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Thuns Praesident Markus Luethi vor dem Super League Spiel zwischen dem FC Thun und dem FC Luzern am Samstag, 22. Ferbruar 2020 in der Stockhorn Arena in Thun. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Thun-Präsident Markus Lüthi ist mit seinen Aussagen vorsichtiger geworden. Bild: KEYSTONE

Interview

Thun-Präsi Lüthi: «Der Fussball hat nahe an der Klippe gearbeitet, das holt uns nun ein»

Markus Lüthi plädierte als erklärter Gegner von Geisterspielen für den Saisonabbruch. Im Interview erklärt der Präsident des FC Thun, weshalb er seine Meinung jetzt doch ändern könnte.

markus brütsch / ch media



Herr Lüthi, warum will der FC Thun die Saison abbrechen?
Markus Lüthi:
Diese ultimative Meinung hatte ich tatsächlich einmal. Allerdings habe ich inzwischen den Komplexitätsgrad der beiden Varianten «Abbruch» und «Geisterspiele» erkannt und bin vorsichtiger geworden mit meinen Aussagen. Ich möchte zuerst noch diese Woche abwarten.

«Weil wir neben den Saisonkartenbesitzern pro Spiel nur etwa 2000 Tickets verkaufen, läuft es im Durchschnitt auf ein Nullsummenspiel hinaus.»

Was soll da passieren?
Wir haben an einer Videokonferenz am Donnerstag festgestellt, dass wir eine Woche Zeit brauchen, um all die Daten aufzubereiten, die uns ein qualifiziertes Bild verschaffen. Man darf nicht entscheiden, so lange nicht alle Fakten auf dem Tisch sind. Was kosten Geisterspiele? Wie sieht es mit der Kurzarbeit aus? Wie kann man die Situation auffangen? Die Antworten darauf werden dann die Grundlage für eine schriftliche Abstimmung sein wird.

Thuns Ridge Munsy, rechts, und Luzerns Lucas Alves in Aktion, im Super League Spiel zwischen dem FC Thun und dem FC Luzern am Samstag, 22. Ferbruar 2020 in der Stockhorn Arena in Thun. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Dem FC Thun ist das Stadion selten gefüllt. Bild: KEYSTONE

Gemäss Basel Präsident Burgener kostet ein Geisterspiel den FCB 300'000 Franken, beim FC Luzern spricht man von 250'000 Franken und FCZ-Präsident Ancillo Canepa hat ausgerechnet, dass dies die ganze Liga 20 Millionen kosten würde. Wie sieht es beim FC Thun aus?
Weil wir neben den Saisonkartenbesitzern pro Spiel nur etwa 2000 Tickets verkaufen, läuft es im Durchschnitt auf ein Nullsummenspiel hinaus.

Dann wären Geisterspiele für den FC Thun ja kein Problem.
Das Ganze ist viel komplexer. In Coronazeiten kommt es natürlich auf die Schutz- und Sicherheitsmassnahmen an, die letztendlich erfüllt werden müssen. Der wichtige Aspekt Kurzarbeit, welcher grossmehrheitlich erhalten bleiben müsste bis Zuschauer im Stadion sind. Und was mit den Sponsoren geschieht, die abgesehen vom Fernsehen zuvor auch noch eine gewisse Visualität hatten. Der Fussball hat, in der Schweiz wie im Ausland , nahe an der Klippe gearbeitet, weil alles so viel teurer geworden ist. Das holt uns in diesen Coronazeiten nun umso fataler ein.

Die Liga will gemäss Canepa mit einem Finanzpartner einen Stabilisierungsfonds im tiefen dreistelligen Millionenbereich auf die Beine stellen. Der Bund müsste dafür bürgen. Wäre das die Lösung?
Es braucht eine Bank, die das macht und den Bund, der dafür bürgt. Das wird kaum zeitgerecht vor unserem Entscheid auf dem Tisch liegen. Aber klar, die Absicht ist gut, man muss etwas tun. Doch es wird kein Fonds à perdu sein. Man muss das Geld zurückzahlen.

Was ist mit den 50 Millionen Franken, die der Bund für den Profisport zur Verfügung stellt?
Das tönt gut, ist in der Praxis aber ein Nonvaleur. Nicht praktikabel, weil man sich erst eine Sekunde vor dem Konkurs melden kann.

Sehen Sie eine Chance, dass Kurzarbeit auch in Kombination mit Geisterspielen weiterhin möglich ist?
Wie wirkt das, wenn ein Betrieb wieder öffnet und dennoch Kurzarbeit beansprucht? Das ist nicht unproblematisch. Beizer, die ihr Lokal nur zur Hälfte füllen können, werden wohl ohne Kurzarbeitsgeld auskommen müssen, etc.

