Erinnerungen an erschossenen Escobar: Campaz kehrt aus Angst nicht nach Kolumbien zurück
Im WM-Achtelfinal zwischen der Schweiz und Kolumbien läuft die 115. Minute, als dem Nati-Kapitän Granit Xhaka ein grosser Fehler unterläuft und der kolumbianische Stürmer Jaminton Campaz plötzlich alleine vor Torhüter Gregor Kobel steht. Doch Campaz haut den möglichen Matchball über das Gehäuse. Wenige Minuten später setzt sich die Schweiz im Elfmeterschiessen durch und steht erstmals seit 72 Jahren in einem WM-Viertelfinal.
Campaz war dann nach der Niederlage aus Sicht vieler Fans der grosse kolumbianische Sündenbock. Wie OneFootball berichtet, hat sich der 25-Jährige dazu entschieden, aus Sicherheitsgründen vorerst nicht nach Kolumbien zurückzukehren. Campaz erhielt nach der Partie mehrere Drohungen, welche sich auch gegen seine Tochter und weitere Familienangehörige richteten. Einige Angehörige des Stürmers leben in Ibagué im Departement Tolima.
Vor 32 Jahren wurde der kolumbianische Spieler Andrés Escobar nach einem Eigentor gegen WM-Gastgeber USA weniger als zwei Wochen später in seiner Heimat erschossen. Verantwortlich dafür waren wahrscheinlich die Drogenbosse Santiago und Pedro Gallon, welche deswegen beim Wetten eine grosse Stange Geld verloren haben.
Campaz selbst, welcher im Elfmeterschiessen gegen die Schweiz seinen Versuch verwandelte, meldete sich mit einem Beitrag auf Instagram zu Wort. Der Spieler vom argentinischen Verein Rosario Central bedankte sich zum einen bei den Fans, welche die Mannschaft während des Turniers unterstützten, schrieb aber auch noch: «Kolumbien, bitte lasst uns den Respekt niemals vergessen. Wir können unterschiedlicher Meinung sein, frustriert oder traurig, aber keine Leidenschaft rechtfertigt Hass oder ein Leben in Angst.» (riz)
