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Im August zog sich van Wolfswinkel eine Gehirnerschütterung zu – zu seinem grossen Glück. bild: ap

Interview

Van Wolfswinkel über seine Hirn-OP: «Der Arzt, der das gemacht hat, ist ein Künstler»

Ricky van Wolfswinkel fehlte dreineinhalb Monate, nachdem ein Aneurysma bei ihm entdeckt wurde. Per Zufall. Jetzt spricht der Stürmer des FC Basel erstmals über seinen Eingriff am Kopf, Ängste und was mit seinem im Juni auslaufenden Vertrag passiert.

céline Feller / ch media



Es ist ein ganz normales Luftduell. Spieler gegen Spieler, Kopf gegen Kopf. So sieht es zumindest aus. Und so zumindest nimmt es auch Ricky van Wolfswinkel war. Nichtsahnend, dass dieser Moment folgenschwer sein würde. Denn was zuerst wie eine normale Gehirnerschütterung wirkt, soll sich später als Aneurysma im Gehirn herausstellen. Die Konsequenzen: Eine Intervention – so wird der Eingriff im Kopf bei einer solchen Diagnose genannt – sowie eine sechs bis zwölf monatige Rekonvaleszenz. Und vor allem: dreieinhalb Monate kein Fussball.

Ricky van Wolfswinkel, Sie sind nach dreieinhalb Monaten ohne Fussball mit der Mannschaft im Trainingslager in Marbella. Sie können teilweise gar ganz mittrainieren. Wie gut tut das?
Ricky van Wolfswinkel: Sehr gut, und es geht mir auch sehr gut. Ich konnte dreieinhalb Monate lang gar nichts machen. Diese Zeit hat sich angefühlt wie ein Jahr. Aber jetzt bin ich wieder da. Und ja, seit zwei Wochen trainiere ich sogar wieder mit der Mannschaft. Natürlich muss ich noch aufpassen, dass der Ball nicht meinen Kopf berührt oder kann noch nicht in ein Duell mit einem Spieler. Aber ich kann schon viel machen: Passen, Torschuss, Übungen an der Aussenlinie, Ballhalten.

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So erklärte RvW seine Hirnaneurysma im August. Video: YouTube/FC Basel 1893

Sind Sie im Nachhinein froh, sich gegen den LASK diese Gehirnerschütterung zugezogen zu haben?
Natürlich. Wer weiss, was passiert wäre, wenn ich mir die Gehirnerschütterung nicht zugezogen hätte und so nicht glücklicherweise mein Aneurysma gefunden worden wäre.

«Die Ärzte gingen am rechten Handgelenk rein, am Arm entlang hoch und in den Kopf, wo sie dann behandelten. Das ist unglaublich, dass man so etwas machen kann.»

Van Wolfswinkel über seine OP

Wie waren diese dreieinhalb Monate für Sie?
Ich habe es vermisst, natürlich. Zum Glück konnte ich die ersten Monate viel Golf spielen. Aber ich konnte nicht laufen gehen oder etwas mit dem Ball machen. Gar nichts.

Hatten Sie denn Beschwerden?
Nein, ich hatte tatsächlich gar nichts. Also eine knappe Woche etwas Kopfschmerzen und ich war müde, wie das bei einer Gehirnerschütterung üblich ist. Aber nachher und seither gar nichts mehr, nein. Ich bin normal wie immer. Ich bin zwar nicht normal, aber ich bin einfach, wie ich immer bin.

Ist es schwieriger zu akzeptieren, dass man nicht normal spielen darf, wenn man keine Beschwerden hat?
Nein, denn ich weiss ja, wieso. Das Schwierige ist viel mehr, dass ich keine zeitliche Richtlinie habe. Wenn man sich eine Knieverletzung zuzieht, dann weiss man, dass man sechs bis neun Monate weg ist. Dann hat man ein klares Ziel vor Augen. Bei mir aber ist das noch immer schwer zu sagen. Ich hoffe natürlich, dass es schnell geht, dass ich im Februar oder März wieder spielen kann. Aber ich habe jetzt erst einmal Ende Februar einen weiteren Scan. Dann weiss ich mehr.

