Frauen-Nati wird von der Israel-Thematik eingeholt – Spiel wird vorgezogen
Die Nations-League-Partien zwischen Irland und Israel sorgten für internationale Schlagzeilen. Israelische Fans deckten im Hinspiel einen dunkelhäutigen Spieler der Iren mit Affenlauten ein, während ein Spieler im Rückspiel den irischen Athletik-Chef angespuckt haben soll. Zudem kam es an einer Pressekonferenz nach Falschaussagen eines israelischen Journalisten zu einem Eklat, der im Abbruch der Medienrunde endete. Die Iren verweigerten den Israelis ihrerseits den Handschlag und senkten bei der israelischen Hymne im Hinspiel den Kopf. Ihr Trainer forderte nach dem Spiel am Sonntag, dass Irland und Israel nie mehr gegeneinander spielen.
Nun wird dieses Thema auch für den Schweizerischen Fussballverband (SFV) relevant. Denn das Nationalteam der Frauen spielt am Freitagabend (18.30 Uhr) sowie am nächsten Dienstag (19.30 Uhr) in den WM-Playoffs gegen Israel. Das Hinspiel, eigentlich Israels Heimspiel, findet in Budapest statt, weil Spiele in Israel aus Sicherheitsgründen nicht möglich sind.
Der Brisanz dieser Partien ist sich auch der SFV bewusst. Bereits bei der Kaderbekanntgabe wurde Trainer Rafel Navarro auf die Thematik angesprochen. «Wir werden die Spielerinnen um ihre Meinung fragen. Die ist wichtig und sie sollen auch etwas dazu sagen können», sagte der Spanier vergangene Woche. Bis dahin hätten sie ausschliesslich über Fussball gesprochen, doch man habe das Thema auf dem Schirm.
Ex-Spielerin wünscht sich Boykott
Eine Positionierung der Nati-Spielerinnen ist also bald zu erwarten, sofern sie Position beziehen möchten. Eine ihrer ehemaligen Kolleginnen hat ihre Meinung indes bereits deutlich geäussert. Noa Schärz, Schweizer Meisterin mit den YB‑Frauen sowie zweifache Nationalspielerin, hat sich mit einem offenen Brief an den Schweizer Verband gewandt. «Am liebsten wäre mir natürlich, dass ihr als Verband diese beiden Spiele boykottiert und eine Inspiration für andere Länder seid», schreibt Schärz darin. Ihre Hoffnung sei, dass dann alle mitziehen würden, bis Israel ausgeschlossen werde, bis die Besatzung von Gaza und Westjordanland aufhöre.
Sie sehe ein, dass ein Boykott einer Nichtteilnahme an der WM gleichkäme und die Folgen vermutlich zu gross seien. Trotzdem hoffe sie wenigstens auf ein kleines Zeichen: «Beim Einlaufen einen Wassermelonen-Pin an den Einlaufjacken, ein Free-Palestine-Shirt zum Aufwärmen oder eine Schweigeminute vor dem Spiel.» Einige aktuelle Nati-Spielerinnen wie die dritte Torhüterin Lourdes Romero, Mittelfeldspielerin Coumba Sow oder Meriame Terchoun, die für diesen Zusammenzug auf der Pikettliste steht, likten den Beitrag gemäss 20 Minuten.
Johan Djourou, technischer Direktor bei der Frauen-Nati, kündigte gestern an, dass man noch am Montagabend mit dem Teamrat und dem Nationaltrainer zusammensitzen werde. Eine Vorgabe seitens des SFV, wie man mit dem Thema umzugehen habe, sei nicht vorhanden. Gemäss Djourou würde man auch einen allfälligen Boykott respektieren: «Die Diskussion ist offen. Wir werden mit den Spielerinnen sprechen und ihnen zuhören, auch ihre Ideen anhören und akzeptieren. Die Spielerinnen haben Priorität.»
Der ehemalige Nati-Verteidiger betonte, dass er selbst immer gegen Krieg und für den Frieden sei. Er sagt aber auch: «Ich werde meine Augen nicht schliessen, aber am Freitag steht der Sport im Mittelpunkt und ich werde die Spielerinnen von Israel respektieren.» (abu)