Fürchten Sie bei einem Abbruch keine Klagen? Vom Fernsehen, von Lausanne-Sport
Wir suchen einen guten Entscheid, der nicht allen gefallen wird. Es wird Sieger und Verlierer geben. Aber es macht jetzt keinen Sinn, solche Szenarien zu skizzieren.

Ein Argument gegen einen Abbruch ist, dass die Transfermarktwerte ins Bodenlose sinken.
Vielleicht ist es ja gut, wenn die Transferexzesse geringer werden. Bei Klubs wie Thun sind die Preise aber immer normal geblieben. Meine Prognose: Im obersten Segment wird sich nichts ändern, weil andere Geldquellen vorhanden sind. In der Mitte werden die Transfersummen stark einbrechen, unten wieder weniger.​

Thuns Basil Stillhart, links, und Trainer Marc Schneider feiern ihren Sieg im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen Neuchatel Xamax FCS und dem FC Thun, am Samstag, 9. November 2019, im Stade de Maladiere in Neuenburg. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Basil Stillhart ist einer von 3 Spielern beim FC Thun mit einem Marktwert über einer Million. Bild: KEYSTONE

Unter welchen Voraussetzungen würde der FC Thun für die Fortsetzung der Saison stimmen?
Wenn das Resultat der Gegenüberstellung zwischen den Varianten «Geisterspiele» und «Saisonabbruch» dafür spricht.

Fürchten Sie einen Grabenkrieg zwischen «Abbrechern» und «Geisterspielern»?
Wir sind uns im Sport gewohnt, dass auf dem Platz beide gewinnen wollen. Deshalb wird es keine Brüche geben.

