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Agent Pini Zahavi in the stands Paris Saint-Germain v Amiens SC - Ligue 1 - Parc des Princes Editorial use only, no commercial use without prior permission, please contact PA Images for further information. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xMikexEgertonx 32400439

Pini Zahavi bei einem Spiel von PSG. Bild: imago sportfotodienst

Wie ein dubioser «Dealmaker» als Alaba-Agent die Bayern-Bosse zur Weissglut bringt

arne siegmund / watson.de



Ein Mann namens Pini Zahavi bereitet dem FC Bayern München aktuell grosse Sorgen – und das nicht zum ersten Mal. Bereits im Frühjahr 2018 fürchteten die Verantwortlichen an der Säbener Strasse den berühmt-berüchtigten Spielerberater, als dieser Robert Lewandowski zu Real Madrid lotsen wollte, nachdem der Pole sich von seinen Agenten Maik Barthel und Cezary Kucharski getrennt hatte.

Nun hat Bayerns Abwehr-Star David Alaba Zahavi angeheuert. Der Israeli soll einen neuen Vertrag für den Spieler aushandeln, auch Alabas Vater George ist an den Gesprächen beteiligt. Das Arbeitspapier des 28-Jährigen läuft noch bis zum Sommer 2021, die Münchener wollen mit ihrem Eigengewächs gerne verlängern. Der österreichische Nationalspieler hat sich in der abgelaufenen Saison zum Abwehrboss und Führungsspieler entwickelt.

epa08527813 Bayern Munich's head coach Hansi Flick (R) and David Alaba (L) pose with the trophy after winning the German DFB Cup final between Bayer 04 Leverkusen and FC Bayern Munich at Olympic Stadium in Berlin, Germany, 04 July 2020.  EPA/ALEXANDER HASSENSTEIN / POOL CONDITIONS - ATTENTION: The DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video.

Ob Alaba auch in Zukunft seine Pokale bei den Bayern gewinnt? Bild: keystone

Wie die «Sport Bild» am Mittwoch berichtet, soll sich Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic während der Vertragsverhandlungen fürchterlich über Zahavi aufgeregt haben. Der Grund: Die finanziellen Vorstellungen des Beraters für seine Mandanten – und letztlich auch für sich selbst, Stichwort Provision – sind meistens extrem hoch, so auch im Falle von Alaba.

Der Israeli habe ein Jahressalär von über 20 Millionen Euro für den Spieler gefordert, rund fünf Millionen mehr als bisher. Alaba bleibe nur, wenn sein Gehalt entsprechend erhöht werde. Beim Bayern-Sportvorstand sorgte das wohl für Entsetzen. In der Corona-Krise sei eine solche Forderung aber absolut unrealistisch. Dass der einst belächelte Salihamidzic Zahavi Konter gab, habe der Chefetage imponiert, damit habe er sich Respekt und Anerkennung innerhalb des Klubs verschafft.

Bayern's Munich's sports director Hasan Salihamidzic speaks to the media ahead of the German Bundesliga soccer match between Werder Bremen and Bayern Munich in Bremen, Germany, Tuesday, June 16, 2020. Because of the coronavirus outbreak all soccer matches of the German Bundesliga take place without spectators. (AP Photo/Martin Meissner, Pool)

Bayern-Sportchef Hasan Salihamidzic wehrt sich gegen Zahavi Forderungen. Bild: keystone

Der hartnäckige Stil von Zahavi

Auch Torhüter Manuel Neuer und dessen Berater Thomas Kroth liess Salihamidzic laut dem Bericht bei deren hohen Gehaltsforderungen im Frühjahr dieses Jahres abblitzen. «Brazzo» blieb hart, Neuer verlängerte dann am Ende des Pokers seinen Vertrag bis zum Sommer 2023. Dieser Linie will man beim FCB offenbar treu bleiben.

