Der Jackpot liegt parat: Europacup-Auftritte sind für Schweizer Klubs Millionen-Spiele
Europa, wir kommen! Während die FC-St.Gallen-Fans schon während der ersten Qualifikationsrunden in heller Aufregung waren, dürften die Säckelmeister des Klubs erst jetzt langsam wässrige Augen bekommen. Mit den Conference-League-Playoffs gegen Nordsjaelland – dem Auswärtsspiel heute (19 Uhr) und dem Heimspiel in einer Woche – ist man in der finanziell interessanten Phase angelangt.
Zuvor noch galt: Die Preisgelder decken die Spesen für das Europacup-Abenteuer, aber viel mehr nicht. So war es zum Beispiel auch vor zwei Jahren, als die Reise in die zentralasiatische Steppe nach Kostanay per Charterflug absolviert wurde. Kasachstan retour. Eine tolle Erfahrung zwar, aber eine teuer erkaufte. Gegen 300'000 Franken soll die Reise gekostet haben.
Tiefe Sicherheitskosten beim Besuch von Sheriff
Hätten sich die St.Galler danach in Breslau nicht für die Playoffs und später in Trabzon nicht für die Ligaphase qualifiziert, wäre der Europatrip trotz UEFA-Startgagen ohne grossen Finanzsegen zu Ende gegangen. «Damals konnte erst mit dem Einzug in die Playoffs und deren Austragung ein positives Ergebnis erzielt werden», heisst es seitens des FC St.Gallen.
In der aktuellen Kampagne könne man aber davon ausgehen, dass die bisherigen Qualifikationsrunden mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen werden. Dies dürfte unter anderem mit dem ausverkauften Heimspiel gegen Benfica Lissabon zu tun haben. Schliesslich kann ein Europacup-Heimspiel im besten Fall einen mittleren sechsstelligen Nettoertrag abwerfen. Zudem kosten Reisen innerhalb Mitteleuropas deutlich weniger, vor zwei Jahren im Falle des Heidenheim-Auswärtsspiels waren es lediglich 80'000 Franken.
Auf der finanziell ganz sicheren Seite steht St.Gallen spätestens seit der Playoff-Qualifikation gegen Sheriff Tiraspol. Übrigens soll das mit nur gut 12'000 Zuschauern besuchte Heimspiel auch einen «soliden positiven Beitrag» ans Gesamtergebnis geliefert haben, heisst es aus dem Klub, zumindest konnte man mangels Gästefans bei den Sicherheitskosten sparen.
Wie viele der 285 Conference-League-Millionen erhält der FC St.Gallen?
Um einen Eindruck zu erhalten, wie viel und ab wann der FC St.Gallen am Europacup-Abenteuer verdient, haben wir uns durchs zwölfseitige und nicht ganz einfache UEFA-Preisgeld-Reglement gekämpft, das vor zwei Jahren neu eingeführt wurde. 285 Millionen Euro sind insgesamt für die ganze Conference League vorgesehen, in der Champions League werden 2,467 Milliarden verteilt, in der Europa League 565 Millionen.
Die Frage ist also: Wie viel der 285 Conference-League-Millionen können sich die St.Galler sichern? Und wie wirkt sich der Ausgang der Begegnung gegen Nordsjaelland auf den Ertrag aus?
Für jede Qualifikationsrunde, die die St.Galler bestreiten dürfen, erhalten sie aus dem UEFA-Topf 175'000 Euro. Teams, die in der Conference-League-Qualifikation scheitern und so aus dem Europacup ausscheiden, erhalten zudem eine Prämie, nennen wir sie «Abschiedsprämie». Je später ein Verein ausscheidet, desto höher ist diese. Wäre St.Gallen gegen Tiraspol gescheitert, hätte es unter dem Strich zwei mal 175'000 Euro plus eine Abschiedsprämie von 550'000 Euro gegeben, immerhin wären also für die gesamte Europa-Kampagne 900'000 Euro zusammengekommen. Ein Beitrag, der die Reisekosten locker deckt, es wären wohl auch ein paar 100'000 Euro übrig geblieben.
