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EM 2024: Schweiz fehlt Durchschlagskraft – letzter Test endet Remis

Switzerland's Xherdan Shaqiri and team react after an international friendly soccer match between Switzerland and Austria at the kybunpark stadium in St. Gallen, Switzerland, Saturday, June 8, 20 ...
Auch Xherdan Shaqiri konnte nach seiner Einwechslung nicht für die nötige Torgefahr sorgen.Bild: keystone

Offensiv fehlt Durchschlagskraft – letzter EM-Test der Nati endet gegen Österreich Remis

Das Schweizer Nationalmannschaft reist ohne richtiges Erfolgserlebnis an die EM in Deutschland. Beim 1:1 in St. Gallen gegen Österreich bleibt der erhoffte Stimmungsboost im letzten Test aus. Nach einem Fehlstart verhindert sie immerhin die erste Niederlage 2024.
08.06.2024, 20:3108.06.2024, 20:33
jonas schneeberger, st.gallen / keystone-sda
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Silvan Widmer traf für die in den ersten 66 Minuten ohne Xherdan Shaqiri angetretene Schweiz im ausverkauften Kybunpark in der 26. Minute. Die indirekte Vorarbeit kam von Ruben Vargas, die entscheidende gegnerische Beihilfe von Österreichs Goalie Heinz Lindner. Der noch beim FC Sion unter Vertrag stehende und in der abgelaufenen Saison an Union Saint-Gilloise ausgeliehene Keeper liess einen Schuss von Vargas aus spitzem Winkel nach vorne abprallen, vor die Füsse von Abstauber Widmer.

Die Österreicher ihrerseits waren bereits in der fünften Minute erfolgreich, ebenfalls mit Unterstützung des Gegners. Christoph Baumgartner vollendete nach einem schrecklichen Fehlpass von Dan Ndoye einen Konter, bei dem auch Nico Elvedi nicht gut aussah. In der 82. Minute vergab ausserdem Michael Gregoritsch einen Matchball, wobei Yann Sommer beim etwas zu wenig hart getretenen Schuss zur Stelle war. Es war die einzig nennenswerte Torszene in einer beiderseits verhaltenen zweiten Halbzeit, in der sich die Spieler augenscheinlich nicht mehr allzu weh tun wollten.

Auch deshalb hinterliess die SFV-Auswahl im letzten Test vor der EM einen zwiespältigen Eindruck. Wiederholt wurde sie von Österreichs Tempo überrascht, wiederholt bereitete ihr das offensive Pressing des Gegners Schwierigkeiten. Früh riss die vier Spiele währende Serie ohne Gegentor. Kam hinzu, dass sich Steven Zuber Ende der ersten Halbzeit am Oberschenkel verletzte und sich auswechseln lassen musste. Noch ist unklar, wie schwer die Verletzung ist.

«Die Genauigkeit beim letzten Pass fehlt noch etwas, vielleicht der letzte Wille, das Tor zu suchen, aber wir haben genug Qualität im Team.»
Captain Granit Xhaka

Austria-Rekord unterbunden

So wollte der Funke, der eine EM-Euphorie hätte entfachen können, nicht richtig aufs Publikum überspringen. Andererseits fing sich die Schweiz aber nach einem Fehlstart und blieb gegen einen Gegner ungeschlagen, der auf einer Welle des Erfolgs reitet und deutlich höher einzustufen ist, als es die Widersacher in der EM-Qualifikation waren. Das ÖFB-Team von Trainer Ralf Rangnick schlug zuletzt unter anderem im November Deutschland und hätte mit seinem siebten Sieg in Folge gar den Verbandsrekord einstellen können.

Begonnen hatten die Schweizer die Partie fahrig, ja fast schon fahrlässig. Im vollen Bewusstsein um Österreichs Stärken im schnellen Umschaltspiel ermöglichte nicht nur Dan Ndoye den Gästen schnelle Gegenstösse. Auch Nico Elvedi gelang in Abwesenheit des geschonten Fabian Schär nicht seine beste Leistung. Nicht nur als er sich beim 0:1 vom schnellen Leipzig-Söldner Baumgartner gar leicht überlaufen und abschütteln liess, machte er keine souveräne Figur.

«Ihre Robustheit hat uns am Anfang etwas überrascht, weil wir uns das nicht gewohnt sind. Dadurch hatten wir dann auch einige Ballverluste.»
Trainer Murat Yakin
Erfolgserlebnis für Schweizer EM-Gegner Ungarn
Der erste Schweizer EM-Gegner Ungarn reist mit einem Erfolgserlebnis nach Deutschland. Er schlägt in Debrecen Israel mit 3:0.

