Eine neue, naheliegende Lösung für die Swiss League
Die Swiss League kommt aus dem Niemandsland zwischen Amateur- und Profihockey einfach nicht mehr hinaus. Für die SL-Klubs gilt: Zu viel Tradition und Geld, um aufzuhören, zu wenig Geld für eine hoffnungsfrohe Zukunft. Inzwischen gibt es gar einen Klub (der Name ist dem Chronisten soeben entfallen), der sich mit einer so abenteuerlichen Aktion wie einem Abzahlungsvertrag für zwingend zu bezahlende Ausbildungsentschädigungen in sechsstelliger Höhe beim Verband über die Runden mogelt.
Dieser Deal, hinter dem Rücken des Verbands-Verwaltungsrates eingefädelt, könnte einen der leitenden Angestellten in der Verbands-Administration (dessen Name dem Chronisten auch entfallen ist) noch gehörig in die Bredouille bringen. Und ab und zu wird von einem Klub das Handtuch geworfen. Zuletzt von etwa Winterthur, Langenthal, Martigny und Zug (EVZ Academy).
Der Verband hat bis heute die Problematik der Swiss League weitgehend ignoriert und auch keine konkreten Lösungsvorschläge erarbeitet. Es gibt nicht einmal einen zu hundert Prozent für diese Liga zuständigen Verbandsmitarbeitenden. Umgekehrt kümmert sich die boomende National League nicht um die Swiss League – weil die ja Verbandssache ist. Die Swiss League ist das Stiefkind unseres Hockeys.
Was also tun? Zwei Erkenntnisse sind unbestritten: Die National League hat eigentlich zwei Teams zu viel und sollte auf zwölf reduziert werden. Mit der MyHockey League ist eigentlich eine Liga zu viel und ideal wäre eine Zusammenlegung mit der Swiss League.
Weder das eine noch das andere ist politisch durchsetzbar. Inzwischen zeigt sich nämlich: Die MyHockey League funktioniert als höchste Amateurliga («NHL der Amateure») erstaunlich gut. Sie bietet die Möglichkeit, Hockey auf sehr gutem Niveau bei gleichzeitiger Konzentration auf einen Beruf zu spielen. Die National League kann sich ihre Gesetze selbst machen und wird einer Reduktion nicht zustimmen. Und innerhalb des Verbands-Verwaltungsrates gibt es keine Mehrheit für eine Auflösung der MyHockey League bzw. eine Fusion mit der Swiss League. Bis heute sind sämtliche Reformideen im Verbands-Verwaltungsrat hängen geblieben oder haben den Weg gar nicht bis in den Verwaltungsrat gefunden.
Nun kommt mit Marc Lüthi ein neuer Verbandspräsident und eine Lösung zeichnet sich ab. Sie ist logisch: Die Swiss League wechselt unters Dach der National League. Die beiden Profiligen treten gemeinsam auf und werden gemeinsam gemanagt. Das bedeutet eine klare Trennung zwischen Profihockey (National League, Swiss League) und dem Amateurhockey unter dem Dach des Verbandes.
Dazu gehört als Neuanfang der längst fällige Namenswechsel: Die Bezeichnung Swiss League hat zu sehr den Schwefelgeruch von Pleite und Pannen. Die naheliegende Bezeichnung ist: National League II.
Was bei dieser Lösung bereits kurzfristig möglich ist: Eine viel höhere Sichtbarkeit und damit eine Verbesserung bei der Vermarktung. Konkret: Eine einheitliche, professionelle TV-Produktion und Schluss mit dem «Operetten-TV» der einzelnen Klubs, das zwar gut gemeint und mit unzulänglichen Mitteln erstaunlich gut umgesetzt wird. Aber den Ansprüchen einer modernen TV-Produktion einfach nicht entspricht.
Diese professionellen TV-Bilder werden auf dem Hockey-Sender MySports und mit einem Spiel der Woche auf den frei empfangbaren TV-Stationen der CH-Media-Gruppe regional ausgerichtet übertragen. Die TV-Rechte sind für die entsprechenden Sender gratis abzugeben.
Es ist der erste Schritt für eine Imagekorrektur und eine bessere Präsenz im Markt. Eine Reduktion der National League wird politisch eher möglich sein, wenn beide Ligen im gleichen Boot sitzen und Auf- und Abstiegsmodalitäten unter sich aushandeln können. Oder wenn eine Reduktion nicht in Frage kommt, wenigstens eine grössere Durchlässigkeit zwischen den beiden Ligen mit einem direkten Auf-/Abstieg oder einer Auf-/Abstiegsrunde eingeführt werden kann. Die Zusammenarbeit zwischen den Klubs der beiden höchsten Ligen wird in jedem Fall einfacher und die Entscheidungswege werden kürzer.
Im Falle eines Zusammengehens der Swiss League verzichtet die National League im Gegenzug auf das Projekt einer eigenen U23-Nachwuchsliga, die den Klubs der Swiss League die besten jungen Spieler entziehen würde. Die Konzepte dafür sind bereits ausgearbeitet.
Ein «Wundermittel» für die Heilung der Swiss League ist die «Flucht» unter das Dach der National League nicht. Aber ein erster Schritt in die richtige Richtung mit einer längst fälligen Trennung zwischen dem Profihockey der beiden höchsten Ligen und dem Amateurhockey unter der Regie des Verbandes. Und es gibt bei der Lösung dieses Strukturproblems stets eine Frage zu berücksichtigen: Was hat denn der Verband in den letzten zehn Jahren für die Swiss League getan? Nichts. Nullkommanull. Wenn also die neue Strategie nichts bringen sollte, so wäre es zumindest kein Rückschritt gegenüber den aktuellen Verhältnissen.
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