Wie war der Moment für Sie, in dem Sie die Diagnose bekamen?
Anfangs dachte ich ja, es sei einfach eine Gehirnerschütterung. Aber als es dann klar war, hat sich nicht viel geändert. Meine Frau hat immer gesagt, dass der grosse Schock vielleicht noch kommt, aber er ist nicht gekommen.

Sie hatten nie Angst um sich? Immerhin ist es eine Kopfverletzung.
Angst hatte ich tatsächlich nie. Der erste Gedanke war nur, dass ich jetzt keinen Fussball mehr spielen kann. Mein ganzes Leben lang habe ich das getan, und jetzt plötzlich nicht mehr.

Ihr erster Gedanke drehte sich um Fussball?
Ja. Meine erste Frage an den Arzt war, wann ich wieder Fussball spielen kann. Und die zweite, wann ich wieder Golf spielen kann.

Sie hatten in Ihrer Karriere auch schon Verletzungen, die Sie länger vom Spielen abhielten. Und doch erzählten Sie, dass Sie ein Spiel Ihrer Teamkollegen nach 30 Minuten verlassen mussten, weil Sie nicht damit klar kamen, zuschauen zu müssen statt auf dem Platz zu stehen. Wo ist der Unterschied?
Mit dem kaputten Fuss war es auch schwer, zuzuschauen. Da hatte ich auch schwierige Zeiten. Aber es ist tatsächlich der Punkt, dass niemand sagen kann, wie lange es gehen wird. Vielleicht wird es Februar, vielleicht später.

Haben Sie sich den Moment des Zusammenpralls eigentlich mal noch angeschaut?
Ja, und mir dabei gedacht, dass das überhaupt nicht gravierend aussieht. Daran erinnern kann ich mich aber nicht mehr. Genau so wenig wie daran, wie ich daran den Weg in die Kabine gegangen bin. Und von einem Gespräch, das ich mit Djordje Nikolic nach dem Spiel in der Kabine hatte, weiss ich auch nichts mehr. Ich habe angeblich komische Dinge geredet, ihm gesagt, er solle auf meine Familie aufpassen und nicht auf Fragen reagiert. Da merkten sie, dass etwas nicht stimmt.

Basels Cheftrainer Marcel Koller, links, spricht mit Ricky van Wolfswinkel, rechts, beim Trainingsauftakt des FC Basel 1893 auf dem Nachwuchs-Campus in Basel am Freitag, 3. Januar 2020. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Ricky van Wolfswinkel im Gespräch mit FCB-Coach Marcel Koller. Bild: KEYSTONE

Sie hätten das entdeckte Aneurysma unbehandelt lassen können, entschieden sich jedoch für einen Eingriff. Wieso? War das Ihr Impuls, weil Sie Sportler sind und die Gefahr zu gross war?
Wir sind ja einfache Leute, die Ärzte sind die Profis und die entscheiden. Ich habe mir noch eine Zweitmeinung in Holland eingeholt, das ist ja logisch. Aber ich hätte den Eingriff auch dann gemacht, wenn ich kein Sportler wäre. Das Risiko, das geblieben wäre, wäre einfach zu gross gewesen.

«Der Arzt, der die Operation bei mir durchgeführt hat, ist ein Künstler.»

Van Wolfswinkel

Wenn Sie sich in der Heimat eine Zweitmeinung holten, warum haben Sie sich am Ende für den Eingriff am Unispital Basel entschieden?
Ich hatte von Anfang an ein super Gefühl bei dem Arzt, der die Intervention durchführte. Auch wenn die Ärzte in Amsterdam anderer Meinung gewesen wären, hätte ich mich für den Weg hier in Basel entschieden.

