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Ganz oben: 2007 gewinnt Daniel Albrecht in der Kombination das einzige Schweizer Gold der WM in Are.
Ganz oben: 2007 gewinnt Daniel Albrecht in der Kombination das einzige Schweizer Gold der WM in Are.
Bild: EPA
Interview

Daniel Albrecht über Medaillen, Ärger und Partys an der letzten WM in Are

Daniel Albrecht war an der letzten Ski-WM in Are im Jahr 2007 der erfolgreichste Schweizer. Der damals 23-jährige Walliser kehrte als Einziger mit einer Goldmedaille zurück. Neben dem Sieg in der Super-Kombination sicherte sich Albrecht auch Silber im Riesenslalom und Bronze mit dem Team.
01.02.2019, 06:21
Valentin Oetterli / keystone-sda

Bei seinem Sturz beim Zielsprung in Kitzbühel erlitt Albrecht im Januar 2009 ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Während drei Wochen lag er im Koma, es folgte eine monatelange stationäre Rehabilitation. Im Dezember 2010 gab der vierfache Weltcup-Sieger sein Comeback. Doch der 21. Platz im Riesenslalom von Beaver Creek sollte zugleich Albrechts bestes Ergebnis nach dem Unfall bleiben. Im Oktober 2013 trat er nach einer weiteren schweren Knieverletzung zurück.

Danach arbeitete Albrecht als Mental- und Skitrainer. Zudem stand er dem von ihm gegründeten Skibekleidungs-Label «Albright» vor. Dieses verkaufte der Walliser im Frühling 2018. Seither widmet er sich intensiv dem Projekt «Mondhaus», in welchem es um Häuserbau geht. Auch hält der in Fiesch VS wohnhafte Albrecht, der verheiratet und Vater einer zweijährigen Tochter ist, noch immer Vorträge. Dabei erzählt er unter dem Thema «Never Give Up» seine Geschichte.

Daniel Albrecht, nach zwölf Jahren finden wieder Weltmeisterschaften in Are statt. An was können Sie sich noch erinnern?
Daniel Albrecht:
Dass ich in der Super-Kombination gewonnen habe. Aber natürlich auch an die Medaillen im Riesenslalom und mit dem Team. Von solchen Rennen weiss ich noch alles. Meine Gedanken am Morgen, als ich aufgewacht bin. Aber auch wo und wann ich auf die Piste gegangen bin, wie die Sicht und mein Gefühl waren.

Wie fest waren Sie damals von ihrem Erfolg überzeugt?
Ich sagte schon als ich zu Hause aufbrach, dass ich als Weltmeister heimkehren werde. Dann kam der erste Abfahrts-Trainingstag, an welchem die Pistenverhältnisse und der Schnee exakt so waren, wie ich es mag. Mein Selbstvertrauen wuchs von Tag zu Tag. Am Tag der Kombination war es dann sehr kalt, wohl minus zwanzig Grad. Du konntest dich kaum Einfahren, so fest fror man. Wenn du dich direkt vor dem Start aufgewärmt und dann einige Sekunden Pause gemacht hast, warst du gleich wieder am Schlottern. Und so bist du dann losgefahren.

Im Ziel dann durften Sie jubeln.
So war es. Zu sagen gibt es noch, dass ich sauer war.

Volksfest: Der Empfang nach der WM zuhause im Wallis. 
Volksfest: Der Empfang nach der WM zuhause im Wallis. 
Bild: KEYSTONE

Weshalb sauer?
Weil ich zuvor in Are den Super-G nicht hatte fahren dürfen. Dabei war ich in Topform und die Piste passte mir perfekt. Doch ich wurde ausgebootet. Ich konnte einige Tage vor der WM die interne Ausscheidung um den vierten Startplatz gegen Bruno Kernen und Ambrosi Hoffmann nicht bestreiten, weil ich mich schon auf dem Weg zu einem Weltcup-Einsatz im Slalom befand. Über diese entgangene Chance war ich wirklich wütend. Im Skisport muss man jede Chance nutzen, man weiss nie, ob es die letzte ist. Und in meinem Fall war es auch tatsächlich die letzte – die nächste WM konnte ich ja bekanntlich nicht mehr fahren.

Sprechen wir noch über den Riesenslalom: Zuvor in der WM-Saison waren Sie in dieser Disziplin nie in den Top 15 klassiert. Dann wechselten Sie kurz vor dem WM-Rennen den Schuh – und schon ging die Post ab.
War es wirklich der Schuh? Oder nicht doch eher die Abstimmung an der Bindung? Tatsächlich war es damals die erste Saison, in welcher ich im Weltcup im Riesenslalom regelmässig in die Top 30 gefahren bin. Ich konnte mir auch eine Startnummer in den ersten 30 sichern. Dadurch konnte ich im WM-Rennen auf der lockeren Seite fahren.

