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Ob sie auch in Doha jubeln darf? Mujinga Kambundji nach dem tollen 5. Platz im 200m-Sprint im Zürcher Letzigrund.
Ob sie auch in Doha jubeln darf? Mujinga Kambundji nach dem tollen 5. Platz im 200m-Sprint im Zürcher Letzigrund.Bild: KEYSTONE

Mujinga Kambundji: vom Sorgenkind zur Hoffnungsträgerin

Die Hoffnungen auf Schweizer Top-Klassierungen an den Weltmeisterschaften in Doha ruhen primär auf Mujinga Kambundji. Die Bernerin mutiert diesen Sommer vom Sorgenkind zum Aushängeschild.
28.09.2019, 09:43

Mujinga Kambundji startet am Samstagabend zu den Vorläufen über 100 m, ein Vorstoss in die Halbfinals ist Pflicht. In der nach Saisonbestleistungen sortierten Meldeliste rangiert die Bernerin mit ihren 11.00 Sekunden auf Platz 7 - im 200-m-Lauf ist es sogar der 6. Rang aller Teilnehmerinnen und auch die 4x100-m-Staffel der Schweizer Frauen weist die sechstbeste Zeit vor.

Kambundji fühlt sich in Top-Form, der Vorlauf soll ihr diese Annahme bestätigen. Sie habe in der Türkei nochmals gut trainiert, an zahlreichen Details gearbeitet. Die Wochen in Belek hätten ihr geholfen, trotz der Wettkampfpause im Rhythmus zu bleiben. In der kalten Schweiz wäre dies schwieriger gewesen. «Jetzt fühle ich mich auf gleichem oder sogar leicht besseren Level als bei meinem Schweizer Rekord», betonte die Sprinterin.

Der Knoten löste sich bei Kambundji erst vor einem Monat an den Schweizer Meisterschaften in Basel. 11.00 bei Windstille und 22.26 Sekunden mit etwas Schub von hinten katapultierten die 27-Jährige in die Weltspitze. Wenige Tage später lief die Schweizerin bei Weltklasse Zürich in einem hochkarätig besetzten 200-m-Rennen in den 5. Rang. Auf den monatelangen Frust folgte der Befreiungsschlag. Die Zahlen 11.54, 11.42, 11.27 und 11.53, die noch zu Saisonbeginn auf der Anzeigetafel aufgeleuchtet hatten, wurden belanglos. Kambundji war wieder da, wo sie hingehört.

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Die Bernerin mit Trainingsbasis in London verlor trotz des schwachen Saisoneinstiegs die Nerven nie. «Wäre diese Situation vor drei Jahren aufgetreten, hätte ich ganz anders reagiert», sagte sie. Ihr Selbstvertrauen liess sie nicht in den Frust verfallen. Sie wusste, dass all die Puzzleteile für starke Zeiten vorhanden waren, aber eben im Moment noch nicht zusammen passten. Insbesondere die zweite Rennhälfte, wenn die Höchstgeschwindigkeit erreicht wird, funktionierte nicht. Im August kam Kambundji dann doch noch ins Fliegen.

Der Grund für die Baisse liegt wohl auch im Saisonaufbau. Im Gegensatz zum Winter 2018, als sie an der Hallen-Weltmeisterschaften Bronze gewann und danach ohne grosse Pause in die Sommersaison überging, tauchte sie dieses Jahr in der Zwischenphase viel tiefer ab. Eine ausgedehnte Ruhephase und die Trainingsarbeit im Basisbereich zogen einen Einstieg auf klar tieferem Niveau nach sich. Der späte Saisonhöhepunkt erforderte eine Umstellung, Kambundji und ihr Umfeld scheinen das richtige Rezept gefunden zu haben.

Gefragt: Mujinga Kambundji bei einem Medientermin am Donnerstag.
Gefragt: Mujinga Kambundji bei einem Medientermin am Donnerstag.Bild: KEYSTONE

Die Weltbesten legen an den Titelkämpfen oft noch einen Zacken zu. Die Schweizerin erwartet für Doha 2019 allerdings keine Leistungsexplosion mehr. «Es ist jetzt wirklich das Ende der Saison. In anderen Jahren wären wir nun in den Ferien», meinte sie. Will heissen: Ruft Kambundji ihre Saisonbestleistungen ab, steht sie über 100 und 200 m sowie mit der Staffel im Final. Und nach einem harzigen Start könnte bilanziert werden: Ende gut, alles gut. (bal/sda)

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