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Wie haben Sie den Eingriff erlebt? Wie lange dauerte der?
Keine Ahnung, ich habe ja geschlafen (lacht). Es hätte ja die Möglichkeit gegeben, die Aussenseite meines Kopfes aufzumachen und so an die Stelle zu kommen. Normalerweise ist das einfacher und weniger riskant. Weil es bei mir aber zu tief war, wäre es so zu riskant gewesen. Also gingen die Ärzte am rechten Handgelenk rein, am Arm entlang hoch und in den Kopf, wo sie dann behandelten. Das ist unglaublich, dass man so etwas machen kann. Unfassbar. Der Arzt, der das bei mir durchgeführt hat, ist ein Künstler.

Spüren Sie Folgen von der OP?
Vom Eingriff per se nicht. Ich hatte ein paar Wochen weniger Energie. Aber nur, weil ich keinen Sport machen konnte, der mir ja normalerweise Energie gibt. Aber sonst? Nein. Ich nehme einfach noch bis Ende Februar Blutverdünner und blute daher stärker, wenn ich mich irgendwo schneide. Abgesehen davon habe nur mehr Scans als Leute mit einem «normalen» Beruf, weil ich präzisere Infos will und brauche. Für ein normales Leben wäre ich jetzt schon komplett okay. Für die nächsten Wochen auf dem Platz kriege ich jetzt noch einen Helm, wie ihn Petr Cech früher trug.

Hat Sie die Leidenszeit als Mensch verändert?
Ich habe mehr über das Leben nachgedacht. Es gibt ja nicht nur Fussball. Sondern man denkt dann auch daran, was sonst auf der Welt passiert, all die Probleme und Krankheiten. Das verändert einen dann schon ein bisschen. Normalerweise sind die eigenen Probleme immer die grössten. Aber in der Relation ist das, was ich habe, nicht so schlimm. Und etwas Positives gab es auch: Ich hatte drei Monate lang Zeit für meine Kinder, war im Oktober drei Wochen lang im Urlaub. Das kann man als Fussballer sonst nie. Ich konnte das noch gar nie.

Haben Sie sich da auch Gedanken über die Zukunft gemacht?
Ihr Vertrag läuft am 30. Juni aus. Gibt es schon Neuigkeiten?(zuckt mit den Schultern) Wir werden sehen. Ich habe keinen Stress. Das Einzige, was ich will, ist wieder Fussball spielen zu können. Bevor dieser Scan im Februar durch ist, kann ich aber nichts sagen, nur abwarten. Danach schauen wir. Aber ich habe ein gutes Gefühl von den Leuten beim FCB, vom Sportdirektor und auch vom Präsidenten bekommen.​

Also wollen Sie hier bleiben?
Ja, wenn es geht und ich spielen kann, möchte ich hier bleiben. Dazu muss ich aber fit sein.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Trouble 09.01.2020 12:43
    Highlight Highlight Eine Commotio entpuppt sich nicht als Aneurysma. Das Aneurysma war eine Zufallsdiagnose.
    Ist ein bisschen ungünstig geschrieben.
  • BratmirnenStorch 09.01.2020 11:47
    Highlight Highlight Viele Menschen haben ein solches defektes Blutgefäss und meistens wird dieses per Zufallsbefund entdeckt. Da war viel Glück im Spiel.
  • RiiseHolzchopf 09.01.2020 09:50
    Highlight Highlight Wenn ich mich nicht täusche, war das Kopfballduell nicht der Grund für das Aneurysma. Die Untersuchung, welche wegen der daraus folgenden Hirnerschütterung veranlasst wurde, hat einfach dazu geführt, dass sie dies (glücklicherweise für ihn) entdeckt haben.
    • RiiseHolzchopf 09.01.2020 09:57
      Highlight Highlight Oh, ich habe gerade gesehen, dass das im weiteren Verlauf des Artikels auch noch erwähnt wurde. Mein Fehler^^
    • Basubonus 09.01.2020 12:23
      Highlight Highlight Korrekt.
    • Trouble 09.01.2020 12:47
      Highlight Highlight ... Was die erste Aussage nicht korrekter macht.

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