei, Gian-Marco Hammerer in action during the Swiss League Ice hockey, Eishockey game between EHC Basel and EHC Chur at St. Jakob-Arena in Basel, Swit ...
Basel und Chur spielen mittlerweile in der Swiss League.Bild: www.imago-images.de

Der Aufwand für die Spieler hält sich also im Rahmen und ermöglicht ein hundertprozentiges Arbeitspensum oder ein Studium neben dem Hockey. Aber auch der Aufwand für die Klubs ist überschaubar. Es ist möglich, mit weniger als einer Million einen Spitzenclub zu finanzieren. Eine Mehrheit der rund 300 Spieler verdient nicht mehr als 10'000 Franken und viele kommen nur mit Spesen und Prämien überhaupt auf diesen Betrag.

Die meisten Klubs stehen im Windschatten eines NL-Teams und der Publikumsaufmarsch ist begrenzt. In der Qualifikation liegt der Liga-Durchschnitt bei knapp 500 Fans pro Spiel und nur in Langenthal sind es regelmässig mehr als 1000. In den Playoffs rockt es hingegen ordentlich. Den letzten Playoff-Final zwischen Hockey Huttwil und Seewen sahen durchschnittlich 1291 Fans. Der Aufbau einer lokalen Hockeykultur und die Finanzierung durch regionale Sponsoren ist nicht einfach. Aber möglich. Seewen hat sich beispielsweise zu einem Hotspot des Amateurhockeys entwickelt. Eine grosse Hilfe für die Amateurklubs wäre eine Reduktion der Ausbildungsentschädigungen, die an die Klubs – sehr oft aus der National League – bezahlt werden müssen, die für die Ausbildung der Spieler gesorgt haben. Also einen «Re-Amateurisierungs-Rabatt» für Spieler, die nicht mehr Profi sind.

Mag sein, dass in der Swiss League mehr Fans kommen, vielleicht doppelt so viele. Aber der Aufwand für die Finanzierung eines Profibetriebes mit Ausländern in der Swiss League ist vier- bis fünfmal so teuer wie ein Amateurteam. Also gibt es für die Klubs in einer gut funktionierenden nationalen Amateurliga keinerlei Interesse an einem Zusammengehen mit einer maroden Profiliga (Swiss League), die ihren Spielbetrieb immer weniger finanzieren kann. Die Vertreter des Amateur-Hockeys haben im Verwaltungsrat des Verbandes genug Einfluss, um ihre «NHL der Amateure» zu erhalten und ein Zusammengehen mit der Swiss League zu verhindern.

Hingegen ist die Versuchung für die Klubs der Swiss League gross, die Finanzen durch einen freiwilligen Abstieg in die MyHockey League wieder ins Lot zu bringen. Langenthal und Winterthur sind zuletzt diesen Weg gegangen. Weitere werden folgen. Als nächstes wohl Arosa und Bellinzona.

Team Winterthur jubilate after the victory SKY Swiss League - EHC Winterthur vs Sierre Winterthur Deutweg Z
Winterthur stieg freiwilig in die Swiss League ab.Bild: www.imago-images.de

Inzwischen ist die MyHockey League von der Ausgeglichenheit her ein Spielgelbild der National League: Die am höchsten eingestuften neun Teams liegen so nahe beieinander, dass mit etwas Glück mindestens sechs für die ersten drei Plätze in Frage kommen. Nur Bülach, Lyss und den Pikes Oberthurgau werden (fast) keine Chance auf eine direkte Playoff-Qualifikation (mindestens Rang 6) eingeräumt.

Die prominentesten Namen finden wir unter den Bandengenerälen. Köbi Kölliker, inzwischen 73 geworden, ist neu bei Lyss und einer der ältesten Coaches der Welt, noch älter als NHL-Legende Rick Bownes (71) bei Columbus. Christian Weber ist auf seiner Reise als Trainer und Sportchef durch die Hockeywelten nach Zürich, Langnau, Rapperswil-Jona, Klagenfurt, Weinfelden, La Chaux-de-Fonds, Lustenau, Basel und Winterthur nun in Dübendorf angekommen. Dort, wo er einst seine Karriere als Spieler begonnen hat. Ajoies Aufstiegs- und Cup-Held Gary Sheehan lässt seine Karriere bei Franches Montagnes ausklingen und hat Benjamin Conz als Assistenten geholt, Krister Cantoni (einst Stürmer bei Ambri und Lugano) coacht Bülach, Biels Verteidiger-Legende Serge Meyer Langenthal und Markus Studer, der «Thierry Paterlini des armen Mannes», wird bei Winterthur von Adrian Wichser assistiert.

Der Head Coach der Chinesischen Auswahl von der Swiss Ice Hockey Federation, Koebi Koelliker, waehrend eines Trainings mit dem Chinesischen Eishockey Team des Projekt China - Eishockey-Knowhow und Kul ...
Köbi Kölliker steht mittlerweile beim SC Lyss an der Bande.Bild: KEYSTONE

Alles in allem haben die Bandengeneräle mehr Erfahrung im Profihockey gesammelt als alle gut 300 Spieler der Liga zusammen. Das hat durchaus seine Logik: Dübendorfs Verteidiger Fabian Ganz (36, mehr als 800 Spiele in der zweithöchsten Liga) ist der einzige echte «Saurier» und insgesamt gibt es weniger als 30 Spieler, die älter als 30 Jahre sind. Das Niveau ist zu hoch. Die MyHockey League eignet sich nicht für einen gemütlichen Ritt in die Abendröte einer Karriere.

Ranglisten-Tipp

  1. Seewen (Titelverteidiger)
  2. Franches Montagnes
  3. Hockey Huttwil (Finalist)
  4. Dübendorf
  5. Wetzikon
  6. Langenthal
  7. Thun
  8. Winterthur (Absteiger)
  9. Frauenfeld
  10. Bülach
  11. Lyss
  12. Pikes Oberthurgau

Modus

33 Qualifikationspartien (gegen jeden Gegner drei Partien). Top 6 direkt in den Playoffs (alle Serien Best of 5). Play-In 7 gegen 8 und 9 gegen 10, Verlierer von 7 gegen 8 bekommt zweite Chance gegen Sieger aus 9 gegen 10 (Best of 2). Aufstieg in die Swiss League ist möglich, wenn die Lizenzkommission grünes Licht gibt. Sportliche Voraussetzung ist das Erreichen der Halbfinals. Der Verlierer des Playout steigt nur ab, wenn ein Team aus der 1. Liga aufsteigen will.

U23-Meisterschaft oder Swiss League?

Die National League hat die Pläne für eine eigenständige U23-Meisterschaft unter ihrer Führung und ausserhalb des Verbandes ab der Saison 2027/28 sistiert. Das Projekt sei – so die Auskunft bei der Liga – frühestens ab der Saison 2028/29 denkbar. Dass Reformbedarf besteht, ist jedoch unbestritten. Nun laufen die Gespräche in Richtung einer Integration der höchsten Junioren-Liga in die Swiss League. Ein U23-Team wäre in der Swiss League durchaus konkurrenzfähig. Die vorläufige Sistierung hat auch mit dem neuen Verbandspräsidenten Marc Lüthi zu tun. Die Vertreter der National League erhoffen sich bei den Reformen endlich einen konstruktiven Dialog mit dem Verband.

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HC Davos: 31 Titel, 6 seit 1986; zuletzt Meister: 2015.
quelle: keystone / ennio leanza
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