Scheiden die Ostschweizer in den Playoffs gegen Nordsjaelland aus, bleiben dem Klub drei mal 175'000 Euro Startgage plus 750'000 Euro Abschiedsprämie. 1,275 Millionen Euro also, darüber hinaus noch ein UEFA-Solidaritätsbeitrag für nicht an der Ligaphase Beteiligte: Da würde mit Sicherheit einiges auf der hohen Kante landen, auch nach Abzug allfälliger vereinsintern ausgehandelter Siegprämien für die Spieler.
Vier Millionen «ha oder nöd ha»
Richtig interessant würde es für die St.Galler aber erst bei einem Sieg gegen die Dänen. Wer es in die Ligaphase schafft, erhält eine Startgage von 3,17 Millionen Euro. Die drei mal 175'000 Euro kommen dazu, womit die Ostschweizer bei rund 3,7 Millionen Euro stünden.
Damit wäre aber noch immer nicht Schluss. Je nach Endplatzierung in der Conference-League-Ligaphase erhalten die Klubs weitere Zuschüsse. Der Letztplatzierte erhält 28'000 Euro, der Zweitletzte 56'000 Euro, der Drittletzte 84'000 Euro, so geht das linear weiter bis zum Sieger der Ligaphase, der 1,008 Millionen Euro zusätzlich erhält. Dazu bezahlt die UEFA in der Ligaphase Siegprämien (400'000 Euro) und Gelder für ein Unentschieden (133'000 Euro).
Zusätzlich gibt es einen weiteren 57-Millionen-Topf, aus dem den 36 Vereinen der Conference-League-Ligaphase Geld ausgeschüttet wird, und zwar je nach Anteil des nationalen TV-Markts am gesamten europäischen TV-Kuchen. Im Europaherbst 2024 floss hier noch einmal eine knappe Million Euro zum FC St.Gallen.
Kurzum: Die Chance ist gross, dass der FCSG bei einer Qualifikation für die Ligaphase deutlich über vier Millionen zusätzlich einnimmt, wohl sogar einiges mehr, schliesslich kam man 2024 gemäss UEFA-Bericht am Ende auf deutlich über fünf Millionen Euro an Prämien. Die Einnahmen aus den drei Heimspielen gegen unter Umständen sehr attraktive Gegner sind da noch nicht eingerechnet. Mit Glück gäbe es Spiele gegen die AS Monaco, gegen Ajax Amsterdam oder Brighton zu sehen.
Die Begegnungen mit Nordsjaelland könnten die St.Galler also mindestens als «Vier-Millionen-Euro-Spiele» bezeichnen. «Ha oder nöd ha», sagt man in der Ostschweiz gerne. Für die Spieler gilt, um locker zu bleiben: Nur nicht daran denken!
Quartett im Einsatz
Meister Thun spielt sicher in einer Europacup-Ligaphase. Eliminieren die Berner Oberländer auch Lech Poznan, werden sie erneut in der Europa League antreten, verlieren sie das Duell mit dem polnischen Meister, geht es in der Conference League weiter. Lech Poznan, das zuerst daheim spielt (19 Uhr), ist deutlich besser zur Titelverteidigung gestartet als Thun und hat nach drei Spielen sieben Punkte auf dem Konto.
Eine Stufe tiefer in der Conference League ist ein Schweizer Trio im Einsatz. Cupsieger St.Gallen tritt als einziges Team erst auswärts an (19 Uhr). Die Ostschweizer gastieren beim FC Nordsjaelland in Dänemark und wollen auf dem Kunstrasen in Farum, wo die Schweizer U17-Nati 2002 Europameister wurde, den Grundstein legen, um zum zweiten Mal in den letzten drei Jahren in die Ligaphase der Conference League einzuziehen.
Den namhaftesten Gegner hat der FC Sion zugelost erhalten. Die Walliser empfangen im Tourbillon Ajax Amsterdam (20.15 Uhr). Der niederländische Rekordmeister hat zwar nicht mehr den Glanz vergangener Jahre, aber ist im Duell mit Sion dennoch der klare Favorit.
Maccabi Tel Aviv, der Gegner von Lugano (20.30 Uhr), ist nicht zu unterschätzen. Der israelische Cupsieger spielte in den vergangenen beiden Jahren in der Ligaphase der Europa League und erreichte in der Saison 2023/24 die Achtelfinals der Conference League. Verstecken muss sich das Team von Mattia Croci-Torti aber keinesfalls. Die Tessiner überzeugten in dieser Saison und sind wettbewerbsübergreifend noch ungeschlagen. (ram/sda)
