Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Image

Michi Batshuayi – eben noch in Dortmund, jetzt bei Valencia, aber eigentlich gehört er Chelsea. bild: twitter

FIFA will Zahl der Leihspieler beschränken – warum das die Topklubs ziemlich ärgern wird



Diese Regeländerung wird das Transferwesen auf den Kopf stellen: Die FIFA will die Anzahl von Leihspielern begrenzen. Wie die «Sportbild» berichtet, plant eine vom Weltverband eingesetzte Task Force, dass ein Verein nur noch maximal acht Spieler an andere Klubs ausleihen darf.

Zudem soll ein Klub nur drei bis vier Spieler an denselben Verein ausleihen dürfen. So soll verhindert werden, dass ein Klub für einen anderen zum Ausbildungsverein wird, wie das zuletzt den «Dosenklubs» Leipzig und Salzburg vorgeworfen wurde. Für Talente unter 21 Jahren dagegen, die schon seit Jahren bei einem Klub spielen und den Sprung in die erste Mannschaft nicht schaffen, soll es keine Leih-Beschränkung geben.

epa05343792 (FILE) A file picture dated 17 March 2016 of members of the FIFA Executive Committee arriving at the FIFA headquarters in Zurich, Switzerland. Swiss authorities have seized documents and electronic data during a a search of the headquarters of the FIFA on 02 June 2016 as the criminal investigation into football's world governing body continues.  EPA/ENNIO LEANZA

Die FIFA macht bei der Leih-Beschränkung ernst. Bild: EPA/KEYSTONE FILE

Trotzdem: Die neue FIFA-Regelung dürfte manch einem Topklub so gar nicht in den Kram passen, denn Ausleihen sind längst ein lukratives Geschäftsmodell geworden. Junge Spieler werden oft nur verpflichtet, um sie gleich darauf wieder gegen teils hohe Gebühren an andere Klubs zu verleihen. Praktisch, dass der ausleihende Verein auch meistens das Gehalt des ausgeliehenen Spielers übernimmt.

Spekulieren und tricksen

Offiziell heisst es, dass die Youngsters bei einem kleineren Verein erst einmal Spielpraxis sammeln sollen. Das mag in Einzelfällen stimmen, meist stecken aber in erster Linie wirtschaftliche Interessen dahinter. Der Handel mit Leihspielern ist vor allem ein Spekulationsgeschäft: Junge Spieler kosten wenig, also verpflichten die finanzkräftigen Klubs umso mehr. Sie zu verleihen, spart deren Gehalt und bringt im Idealfall noch eine Millionen-Leihgebühr ein. Anschliessend kehren die Spieler mit gestiegenem Marktwert zurück, werden teurer ausgeliehen, für eine höhere Summe verkauft oder helfen der eigenen Mannschaft weiter.

Mit Leihen kann ein Klub aber auch das lästige Financial-Fairplay-Gebot der UEFA austricksen. Statt einen neuen Spieler zu kaufen, leiht man ihn einfach für eine Saison aus und zahlt die Ablösesumme im kommenden Jahr. So geschehen beim Mbappé-Deal zwischen Monaco und PSG oder in diesem Sommer beim Higuain-Transfer von Juventus Turin zu Milan.

epa06972759 Milan's Gonzalo Higuain reacts during the Italian Serie A soccer match SSC Napoli vs AC Milan at San Paolo stadium in Naples, Italy, 25 August 2018.  EPA/CESARE ABBATE

Weil Gonzalo Higuain nur ausgeliehen ist, konnte sich Milan die Ablösesumme vorerst sparen. Bild: EPA/ANSA

Zu den Spezialisten im Leiheschäft gehören unter anderem Chelsea oder eben Juventus Turin. Die «Blues» haben laut «Transfermarkt» momentan rund 19 Spieler an andere Vereine ausgeliehen, Juventus sogar 26. Das ist mehr als ein ganzes Kader. Kein Wunder spricht Wolfsburg-Manager Jörg Schmadtke da offen von «Menschenhandel». 

Leih-Reise durch halb Europa

Der Brasilianer Nathan zum Beispiel, den Chelsea vor drei Jahren für vier Millionen Euro von Atlético Paranaense holte, hat für die Londoner kein einziges Spiel bestritten. Chelsea hat ihn kreuz und quer durch Europa ausgeliehen, nach Holland (Arnheim), Frankreich (Amiens) und Portugal (Belenenses). Mittlerweile ist der 22-Jährige wieder in Brasilien gelandet, bei Atlético Mineiro.

Image

Nathan hat in drei Jahren kein einziges Spiel für Chelsea bestritten. bild: twitter

Die ausgeliehenen Spieler sind aber nicht immer junge No-Names: Bei Chelsea gehören beispielsweise Tiemoué Bakayoko, Kurt Zouma oder Michy Batshuayi dazu, bei Juve Marko Pjaca oder Stefano Sturaro. Um den Überblick bei all den ausgeliehenen Spielern nicht zu verlieren, haben die Bosse des italienischen Meisters bei Transfergesprächen offenbar immer eine Mappe im A4-Format dabei, mit Fotos und Steckbriefen zu jedem Profi. «Es war ein richtiger Katalog», erklärte Frankfurt-Sportchef Fredi Bobic gegenüber der «Sportbild».