Bei Alaba ist hingegen noch keine Entscheidung gefallen, obwohl man in München damit rechnete, dass man schnell eine Einigung erzielen könne. Aber die Verhandlungen stocken seit nunmehr vier Monaten, was auch am hartnäckigen Stil von Zahavi liegen soll.

Wer ist der Mann, der den Bayern nun schon zum zweiten Mal Kopfzerbrechen bei einer Vertragsverhandlung mit einem Topstar bereitet?

Israeli Football Agent Pinhas Pini Zahavi during the Premier League match between Chelsea and Manchester United, ManU at Stamford Bridge, London, England on 17 February 2020. PUBLICATIONxNOTxINxUK Copyright: xAndyxRowlandx PMI-3390-0026

Pini Zahavi im Februar 2020 bei der Partie zwischen Chelsea und Manchester United. Bild: www.imago-images.de

Pini Zahavi hat im weltweiten Fussballgeschäft schon so ziemlich alles verkauft und eingefädelt, was man sich vorstellen kann: Spieler, Verträge, TV-Rechte, Fussballklubs. Der 76-jährige Israeli ist der grosse Dealmaker des Weltfussballs. Er ist einflussreicher Drahtzieher und Schattenmann, findiger Agent und Netzwerker mit dickem Kontakt- und Sparbuch.

Bei Ronaldinho, Ibrahimovic und Neymar die Finger im Spiel

Bekannt wurde er unter anderem dadurch, dass er Anfang der Nullerjahre an den Eigentümerwechseln der englischen Premier-League-Klubs FC Chelsea und des FC Portsmouth beteiligt war. Danach fädelte Zahavi ein, dass Stars wie Ashley Cole, Didier Drogba, Michael Essien und Petr Cech zum FC Chelsea gingen; Ronaldinho und Zlatan Ibrahimovic vermittelte er 2003 beziehungsweise 2009 zum FC Barcelona. Deren Klub-Ikone Xavi wiederum brachte er im Herbst dessen Karriere erfolgreich in Katar beim Al-Sadd Sport Club unter.

Auch hatte Zahavi seine Finger im Spiel, als Neymar für die bisherige Rekordablösesumme von 222 Millionen Euro vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain wechselte – Zahavi soll dafür als Mastermind hinter dem Deal laut spanischen Medien 38 Millionen Euro kassiert haben.

Football players Neymar who just transferred from Barca to PSG attends PSG - Amiens (2-0) - football game at Stade de France. Please hide the children s faces prior to the publication. Nasser Al Khelaifi (président du PSG);Pini Zahavi Paris France PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY 538179

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Zahavi pflegt seinen Kontakt zu PSG-Präsident Nasser Al Khelaifi. Bild: imago sportfotodienst

Pinhas Zahavi, genannt Pini, ist der Sohn eines Ladenbesitzers. Er wurde 1943 in Ness Ziona geboren, einer 50'000-Einwohner-Stadt südlich von Tel Aviv. Nach der Universität war er als Fussballjournalist tätig, arbeitete bei verschiedenen israelischen Zeitungen, berichtete als Reporter von der Fussball-Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland. Im Sportjournalismus baute er sich ein grosses Kontaktnetzwerk auf, ausserdem durch die Organisation von Freundschaftsländerspielen in Israel. Zu Beginn seiner Beraterkarriere vermittelte er hauptsächlich israelische Fussballer nach England, freundete sich während dieser Zeit mit Star-Trainern wie Alex Ferguson und Kenny Dalglish an.

Der allererste Spielervertrag, an dem Zahavi beteiligt war, war der des israelischen Verteidigers Avi Cohen im Jahr 1979, als dieser von Maccabi Tel Aviv zum FC Liverpool wechselte. Zahavi bekam seine erste Provision. Bis 1998 arbeitete Zahavi noch als Journalist, zwei Jahre später brachte er seinen ersten richtig grossen Deal unter Dach und Fach: Im Jahr 2000 vermittelte er den damals 22-jährigen Abwehrspieler Rio Ferdinand für 26 Millionen Euro von West Ham United zu Leeds United.

