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Der FC Thalwil musste schon vor dem Cup-Hit gegen St.Gallen liefern

Der FC Thalwil musste schon vor dem Cup-Hit am Sonntag gegen St.Gallen liefern

Am Wochenende besuchen die grossen Schweizer Fussballklubs im Cup die kleinen. Dabei geht es um viel mehr als um das Resultat. Der FC Thalwil legt sich seit Wochen ins Zeug, um ein guter Gastgeber zu sein.
16.08.2026, 08:0616.08.2026, 08:06
julien oberholzer / keystone-sda

Für den FC Thalwil gab es nie ein bedeutenderes Fussballspiel als jenes an diesem Sonntagnachmittag. «Für uns ist alles neu», sagt Klubpräsident Stefan Hug. Das Highlight ist mit viel Aufwand verbunden. Viel Herzblut und ungewöhnlich hohe Ausgaben sind nötig, um das Cupspiel auf dem eigenen Rasen durchzuführen. Die Euphorie ist gross, schliesslich blickt die Fussballschweiz an diesem Wochenende nicht zuletzt auf Thalwil, knapp 3000 Leute werden im Stadion sein, wesentlich mehr noch vor dem TV. SRF überträgt das Spiel gegen den aktuellen Cupsieger live.

Die letzten Wochen hat Stefan Hug das Geschehen rund um den Brand, das Sportgelände des FC Thalwil, aus der Distanz verfolgt. Seit Mitte Juli befindet er sich mit der Familie in Panama. Die Reise, die er sich zum 60. Geburtstag gegönnt hat, war schon geplant, als die erste Mannschaft seines Klubs sich im Cup unter die Allerbesten mischte. Mit drei Siegen in der Qualifikation schaffte es der Erstligist vom linken Zürichseeufer zum vierten Mal im Schweizer Cup in die 1. Hauptrunde.

Die 1. Hauptrunde ist jene Phase, in welcher sich für einmal Klein und Gross auf dem Fussballfeld begegnen – sofern der Unterklassige das Losglück auf seiner Seite hat. Thalwil hatte es und bekam am 1. Juli mit dem FC St.Gallen einen seiner fünf Wunschgegner, wie Stefan Hug erzählt. «Die erste Reaktion war grosse Freude. Ich mag es der Gemeinde und speziell den Spielern und dem Trainer gönnen. Einen Tag später ging es aber los. Da dachte ich was braucht es alles?»

«Eine echte Kumpel-Truppe»

Die Mannschaft von Trainer Gianni Lavigna blickt wie der FC St.Gallen auf eine aussergewöhnliche Saison zurück. «Wunderbar», nennt der Thalwiler Erfolgscoach die vergangenen zwölf Monate mit dem Aufstieg von der 2. Liga interregional in die 1. Liga auf der vereinsinternen Webseite. Alles ging auf. Einige Spieler aus der Regionen kamen von besseren Klubs zum FC Thalwil, weil sie nicht mehr in einer höheren Liga spielen wollten. Zudem gab es Zuzug von ein paar Jungen, denen es anderswo nicht mehr ganz reichte. «Wir haben dann die ersten Spiele gewonnen und alles hat seinen Lauf genommen. Es hat nicht mehr aufgehört», erinnert sich Stefan Hug.

Die Mannschaft habe einen unglaublichen Zusammenhalt entwickelt, ergänzt Lavigna. «Das war eine echte Kumpel-Truppe.» Sie habe sich mit den Leistungen der letzten Saison nicht nur den Aufstieg verdient, sondern auch dieses aussergewöhnliche Spiel gegen den FC St.Gallen. «Vielleicht werden die Spieler nie mehr vor 3000 Leuten antreten» sagt Lavigna auch mit dem Hintergedanken, dass einige aus seinem Team diese Chance gar nicht bekommen werden, weil er schliesslich nur einen Teil seiner Mannschaft einsetzen kann. «Für uns als Trainerteam bedeutet das vor dem Spiel viel Arbeit.»

