Österreich in Extremis weiter: «Normalerweise ist es mit dem 2:3 vorbei und du bist tot»
Mit einem 2:2 sind Österreich und Algerien beide weiter. Entsprechend langweilig ist die Schlussphase, der Ball wird hin und her geschoben, bis der Schiedsrichter abpfeift. Nur einer hält sich in Kansas City nicht ans Drehbuch: Riyad Mahrez. In der 93. Minute schiesst er das 3:2 für Algerien.
Österreich ist geschockt – denn mit diesem Resultat ist es ausgeschieden. Und die Nachspielzeit ist praktisch vorbei. «Normalerweise ist das Spiel mit dem 2:3 vorbei und du bist tot», wusste Trainer Ralf Rangnick im ORF.
Ein Kopfball ins Glück
Doch das hier ist kein normales Spiel. Rangnick wechselt nach dem Gegentreffer noch Sasa Kalajdzic ein, 2 Meter gross, ein letzter, verzweifelter Akt der Hoffnung.
Tatsächlich schlägt Marcel Sabitzer noch einmal eine Flanke vors Tor, Michael Gregoritsch köpft ihn von der Grundlinie zur Mitte und dort steht dieser Turm Kalajdzic frei. Sein Kopfball zum 3:3 ist schon jetzt ein Stück österreichische Fussballgeschichte.
«Ich bin überglücklich, aber auch so tot»
«Das Happy End ist unglaublich», fasste der Torschütze zusammen. Die Kollegen feiern ihn derart ausgelassen, dass Kalajdzic scherzt: «Ich glaube, ich habe 500 Watschen kassiert. Ich glaube, ich muss mit einer Gehirnerschütterung ins Spital.» Dass die WM-Reise weitergehe, sei «märchenhaft» und er sei froh, habe er dazu etwas beitragen können. Kollege Sabitzer, der das 2:1 erzielt hatte, kommentierte: «Ich glaube, Österreich hat den Atem angehalten, aber jetzt können alle weitertrinken. Ich bin überglücklich, aber auch so tot.»
Teamchef Rangnick, immerhin schon 67 Jahre alt und seit Jahrzehnten im Geschäft, konnte sich nicht an ein ähnlich aufregendes Finish erinnern. «Nicht einmal im entferntesten habe ich bisher sowas bei einem Fussballspiel erlebt. Dass du dann tatsächlich die Chance nutzen kannst, ins Spiel zurückzukommen, ist unfassbar.» Österreichs Rekordtorschütze Marko Arnautovic, der das 1:0 erzielt hatte, hatte mit der WM schon abgeschlossen. «Bei 2:3 dachte ich, jetzt ist es soweit, wir fliegen nach Hause. Dass wir in der letzten Sekunde noch den Ausgleich machen, war crazy. Ich kann es noch immer nicht in Worte fassen.»
«Das war teilweise unseriös»
Nach dem 3:3 geht es am Donnerstag in den Sechzehntelfinals gegen Spanien. Gegen den Europameister muss sich Österreich steigern, sonst ist die WM vorbei.
Sabitzer kritisierte, dass es das Team nicht geschafft habe, das Spiel trotz zweimaliger Führung zu gewinnen: «Das kannst du bei so einem Spiel nicht bringen, das war teilweise unseriös. Das müssen wir gut analysieren, dass wir besser reinkommen.» Das ÖFB-Team sei zwar weiter, aber: «Es gibt viel zu analysieren, die Gegentore waren viel zu leicht.» Rangnick erkannte, dass einige Spieler «läuferisch am Limit» gewesen seien.
Bös an die Grenzen war Österreich gegen Spanien schon einmal geraten, die Geschichten kommen jetzt natürlich erneut aufs Tapet. 1999 war es, als es zur Pause in Valencia schon 5:0 für Spanien stand und Austria-Verteidiger Toni Pfeffer die legendäre Ansage machte: «Na hoch werd mas nimma gwinnen, des is amoi kloa.» Am Ende stand ein 9:0 auf der Anzeigetafel.