Bildnummer: 07091003  Datum: 24.01.1981  Copyright: imago/Colorsport
Avi Cohen (Liv) 24/1/81 Everton FC (blue) vs Liverpool FC (red). --- PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxPOLxUSAxONLY; Fussball Herren England First Division Aktion premiumd vdia xmk 1981 quer 

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Der erste Streich: 1979 organisierte Zahavi den Transfer des Israelis Avi Cohen zum FC Liverpool.

Zahavi transferierte Gonzalo Higuain zum FC Locarno

2002 folgte Ferdinands 46-Millionen-Transfer von Leeds zu Manchester United. Wieder war der israelische Spieleragent beteiligt, rund eine Million Euro wanderten als Courtage in Zahavis Tasche. In der Folge war er auch dafür verantwortlich, dass Jaap Stam 2001 von Manchester United zu Lazio Rom ging und Juan Sebastián Verón den umgekehrten Weg nahm.

Auch hier zahlte sich ein freundschaftlichter Kontakt Zahavis aus, der zum damaligen Lazio-Coach Sven Göran Eriksson. Apropos Kontakte: Zahavi werden sogar Verbindungen zur israelischen und russischen Regierung sowie zum argentinischen Geheimdienst nachgesagt.

Teilweise sind die Praktiken des Agenten sehr umstritten. Mit zwei Freunden aus Argentinien gründete Zahavi in Gibraltar ausserdem die Firma HAZ Sports Agency. Über diese kaufte er den Schweizer Klub FC Locarno, um ihn zu einer Art Umschlagplatz für Profis aus Südamerika zu machen. Bevor beispielsweise der jetzige Juventus-Stürmer Gonzalo Higuaín 2007 vom argentinischen Spitzenklub River Plate zu Real Madrid wechselte, kaufte ihn der FC Locarno für sechs Millionen Euro. Danach ging es für 18 Millionen direkt in die spanische Hauptstadt. Durch den Umweg über die Schweiz sparte die Firma in Argentinien Steuern. Higuaín spielte keine Minute für Locarno.

Juventus' Gonzalo Higuain celebrates after a goal during the Serie A soccer match between Juventus and Lecce, at the Allianz Stadium in Turin, Italy, Friday, June 26, 2020. (Fabio Ferrari/LaPresse via AP)
Gonzalo Higuain

Juventus bezahlte 2016 90 Millionen für Higuain, der FC Locarno 2007 deren 6. Bild: keystone

Zahavi ist ein Vertreter der sogenannten «Third Party Ownership». Das bedeutet, dass er auch Transferrechte an manchen Spielern hält und an deren Weiterverkauf weiterverdient. «Ich bin kein Berater mehr. Ich besitze Spieler. Das ist die Zukunft», wie er einst gegenüber dem ehemaligen Chef der englischen Premier League, Richard Scudamore, sagte.

Viele Vereinsbosse der europäischen Klub-Elite kennt Zahavi persönlich. Zur Deutschen Welle sagte ein israelischer Journalist, der anonym bleiben wollte, über ihn: «Er ist ein Mensch, den Spieler als Berater haben möchten. Ein netter Mann, der sehr geschäftstüchtig ist und alle wichtigen Leute im Fussball kennt».

David Alaba weicht Fragen zu seiner Zukunft aus

Beim Vertragspoker zwischen Robert Lewandowski und dem FC Bayern hat Pini Zahavi bei der jüngsten Verlängerung im August 2019 hoch gepokert. Am Ende entschied sich der Pole für einen Verbleib in München, auch weil die Bayern ihn dafür mit etwas mehr als 20 Millionen Euro pro Jahr entlohnen, wie man hört. Der Stürmer soll damit der Topverdiener der ganzen Bundesliga sein. Zahavi sei dank. Bei David Alabas Vertragsverhandlung möchte der Star-Agent offenbar eine ähnliche Summe für seinen Mandanten herausholen.

epa08528288 Robert Lewandowski (C) of Bayern Muenchen reacts during the DFB Cup final match between Bayer 04 Leverkusen and FC Bayern Muenchen at Olympiastadion in Berlin, Germany, 04 July 2020.  EPA/ALEXANDER HASSENSTEIN / POOL The DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video.

