Lichtsteiners Erinnerungen an Argentinien: «Messi verteidigst du nicht allein»
Er stand vor zwölf Jahren bei der Achtelfinal-Niederlage gegen Argentinien auf dem Feld. Und war in die Entscheidung involviert. Nach einem Fehlpass von Stephan Lichtsteiner enteilte Lionel Messi der Schweizer Abwehr, bediente Angel di María – und: 1:0 für Argentinien, Aus für die Schweiz.
Der 42-jährige Lichtsteiner, heute Trainer im FC Basel, erinnert sich an dieses Spiel vor zwölf Jahren: «Wir waren sehr nahe dran und haben über 120 Minuten fast einen perfekten Match gemacht.» Im Gespräch mit dieser Zeitung blickt der Luzerner aber auch nach vorne und sagt, weshalb wir gerade die beste Schweizer Nati erleben.
Was spricht dieses Mal für die Schweiz im Duell mit Titelverteidiger Argentinien?
Stephan Lichtsteiner: Ich glaube, die Schweiz hat eine gewisse Reife und auch Selbstvertrauen. Diese Spieler haben es an der EM in die Viertelfinals geschafft, jetzt auch an der WM. Und schlussendlich haben sie nichts zu verlieren.
Was zeichnet das Team ganz allgemein aus?
Sie können beissen. Gegen Kolumbien war es über 120 Minuten ein schwieriges Spiel. Und es fehlten ein oder zwei Schlüsselspieler, die nicht von Beginn an oder gar nicht spielen konnten. Trotzdem konnten die Schweizer das wettmachen und haben als Team gelitten. Das zeigt die Konstanz dieser Mannschaft, die über Jahre hinweg immer und immer wieder an Turniere kommt, in den Achtelfinal einzieht und jetzt sogar in den Viertelfinal. Das zeigt die Reife und die Qualität, welche die Schweiz mittlerweile hat.
Ist es deshalb die beste Nati der Geschichte?
Ich glaube schon, ja. Es gab in der Vergangenheit einige Situationen, in denen man es auch hätte schaffen können, dann aber das Penaltyschiessen verlor. Jetzt hat die Schweiz die Erfahrung, das Spielglück auch ein bisschen zu erzwingen.
Für den nächsten Schritt muss die grösstmögliche Hürde übersprungen werden: Lionel Messi. Sie haben drei Mal gegen ihn gespielt. Wie verteidigt man gegen diesen Ausnahmekönner?
Er spielte stets auf der anderen Seite als ich. (lacht) Schlussendlich verteidigst du ihn als Team. Du darfst ihm nicht viel Raum geben, keinen Meter, musst immer nahe dran sein. Aber: Argentinien ist nicht nur Messi. Sie haben viele gute Einzelspieler. Die Schweiz aber ist reif, hat einen Flow, deshalb ist alles möglich.
Werden Sie sich das Spiel mitten in der Nacht anschauen?
Bis jetzt stand ich nicht um 2.00 Uhr oder 3.00 Uhr morgens auf, um Spiele zu verfolgen. Ein bisschen Erholungszeit für meine tägliche Arbeit brauche ich schon auch noch.
Machen Sie eine Ausnahme für das Argentinien-Spiel?
Eventuell schon. Voraussichtlich haben wir am Montag frei, dann kann ich vielleicht aufstehen.
Wie dürfen wir Sie als Fan vor dem TV vorstellen?
Anders als als Spieler oder als Trainer, weil ich weniger Einfluss habe. Aber sicher leidenschaftlich und anfeuernd. Jubelnd, wenn wir ein Tor schiessen und mit Freude, wenn der Gegner eine Grosschance vergibt. In der Summe einfach unterstützend für alle Kollegen, mit denen ich zusammengespielt oder im Staff zusammengearbeitet habe.
Haben Sie noch Kontakt zur aktuellen Nati? Schicken Sie gar eine Motivationsrede in die USA?
Das brauchen sie zum Glück nicht. Die Jungs wissen, was sie machen. Sie brauchen meine Worte nicht. Ich bin extrem glücklich für Spieler, die schon lange dabei sind, wie Granit Xhaka, Manuel Akanji, Breel Embolo oder Remo Freuler. Nach den Rückschlägen in den Achtelfinals, in denen immer alles am seidenen Faden hing, zahlt sich ihre harte Arbeit nun aus. (schweizheute.ch)