Die Folgen der neuen Beschränkung, die noch vom FIFA-Exekutivkomitee abgesegnet werden muss, werden für die Topklubs einschneidend sein: Nach einer Übergangsfrist müssen die Vereine ihre aufgeblähten und teuren Kader drastisch ausdünnen und die Spieler, die es nicht in die eigene 1. Mannschaft schaffen, verkaufen, statt ausleihen. Das kommt den kleineren Ligen zu Gute. Weil massenhaft Spieler auf den Markt kommen werden, dürften auch die Transfersummen deutlich sinken. (pre)

Die jährlich höchsten Transfersummen im Fussball seit 1980

Strippenzieher der Mega-Transfers – das sind die mächtigsten Berater der Welt

Link to Article

Bosman lehnt zwei Millionen ab und revolutioniert den Weltfussball

Link to Article

So funktioniert's: Die 5 Schritte, wie ein Transfer-Gerücht entsteht

Link to Article

Für den Rekordtransfer ist er verantwortlich. Aber wie gut kennst du Paul Pogba wirklich?

Link to Article

Kehrtwende im Transfer-Irrsinn: China will «Geld verbrennen» im Fussball stoppen

Link to Article

Financial Fairplay, Third-Party-Ownership und Co. – was hinter den Fussball-Fachbegriffen steckt und wie die Verbände den Beratern die Macht wieder entreissen wollen

Link to Article

Douglas beim FC Barcelona: Ein 5,5-Millionen-Euro-Mann, der geholt wurde, um nicht zu spielen

Link to Article

Die Chronologie der Ronaldo-Wechsel-Saga – wie ein Gerücht plötzlich Fakt wurde

Link to Article
Alle Artikel anzeigen
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

Abonniere unseren Newsletter

9
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • leu84 14.09.2018 13:40
    Highlight Highlight Es gibt doch noch kluge Köpfe auf dem Zürichberg :)
    0 0 Melden
  • Real John Doe 13.09.2018 16:28
    Highlight Highlight Ich bin mir noch nicht sicher ob das den kleinen Vereinen wirklich hilft? Momentan ist es für sie doch lukrativ einen Spieler für ein, zwei Saisons zu leihen als ihn direkt zu verpflichten. Chelsea und Juve sind da wohl die beiden Paradebeispiele. City hat gem. Transfermarkt auch 14 Spieler verliehen. Aus ihrem Spielerkontingent dürfte der ein oder andere günstig zu haben sein. Aber wie elstefano schon erwähnt hat, ist es heute ja schon gang und gäbe, dass junge spieler nur mit rückkaufsklauseln weggegeben werden. Problem gelöst...
    11 3 Melden
    • leu84 14.09.2018 13:46
      Highlight Highlight Die kleinen Klubs leihen meistens nur Spieler aus, die mit dem Kopf oft nicht beim Leihklub. Manchmal braucht ein Spieler ein halbes Jahr, bis er Fuss gefasst hat. Ist er auf dem Niveau geht er weiter oder zurück. Dann besser einer aus der eigenen Jugend einsetzen. Z.B. bei meinem FC Aarau hat kaum ein Leihspieler in den letzten Jahren etwas gebracht (Ausnahme Lars Unnerstall, der kam aber nicht aus der NLA). Da war ein Joel Mall, Silvan Widmer oder Marco Thaler.
      0 0 Melden
  • Argon 13.09.2018 16:19
    Highlight Highlight Dieser Schritt währe Begrüssenswert. Ich hoffe nur das die Regel, sollte sie den kommen, so Formuliert wird das es nicht wider Schlupflöcher gibt.
    25 1 Melden
  • Brunzguttere 13.09.2018 16:09
    Highlight Highlight Würde Haus, Hof und Grossmutter darauf verwetten dass diese Neuregelung, auf Druck der finanzkräftigen Vereine, schnell wieder in einer Schublade verschwindet.
    19 1 Melden
  • elstefano15 13.09.2018 16:03
    Highlight Highlight Ich denke, die grossen Vereine werden andere Möglichkeiten finden, diese Regel zu umgehen.

    Wahrscheinlich verkaufen sie die jungen Spieler, dann aber einfach mit einer fixen Rückkaufklausel im Vertrag und verkaufen sie danach wieder teurer.
    31 2 Melden
  • Paul_Partisan 13.09.2018 15:48
    Highlight Highlight Diese Beschränkung ist längst überflüssig. Ich hoffe sehr, die Fifa kuscht nicht vor den grossen Vereinen und boxt diese Massnahme durch!
    13 4 Melden
    • Paul_Partisan 14.09.2018 08:10
      Highlight Highlight ÜBERFÄLLIG, natürlich wollte ich überfällig schreiben, danke :D
      5 0 Melden
  • Army Neilstrong 13.09.2018 14:59
    Highlight Highlight Ich hoffe, dass mit diesem Schritt wirklich mal den kleinen Vereinen geholfen wird. Ansonsten scheint es ja wirklich so, dass die UEFA & FIFA nur Dinge unternehmen, die die grossen Vereine noch mächtiger machen.
    102 3 Melden

Ein Spiel für die Geschichtsbücher – hier alle Tore des 5:2-Wahnsinns gegen Belgien

Die Schweiz schlägt Belgien nach 0:2-Rückstand mit 5:2 und feiert einen der grössten Siege ihrer Geschichte. Seferovic erzielt drei Tore, Shaqiri zeigt ein Wahnsinnsspiel und die Belgier wissen kaum, wie ihnen geschieht.

Wer hätte das gedacht? Die Schweizer Nati dreht einen frühen und deutlichen Rückstand gegen Belgien und qualifiziert sich für das Final-Four-Turnier der UEFA Nations League.

Wie das Team von Vladimir Petkovic gegen die Weltnummer eins Moral gezeigt hat, zeugt von ganz, ganz grosser Klasse. Keine Mannschaft der gesamten Nations League hat mehr Treffer als die Schweiz erzielt, das zeugt von einer gewaltigen Offensiv-Power.

Alle Treffer der heutigen Partie gibt's hier im Video.

Schweiz – …

Artikel lesen
Link to Article