Kommt es zum Abbruch, ist der Saisonstart 20/21 im September und mit Zuschauern das Ziel.
Dann hätten wir fast ein halbes Jahr pausiert. Ich weiss auch nicht, wie das herauskommen wird.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Eidi 02.05.2020 19:40
    Highlight Highlight Wenn die Liga mit Geisterspielen gestartet wird, werden diese ja übertragen. Vermutlich mit Rekordquoten. Wie wärs wenn die Tv Stationen die Clubs daran teilhaben lässt?
  • Super8 02.05.2020 13:02
    Highlight Highlight Wie wäre es wenn die Klubs auch mal kreativ werden. Es gibt genügend Beispiele im Ausland. Ich denke viele Fans würden einen guten Batzen zahlen damit es weitergeht und sie wenigstens Geisterspiele am TV schauen können. Einfach nur zu beaupten, wie teuer Geisterspeile sind ohne sich wenigstens etwas Mühe zu geben in dieser Situation finde ich kläglich.
    • Norman Sutter 02.05.2020 13:38
      Highlight Highlight Glücklicherweise verdienen die schweizer Vereine das Geld mit dem Stadionbesucher, dies ist auch gut so. Im Gegensatz zum Ausland ist man nicht von irgendwelchen Pay TV Sendern abhängig die dann Spielplan usw. diktieren nur um möglichst viele Spiele übertragen zu können. Und nein, entweder will ich das Spiel im Stadion sehen oder warte halt noch bis dies wieder möglich ist. Meisterschaftsspiele mit Testspielcharakter im TV will nun wirklich niemand.
  • Super8 02.05.2020 12:57
    Highlight Highlight Einer der wenigen Weisen und Vernünftigen unter den Schreihälsen wie Canepa, Burgener und Co. Sehr symphatisch.
  • Ärdbeergonfi 02.05.2020 12:28
    Highlight Highlight Ein Saisonabbruch sichert dem letztplatzierten FC Thun natürlich auch noch den Ligaerhalt so nebenbei...
    • Super8 02.05.2020 12:58
      Highlight Highlight Er hinterfragt ja seine ursprünglich Meinung zum Saisonabbruch. Dein Kommentar läuft also voll ins Leere.
    • ben_fliggo 02.05.2020 14:33
      Highlight Highlight Ich glaube, wenn sie das Überleben sichern können, machen sie das auch sehr gerne in der Challenge League.
  • P. Meier 02.05.2020 12:06
    Highlight Highlight Die Aussage "Der Fussball hat, in der Schweiz wie im Ausland , nahe an der Klippe gearbeitet, weil alles so viel teurer geworden ist. " trifft wohl bei den meisten Clubs auf die Löhne ihrer gut sichtbaren Angestellten zu. Ich bin auch für eine Unterstützung der Profi-Vereine. Im Gegenzug übernehmen sie zukünftig die gesamten Sicherheitskosten. Das wird dann für den Steuerzahler längerfristig günstiger.
    • NumeIch 02.05.2020 12:39
      Highlight Highlight So hoffe sie sind jetzt glücklich. Nachdem sie sich mal wieder so richtig austoben konnten. #Facepalm
    • P. Meier 02.05.2020 13:52
      Highlight Highlight @Numelch; ich weiss, dass dies Fussballfans nicht gerne hören. Leider habe ich das Vergnügen auf freie Wochenenden zu verzichten, wenn wieder mal "Fans" ihre Mannschaft so "vorbildlich" unterstützten.
    • niklausb 02.05.2020 18:16
      Highlight Highlight @P. Meier
      Werfen sie doch bitte nicht alle in den selben Top. Ich bin Fussballfan habe seit Jahren eine Saisonkarte und gehe z. T. auch an Auswärtsspiele. Aber ich habe noch nicht einmal deshalb ein Gesetz übertreten oder etwas verbrochen. Dieses Verallgemeinern ist echt daneben. Der kleinste Teil der Fans ist gewaltbereit.
    Weitere Antworten anzeigen
  • RioFoster 02.05.2020 12:04
    Highlight Highlight Der FC Thun hat von Anfang an die Aufstockung auf 12 Mannschaften verhindert, aus reinem Egoismus. Gehen sie bankrott, schlägt das Karma eiskalt zu. Mitleid habe ich nicht.
    • NumeIch 02.05.2020 12:41
      Highlight Highlight Eine Aufstockung der Liga ist Quatsch. Gut war Thun mit der Mehrheit.
    • ferdi nand 02.05.2020 14:26
      Highlight Highlight Nicht Thun ist Schuld, dass es keine Aufstocken geben wird, sondern der Fakt, dass es keinen geeigneten Modus für 12 Mannschaften gibt und es ein Eigengoal für die ganze Liga gewesen wäre die Liga in dieser Form aufzustocken. Es wäre egoistisch gewesen von den Challenge League Aufstiegsaspiranten und den grösseren Clubs der SL, wenn man aufgestockt hätte.
  • w'ever 02.05.2020 11:04
    Highlight Highlight kann mir jemand erklären, wieso ein geisterspiel bis zu 300'000.- kosten kann?
    • rburri68 02.05.2020 11:20
      Highlight Highlight Spielergehälter denke ich. Aktuell dürfen sie eben Kurzarbeit beantragen, wenn sie wieder Spielen, muss man ihr normales Gehalt zahlen. Ist aber nur meine Vermutung. Auf der anderen Seite bekommt man das letzte Viertel der Fernsehgelder nur, wenn man Spielt. Die ganzen zahlen sind noch sehr undurchsichtig.
    • niklausb 02.05.2020 11:45
      Highlight Highlight Hygiene Auflagen, Sicherheit, Gehälter, Infrastruktur im Allgemeinen. Die meissten Vereine sind Mieter in ihren Stadien und zahlen daher für jeden Gebrauch Miete. Die Spiele müssen wohl in den Stadien stattfinden damit es von der Beleuchtung her für s TV reicht. Da kommt schon was zusammen. Und für jedes Spiel das ein Jahreskartenbesitzer nicht ins Stadion kann hat der dann anspruch auf Rückerstattung oder Vergütung irgend einer Art.
    • Psychonaut1934 02.05.2020 12:32
      Highlight Highlight Die Löhne und Stadionmiete fallen trotzdem an. Spieler können sich auch an einem Geisterspiel verletzen, Sanität mit mindestens einem Krankenwagen wird auch da Vorort sein. Sicherheitskräfte werden ebenfalls aufgeboten.

      Ich erlebte ein Geisterspiel live. Der Personelle Aufwand ist in etwa gleich. Ausser das es etwas weniger Sicherheitskräfte hatte und das Personal vom Catering fehlte.
    Weitere Antworten anzeigen
  • N. Y. P. 02.05.2020 10:58
    Highlight Highlight ..nahe an der Klippe gearbeitet, weil alles so viel teurer geworden ist.

    Klippe gleich Spielerlöhne.

    Chelsea zum Beispiel. Ich weiss, schlechter Vergleich zu unserer Liga. Da verdienen die Spieler im Schnitt so um die 8 Millionen Euro. Der Klub wird zugemüllt von dem unrechtmässig erworbenen Geld von Roman Abramowitsch. Kann man als Fan stolz sein, auf solche Titel ?

    Der FC Thun muss wegen Corona jeden Rappen umdrehen, beim FC Chelsea wird trotz Corona weiterhin volle Kanne Geld geschüttet.

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