«Ich will die Mjällby-Mentalität zum FC Basel bringen» – Ludwig Malachowski im Porträt
Den 3:0-Sieg von Mjällby gegen die Lincoln Red Imps in der Champions-League-Qualifikation und auch das 1:2 im Hinspiel der nächsten Runde gegen Slovan Bratislava diese Woche sah Ludwig Malachowski Thorell am Fernseher. Während seine alten Kollegen vom schwedischen Sensationsmeister die erste Hürde auf dem Weg in die Königsklasse meisterten, steht der zentrale Mittelfeldspieler seit drei Wochen beim FC Basel unter Vertrag. Im Gespräch mit der bz erklärt der 21-Jährige, warum der Transfer für ihn dennoch ein Schritt nach vorne ist.
«Ich schätze das Niveau in der Schweiz etwas höher ein, freue mich, vor deutlich mehr Fans zu spielen, und sehe den FC Basel mit seinem Konzept und seiner Geschichte als idealen Karriereschritt», sagt Malachowski. «Ich will mich hier gut entwickeln und kann mir durchaus auch vorstellen, meinen Vierjahresvertrag zu erfüllen. Doch wenn ich mich schneller entwickeln sollte und es für beide Seiten stimmen würde, ist auch ein Transfer in eine Top-Liga möglich.»
Vor allem das Gespräch mit dem technischen Leiter Andreas Herrmann und Chefscout Marko Filipovic Ende Mai überzeugte den polnisch-schwedischen Doppelbürger. «Die Jungs machten einen sehr kompetenten Eindruck. Sie sagten mir, dass der FCB genau mein Profil sucht, und boten mir eine spannende Herausforderung.»
Malachowski bat persönlich um die Freigabe
Weil Malachowski nach dem Gespräch mit den Basler Verantwortlichen unbedingt in die Schweiz wechseln wollte, legte er auch ein gutes Wort bei Mjällby-Sportdirektor Hans Larsson – «ein sehr strenger Verhandler» – ein. Dieser beharrte zunächst auf seiner Ablöseforderung. Am Ende sollen sich die beiden Klubs dem Vernehmen nach bei rund 2,5 Millionen Euro gefunden haben. «Eigentlich bin ich nicht der Typ, der solche Gespräche sucht. Aber weil ich unbedingt nach Basel wollte, machte ich eine Ausnahme», sagt Malachowski und grinst.
Noch vor drei Jahren war er seinem Jugendklub Brommapojkarna nicht mehr gut genug. Mit Eskilstuna stieg er anschliessend aus der schwedischen zweiten Liga ab, ehe er über Sandvikens (ebenfalls 2. Liga) im Januar 2025 nach Mjällby (1. Liga) kam und jetzt erstmals bei einem Klub im Ausland unter Vertrag steht. «Ich machte mir immer wieder Gedanken, ob ich das Zeug für eine Profikarriere habe», gibt Malachowski zu. Doch die Erfahrungen und die Enttäuschungen zu Beginn seiner Aktivkarriere liessen ihn auch als Mensch reifen, wie er erklärt.
Am liebsten spielt er als Achter
Herrmann kündigte den Neuen als «spielstarken und intelligenten Zentrumsspieler an, der gerne Verantwortung übernimmt und als kreativer Verbindungsspieler den Rhythmus des Spiels diktieren kann». Malachowski hat in seiner Karriere auf der 10, der 8 oder der 6 gespielt. Als Achter kämen seine Stärken aber am besten zum Tragen, so der Schwede.
Auch Stephan Lichtsteiner setzte gegen Servette und Lausanne direkt auf den Neuen, der den Namen seiner polnischen Mutter auf dem Trikot trägt. Beim Debüt gab Malachowski dem Basler Spiel mit 43 Ballkontakten und einer Passquote von 94 Prozent Sicherheit. Gegen Lausanne leistete er sich dann deutlich mehr Fehler (72 Prozent Passquote) und musste zur Pause raus.
Sein Trainer Stephan Lichtsteiner sagt: «Ich habe ihn nicht wegen der Leistung ausgewechselt, sondern weil ich im Zentrum mehr Physis wollte. Mala hat eine starke Persönlichkeit, will immer den Ball und macht auch defensiv die Wege, die er auf seiner Position machen muss. Er macht seine Sache sehr gut, braucht aber auch noch Zeit, um noch besser zu verstehen, wie wir genau spielen wollen und wie die Schweizer Liga funktioniert, die sehr physisch ist.»
Auch Malachowski ist mit seinem Auftakt in Basel sehr zufrieden. Im Training fordert er bereits viele Bälle und wirkt nicht wie ein typischer Neuzugang, der seine Rolle in den ersten Wochen noch sucht. Weil er fast zeitgleich mit Akpe Victory verpflichtet wurde, haben die beiden auch abseits des Platzes diverse Dinge zusammen erlebt und sich angefreundet.
Erstmals wohnt er gemeinsam mit der Freundin
Die Familie und seine drei Geschwister hat Malachowski bereits im Rahmen seines Transfers nach Mjällby durch den fälligen Umzug verlassen. Jetzt wagte er erstmals den Weg ins Ausland. Doch seine Freundin Lydia wird nachreisen, sobald eine Wohnung gefunden ist. «Wir werden zum ersten Mal zusammenleben, darauf freue ich mich», sagt Malachowski und lacht. Dann wird man die beiden wohl ab und an auch durch die Region spazieren sehen. Denn Malachowski zählt «Familie, Ausflüge in die Natur, Gitarre spielen, Lesen, Gamen und Filme» zu seinen Hobbys.
Der vierfache schwedische U21-Internationale spielte gemeinsam mit Jeremy Agbonifo, der auch die gleiche Berateragentur hat, für sein Land und kennt auch FCB-Legende Behrang Safari als TV-Experten aus der Heimat. «Er ist ein lustiger Kerl», sagt Malachowski, doch Informationen über den neuen Klub holte er sich nach der Anfrage eher über das Internet. «Ich sah ein paar Videos vom Training und aus dem Stadion und dachte: Wow, das sieht schön aus.»
Er soll dem FC Basel die Mjällby-Mentalität einimpfen
Malachowski bringt eine prägende Erfahrung mit, welche dem FCB helfen soll. Er gehörte zum Team aus dem 1500-Seelen-Dorf Mjällby, das 2025 sensationell Meister und Cupsieger wurde. Malachowski erklärt: «Der Erfolg basierte auf unterschiedlichen Faktoren. Aber das Wichtigste im Mannschaftssport ist die Gruppendynamik. Wir waren eine Einheit, gute Freunde, die füreinander alles gegeben hätten.»
Diese Mentalität soll der Schwede jetzt auch nach Basel bringen. «Ich bin einer, der immer das Team vor die eigenen Interessen stellen wird, so war ich schon, bevor ich in Mjällby die Kraft eines guten Teams erleben durfte.» Dass dem FC Thun in der Super League in der Vorsaison ähnlich Sensationelles gelungen ist, hat Malachowski realisiert. «Was sie geschafft haben, ist vergleichbar mit Mjällby», sagt er. «Jetzt will ich diese Mjällby-Mentalität zum FC Basel bringen.»
Sollte mit Malachowski auch der Erfolg zurückkehren, muss er in einem Jahr vielleicht nicht mehr vor dem TV die Europacup-Qualifikationsspiele verfolgen. Dann könnte er mit einem Jahr Verspätung selbst Teil davon sein. (bzbasel.ch)