Bayern-Stürmer Robert Lewandowski lässt sich seine Tore gut entlöhnen. Bild: keystone

Alaba soll auch nicht abgeneigt sein, beim FC Bayern, für den er seit über zehn Jahren spielt, zu verlängern. Dennoch möchte er wohl besser bezahlt werden, da sein Standing im Klub in der jüngeren Vergangenheit gewachsen ist.

Der Spieler selbst ist Fragen zu seiner Zukunft in München bisher eher ausgewichen: «Die Gespräche laufen. Ich bin da aber nicht so involviert, weil ich mich voll und ganz auf die neue Aufgabe Champions League konzentrieren möchte, da lege ich meinen kompletten Fokus drauf», sagte Alaba am Dienstag vergangener Woche während eines PR-Termins.

Angeblich hat Manchester City um den früheren Bayern-Coach Pep Guardiola Interesse an einer Verpflichtung des Verteidigers. Auf Fragen, was zum Beispiel für einen Verbleib in München und was möglicherweise für die Engländer spreche, ging Alaba bislang nicht ein.

Bei der Trikotvorstellung des neuen Bayern-Jerseys für die kommende Saison posiert Alaba als Model. Das macht den Bayern jedenfalls Hoffnung, dass er bleibt. Zumindest bis 2021.

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • manolo 30.07.2020 20:02
    Highlight Highlight korrektur: zahavi hat mit Ibrahimovic nichts zu tun!
    rajola ist der einzige spieleragent , den ibra beschäftigt!
  • Zanzibar 30.07.2020 19:16
    Highlight Highlight Brazzo macht das gar nicht so schlecht. Ich würde Alaba die bisherigen 15 Millionen bieten und dem Herrn Spielerberater keinen Cent geben.

    Ich könnte kein Sportdirektor sein. Ich würde diese Berater alle zum Teufel jagen. Für was benötigen die überhaupt eine Provision? Die können ja nix für die Leistung der Spieler.
  • Till Rabenschlag 30.07.2020 17:05
    Highlight Highlight Ich kann das Buch "Football Leaks" (Teil 1 und 2) empfehlen. Da vergeht einem die Lust am Fussball leider ziemlich schnell
  • Sir Albert 30.07.2020 16:50
    Highlight Highlight Süss, wie sich die Bayern aufregen, wenn jemand ihre "Geschäftsmethoden" gegen sie verwendet.
    • Raembe 30.07.2020 20:38
      Highlight Highlight Sry aber der BVB machts nicht viel besser.
  • Nicosinho 30.07.2020 16:01
    Highlight Highlight Al Pacino's Double ;)
    Benutzer Bild
  • balabala 30.07.2020 15:34
    Highlight Highlight Diese "Dealmaker" sind raffgierige Menschenhändler und für mich der Sargnagel des FussballSPORTs. Sollte man verbieten können.
  • Schlawiner 30.07.2020 14:54
    Highlight Highlight Der moderne Fussball ist so zum Kotzen. Manches war früher eben doch besser.
  • cheko 30.07.2020 14:34
    Highlight Highlight Und ich dachte Raiola wäre bereits der grösste Schurke in der Welt der Spielerberater.. Zahavi scheint mir noch eine Spur hinterlistiger zu sein.. (Auch) Dank solchen krummen Geschäften wurde dieser eigentlich wunderbare Sport so unfassbar abgehoben!!
  • Gott 30.07.2020 14:26
    Highlight Highlight "Ich besitze Spieler. Das ist die Zukunft."

    irgendetwas mit visionär und Menschenhandel...

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