«Wenn ich EM-Spiele schaue, habe ich plötzlich den Drang, Katar zu besuchen», schreibt ein User auf X. Hinter der etwas zynischen Aussage steckt viel Kritik, die sich im Zusammenhang mit der EM besonders auf Social Media bemerkbar macht. Neben der Deutschen Bahn, AliExpress und Adidas gehören nämlich auch Visit Qatar und Qatar Airways zu den offiziellen Partnern der UEFA und somit auch der EM 2024 in Deutschland.
Dass die Golfstaaten im Fussball präsent sind, sei es in Form der Saudi Pro League oder durch Werbepartnerschaften, ist an und für sich nichts Neues. Dass der Slogan «Visit Qatar» ausgerechnet bei der Euro in Deutschland überall zu sehen ist, sorgt aber insbesondere deshalb für Spott, weil sich die deutsche Nationalmannschaft vor zwei Jahren vor und während der WM in Katar besonders laut gegen eine Austragung im Golfstaat ausgesprochen hatte.
Euro 2024 in Germany and sponsored by visit Qatar. I love this game 🤣🤣🤣🤣🤡🤡🤡🤡🤡 pic.twitter.com/Toy3f7kb6k
— Rodrigo Rodders (@RodrigoRodders) June 14, 2024
Wie Norwegen und Dänemark dachte Deutschland damals darüber nach, an der WM in Katar gar nicht erst aufzulaufen. Im Zentrum der Kritik am Gastgeber: Menschenrechtsverletzungen aller Art. Mit Ausnahme von Norwegen, das sich indes gar nicht für die WM qualifizierte, wurde der Boykott aber von keinem Land tatsächlich umgesetzt.
Wait why is visit Qatar the official sponsors of UEFA Euro Cup aren’t they like super evil #euro2024
— . (@EverrTriedSocks) June 14, 2024
Um für Werte wie Freiheit und Toleranz einzustehen, griff die Nationalelf während des Turniers in Katar zu grossen Gesten. Nachdem das Tragen der One-Love-Captainbinde von der FIFA verboten wurde, posierte die deutsche Mannschaft vor dem Gruppenspiel gegen Japan mit einer Maulkorb-Geste. Angesichts der Tatsache, dass Visit-Qatar- und Qatar-Airways-Banner zwei Jahre später die deutschen Stadien zieren, wird diese Geste von vielen X-Nutzern rückblickend als «scheinheilig» wahrgenommen. (kat)