War Are 2007 das absolute Highlight in Ihrer Karriere?
Die Stimmung in unserer Slalom-Gruppe war toll. Der Team-Spirit von Marc Berthod über den Konditionstrainer bis zum Physiotherapeuten stimmte. Dazu stiess während der WM noch Marco Büchel als Wohnungskollege von uns. «Büxi» ist einer der angenehmsten Athleten, er brachte eine gewisse Lockerheit und Spass in die Gruppe. Auch organisierte er die eine oder andere Party. Wir hatten es lustig. Aber nicht nur die Stimmung passte, sondern es war auch der Wille vorhanden, etwas zu erreichen. In den Rennen wollte ich einfach nur schnell sein.

Die Athleten, die im Team-Event WM-Bronze holten: Vorne Fabienne Suter, Sandra Gini, Rabea Grand und Nadia Styger. Hinten ein Betreuer, Daniel Albrecht und Marc Berthod (von links).
Die Athleten, die im Team-Event WM-Bronze holten: Vorne Fabienne Suter, Sandra Gini, Rabea Grand und Nadia Styger. Hinten ein Betreuer, Daniel Albrecht und Marc Berthod (von links).
Bild: KEYSTONE

Waren in Are eigentlich keine Spätfolgen der medaillenlosen Schmach von Bormio 2005 spürbar?
Für mich persönlich war Bormio ein Highlight. Schon, dass ich teilnehmen durfte. Dann aber auch, dass ich in der Kombi-Abfahrt und im folgenden Slalom gut gefahren bin. Ich belegte den 7. Rang, für mich als noch jungen und unerfahrenen Fahrer ein Top-Resultat. Weil die arrivierten Schweizer die erhoffte Leistung nicht erbrachten, erschien dann plötzlich mein Bild unter einem negativen Titel. Da lernte ich die Medien so richtig kennen. Nein, die Stimmung in Bormio war damals gar nicht gut.

Es gibt heuer einige Fahrer, unter ihnen Aksel Lund Svindal, die waren schon an den Weltmeisterschaften 2007 mit von der Partie. Im Schweizer Team gibt es keinen solchen Evergreen. Was ist Ihre Erklärung?
In meinem Jahrgang 1983 hatten wir im Nachwuchs eine wirklich gute Gruppe zusammen. Aber keiner von uns konnte die Karriere so zu Ende bringen, wie er sich das ursprünglich erhofft hatte. Unter anderen Marc Berthod und auch ich nicht. Ich blieb zwar als Junior von einer schweren Verletzung verschont, dafür erwischte es mich dann in Kitzbühel so richtig. Ansonsten wäre ich als Typ und vom Körper her einer gewesen, der auch jetzt noch hätte fahren und die Leistung bringen können.

Wie eng verfolgen Sie den alpinen Skizirkus noch?
Nicht extrem eng. Aber ich habe mit gewissen Athleten zu tun und sehe da doch einiges. In Adelboden war ich vor Ort und habe mich mit Serviceleuten, Trainern und Athleten unterhalten. Da habe ich gemerkt, dass ich als ehemaliger Athlet noch genau weiss, wie es im Skizirkus läuft.

Albrecht 2013 bei seinem Rücktritt.
Albrecht 2013 bei seinem Rücktritt.
Bild: KEYSTONE

Müssen Sie manchmal schmunzeln, wenn Sie am TV Ihren ehemaligen Teamkollegen Marc Berthod als Experten hören?
Ich schaue die Rennen selten direkt. Vielleicht manchmal zeitversetzt, dann aber nur punktuell einige Fahrer. Ich höre «Bört» also nicht so viel, aber er macht das gut. Wir zwei haben nicht mehr allzu viel Kontakt. Aber wenn wir uns wie zuletzt in Adelboden sehen, dann ist es fast wieder wie damals. Für Are habe ich mir vorgenommen, sicher die Kombination und den Riesenslalom zu schauen.

Wem trauen Sie aus Schweizer Sicht am meisten zu?
Im Speed darf sicher mit Beat Feuz gerechnet werden. Übrigens: Bei Beat hat man früh gesehen, dass die nötigen Fähigkeiten alle vorhanden sind. Leider ist er verletzungsanfällig, weshalb er einen harten Weg zu gehen hatte. Erstaunlich, was er mit seiner Verletzungsgeschichte alles erreicht hat.

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