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Claudius Schaefer, CEO SFL, spricht anlaesslich einer Medienkonferenz der KKJPD und der Swiss Football League (SFL) ueber

CEO der Super League, Claudius Schäfer, will Kurzarbeit – auch wenn wieder gespielt wird. Bild: KEYSTONE

Kommentar

Ein «unmoralisches Gesuch» – die dreiste Krisen-Idee der Super League

Darauf muss man zuerst kommen: Unsere Fussball-Liga (Super League) hat beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) das Gesuch eingereicht, die Spielerlöhne auch dann über die Arbeitslosenkasse zu finanzieren, wenn ohne Zuschauer wieder gespielt werden kann.



Die Idee kommt offensichtlich aus der Küche von Liga-General Claudius Schäfer. Jedenfalls ist das Schreiben, das gemäss «Le Matin» an die Klubs gegangen ist, von ihm signiert. Der Text liegt watson in der welschen Version vor.

Die entscheidende Passage lautet:

«Naturellement, des questions sur le chômage partiel se poseront si l’entraînement’ est reprise. Aujourd’hui nous avons déposé une demande auprès du SECO pour que le chômage partiel se poursuive comme aujourd’hui même si les opérations d’entraînement’ et de matchs reprennent.»

«Natürlich werden Fragen zur Kurzarbeit gestellt, wenn das Training wieder beginnen kann. Heute haben wir beim SECO einen Antrag auf Fortsetzung der Kurzarbeitsregelung gestellt, wenn der Trainings- und Spielbetrieb wieder aufgenommen wird.»

Zum Schluss heisst es: «Dès que nous aurons plus de nouvelles, nous vous contacterons. Meilleurs vœux et bon week-end – Claudius.

Das nennt man Chuzpe im besten Wortsinn. Unsere höchste Fussball-Liga möchte also vom SECO, dass ihre Stars auch dann über die Regelung der Kurzarbeit entlöhnt werden, wenn sie voll trainieren und der Spielbetrieb wieder aufgenommen worden ist. Wenn die Spieler also wieder zu 100 Prozent arbeiten. Wenigstens wird über die Kurzarbeitsregelung nicht der ganze Lohn vergütet. Sondern «nur» 80 Prozent eines Jahressalärs von maximal 148'000 Franken. Aber ein schöner Zustupf an die Lohnkosten wäre das schon.

Die Nordtribuene im Fussball Stadion Tourbillon, Heimstadion des Super League Vereins FC Sion, am Samstag, 25. April 2020 in Sitten VS. Im Hintergrund das Schloss Valere. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Gibt es Kurzarbeit für Fussballprofis, wenn ohne Zuschauer wieder gespielt wird? Bild: KEYSTONE

Die Idee mit der Kurzarbeit bei 100 Prozent Arbeit ist auch deshalb bemerkenswert, weil unser Vater Staat den durch die Virus-Krise leidenden Firmen (also auch den Profiklubs) bereits Sofort-Notkredite organisiert und das Bundesamt für Sport (BASPO) darüber hinaus 50 Millionen bereitgestellt hat, um den notleidenden Firmen der Sport-Unterhaltungsindustrie (primär im Fussball und Hockey) über die Runden zu helfen.

Hier können wir ohne jeden Hang zur Polemik anmerken: Löhne über die Kurzarbeitsregelung abzurechnen, obwohl die Angestellten zu 100 Prozent arbeiten – äh, spielen – ist nicht nur gegen den gesunden Rechtsverstand. Die Bewilligung einer solchen Lösung wäre mit ziemlicher Sicherheit sogar rechtswidrig. Der Versuch, die «Staatskasse» über Notkredite und die Arbeitslosenregelung bei Vollbeschäftigung zu melken, darf wohl straffrei sogar als «dreist» bezeichnet werden.

Oder noch bösartiger (wofür ich mich sogleich entschuldige): Dieses Gesuch zeigt uns, wie sehr gewisse Profisportkreise die Bodenhaftung verloren haben und eine abgehobene Kaste geworden sind.

Es ist nicht anzunehmen, dass das SECO dieses «unmoralische Gesuch» bewilligen wird. Die Präjudiz wäre spektakulär: Jedem anderen Unternehmen müsste ja dann auch gestattet werden, seine Arbeitnehmer zu hundert Prozent zu beschäftigen und das Salär trotzdem über die Kurzarbeitsregelung geltend zu machen.

Diese tolle Idee aus den Kreisen der Super Liga unseres Fussballs ist inzwischen auch einigen Hockeyclubs zugetragen worden. Da und dort ist gar die Frage aufgekommen, ob man denn nicht auch fürs Hockey ein solches Gesuch einreichen sollte. Die Ligaführung lehnt ein solches Vorgehen jedoch strikte ab.

ARCHIVBILD ZUM ABBRUCH DER SAISON DER NATIONAL LEAGUE, AM DONNERSTAG, 12. MAERZ 2020 - Les joueurs fribourgeois et genevois s'affrontent dans une patinoire vide suite aux mesures prises par le Conseil Federal en raison du coronavirus, lors de la rencontre du championnat suisse de hockey sur glace de National League entre le HC Fribourg-Gotteron et le Geneve Servette HC, ce samedi, 29 fevrier 2020, a la BCF Arena de Fribourg. (KEYSTONE/Adrien Perritaz)

Im Schweizer Eishockey wird ein ähnliches Vorgehen abgelehnt. Bild: KEYSTONE

Es gibt also schon noch Anstand in unserem Profi-Sportbetrieb. Womit ich nicht behaupte, die Fussball-Klubgeneräle seien unanständig. Wenn schon der Herr einst bereit war, Sodom und Gomorrha zu verschonen, wenn er zehn Gerechte finden würde, so wollen auch wir gnädig sein und davon ausgehen, dass es mindestens zehn gerechte Fussball-Funktionäre gibt, die das Vorgehen ihrer Liga-Führung in dieser Sache nicht vollumfänglich gutheissen.

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