40 Feuerwehrleute und 100 Helfer

Beim FC Thalwil ist eine ganze Reihe von Personen rund um den Cupmatch im Einsatz. Schnell nach der Auslosung zeigte sich, dass vieles geplant werden muss und massenhaft Helfer benötigt werden. Eine Security-Firma, die Erfahrung mit solchen Cupspielen hat, wurde engagiert. Sie gab Empfehlungen ab, während die Gemeinde und der Schweizerische Fussballverband Vorgaben machten, vor allem bezüglich Sicherheit. Toilettenkabinen mussten organisiert werden, das TV benötigt eine eigene Tribüne, fast 40 Feuerwehrleute sind für den Match aufgeboten.

«Ich verstehe, dass wir das alles machen müssen», sagt Stefan Hug, der die super Zusammenarbeit mit der Gemeinde hervorhebt. Ohne sie wäre das alles gar nicht möglich, hält er fest. Aber trotzdem seien die Kosten brutal. Rund 70'000 Franken Ausgaben fordert der Cupmatch mit allem Drum und Dran. Dabei wurde auf Extravaganzen wie eine temporäre Tribüne oder einen Zaun zum Schutz vor Pyros aus Kostengründen und Überzeugung verzichtet.

Im Budget nicht mitgerechnet ist die freiwillige Arbeit der Klubmitglieder. In den drei Tagen rund um das Spiel werden neben den zehn Personen, die sich seit vier Wochen intensiv mit dem Match beschäftigen, 100 Helfer im Einsatz stehen, um auf- und abzubauen, die Fans einzuweisen oder die Anlage wieder sauber zu machen. Weil im Klub jedes Mitglied pro Jahr entweder acht Helferstunden absolvieren oder sich mit 35 Franken pro Stunde «freikaufen» kann, wird der FC Thalwil im nächsten Jahr beträchtliche Mindereinnahmen haben.

Was zählt und was nicht

Stefan Hug berichtet über den beschwerlichen Weg zu dem, was ein kleines Volksfest werden soll, mit Gelassenheit und viel Vorfreude. Etwas Ärger ist aus dem fernen Panama im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA nur spürbar, als er vom Schweizerischen Fussballverband spricht, dem Organisator des Schweizer Cups. «Als Breitensportverein bist du komplett alleine gelassen», bedauert der Klub-Boss. «Sie haben Erwartungen, aber wer dafür bezahlt...» 2000 Franken gibt es vom Verband, was nicht mal die Hälfte der Kosten für den Schiedsrichter ausmacht, rechnet Stefan Hug vor.

Dass der FC Thalwil trotzdem mit einem kleinen Gewinn budgetieren kann, liegt an den Einnahmen im Bereich Ticketing, Sponsoring und Gastro. Wobei die Sponsoren nicht auf der Suche nach Werbung sind. Grösstenteils sind es Privatpersonen, die sich aus reinem Goodwill an den Kosten beteiligen. Mit dem Verkauf der Tickets – 20 Franken für einen Stehplatz, 50 Franken für einen Sitzplatz – dürfte der FC Thalwil etwa 55'000 Franken generieren. 1333 Billette wurden über die eigene Webseite voraussichtlich an die lokalen Fans verkauft, die restlichen 1500 gingen an den FC St.Gallen.

Auf dem Brand, wo vor sechs Wochen der FC Zürich für die Einweihung des neuen Kunstrasens zu Gast war, ist alles angerichtet für den FC St.Gallen und ein Fest, das in Erinnerung bleiben soll. «Wir versuchen, ihnen ein guter Gastgeber zu sein, so dass sie es schön haben bei uns. Dann wird es auch ein schöner Sonntag», sagt Stefan Hug, der wenige Tage vor dem Spiel in die Schweiz zurückgekehrt ist. «Wenn alle nach dem Match happy nach Hause gehen, dann bin ich auch happy.» Und das Resultat im wichtigsten Thalwiler Spiel der Vereinsgeschichte? «Das ist für mich völlig sekundär, es interessiert mich null komma null.» (sda)

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