Die ungarische Reaktion auf das 1:2 in Irland vor wenigen Tagen liess nicht auf sich warten. In den ersten 22 Minuten schoss das Team des italienischen Nationalcoaches Marco Rossi drei Tore. Besonders formstark präsentierte sich Barnabas Varga. Der für Ferencvaros spielende Torschützenkönig der ungarischen Meisterschaft traf zweimal und bereitet das 1:0 des Freiburgers Roland Sallai vor. Bendeguz Bolla, Cupsieger mit Servette, liess sich einen Assist gutschreiben.

Ungarn ist am kommenden Samstagnachmittag in Köln der erste Gruppengegner der Schweiz.
epa11398198 Hungary's Varga Barnabas celebrates after scoring a goal during the international friendly soccer match between Hungary and Israel in Debrecen, Hungary, 08 June 2024. EPA/Zsolt Czegle ...
2 Tore, 1 Assist: Vor Ungarns Barnabas Varga muss sich die Schweiz hüten.Bild: keystone

Schär fehlt

Das Spiel, dem die Schweizer wohl eine höhere Bedeutung beimassen als die nach einem hart erkämpften 2:1-Sieg gegen Serbien nicht in Bestbesetzung angetretenen Österreicher, lieferte also durchaus Schlüsse. Zum Beispiel, dass die Durchschlagskraft in der Offensive ein Manko bleibt. Oder dass es für Elvedi schwer werden dürfte, sich im Duell mit Schär den Stammplatz als rechter Innenverteidiger in der Dreierkette zu sichern – zumal Schär auch im Aufbauspiel die Vorteile auf seiner Seite hat.

Pluspunkte sammelte auch der bereits am Vortag von Murat Yakin für sein Tempo und sein starkes Dribbling gerühmte Ruben Vargas. Der 25-Jährige, der nach fünf Jahren bei Augsburg offensiv einen Transfer zu einem grösseren Klub forciert, setzte in der Offensive mit Zuber und Zeki Amdouni die meisten Akzente und stand auch am Ursprung des 1:1.

Switzerland's Ruben Vargas, left, and Austria's Philipp Lienhart in action during an international friendly soccer match between Switzerland and Austria at the kybunpark stadium in St. Galle ...
Machte erneut ein gutes Spiel: Ruben Vargas.Bild: keystone

Die weiteren Stimmen:

«Als sie höher gepresst haben, hatten wir Mühe, für Entlastung zu sorgen. Ich mache mir aber keine Sorgen um die Offensive. Wir kommen aus einer sehr stabilen Defensive heraus und haben vorne genug Spieler, die gefährlich werden können.»
Silvan Widmer
«Insgesamt war es eine gute Leistung. Im letzten Drittel hat nicht alles gepasst, aber dafür sind Testspiele da. Wir sind gut organisiert, spielen sowohl mit als auch ohne Ball guten Fussball.»
Captain Granit Xhaka

Schweiz - Österreich 1:1 (1:1)
Kybunpark, St. Gallen. 18'731 Zuschauer (ausverkauft). SR Caputi (ITA).
Tore: 5. Baumgartner (Kainz) 0:1. 26. Widmer 1:1.
Schweiz: Sommer; Elvedi, Akanji (76. Stergiou), Rodriguez (76. Zesiger); Widmer, Freuler, Xhaka (76. Sierro), Ndoye; Zuber (42. Aebischer), Vargas (66. Okafor); Amdouni (66. Shaqiri).
Österreich: Lindner; Daniliuc (46. Posch), Lienhart (67. Wöber), Trauner (67. Danso), Mwene; Seiwald, Laimer (77. Seidl); Baumgartner (46. Grillitsch), Kainz (46. Wimmer), Schmid; Gregoritsch.
Bemerkungen: Schweiz ohne Schär (geschont), Embolo und Zakaria (beide verletzt). Österreich ohne Sabitzer (geschont), Alexander Schlager, Alaba, Xaver Schlager und Kalajdzic (alle verletzt und Forfait für EM).
Verwarnungen: 58. Xhaka. 79. Stergiou. 83. Seiwald. 91. Wimmer. (nih/sda)

Beim Schweizer Gruppengegner herrscht Unsicherheit:

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quelle: keystone / georgios kefalas
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95 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Walter Sahli
08.06.2024 19:23registriert März 2014
Historischer Fun Fact:
Früher, also zu einer Zeit, als die meisten hier Mitlesenden noch gar nicht geplant waren, wurde ein Spiel Schweiz-Österreich auch "die Blinden gegen die Lahmen" genannt.
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AnCap
08.06.2024 19:56registriert Februar 2021
Toller Auftritt, passt perfekt zur Quali! Yakin endlich raus, wie kann der Verband hier noch zuschauen?! Der Match war so unglaublich bieder dass es mir entgangen sein könnte, aber die Schweiz hatte 0 Torschüsse in der 2. Halbzeit, nicht?
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Rocky Balboa
08.06.2024 19:54registriert Dezember 2020
Granit Xhaka: "Was spricht dagegen, dass wir das Überraschungsteam werden."
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Ich hoffe das heutige Spiel reicht ihm als Antwort.
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