Vom Fast-Rücktritt zum 2. WM-Final in Folge – Lionel Messis unfassbare Kür
Wir drehen die Zeit zehn Jahre zurück ins Jahr 2016. Schauplatz: MetLife Stadium. Argentinien hat in den USA gerade den Final der Copa América im Penaltyschiessen gegen Chile verloren. Lionel Messi war mitschuldig. Über 120 Minuten brachte er keine Tore zustande und im Penaltyschiessen verschoss er seinen Versuch.
Es war Messis vierte Finalniederlage mit Argentinien, die dritte in Serie. Der Zauberfloh unterlag 2007 (gegen Brasilien), 2015 (ebenfalls gegen Chile) und eben 2016 im Final der Copa América, und 2014 verlor er den WM-Final gegen Deutschland. Also stand Messi in den Katakomben des Stadions im Bundesstaat New Jersey und hatte genug. «Das ist es gewesen für mich in der Nationalmannschaft. Es will einfach nicht sein», sagte der Argentinier. Und die Fussballwelt fragte sich: Bleibt Lionel Messi, der auf Klubebene so erfolgreich ist, im Nationalteam tatsächlich unvollendet? Zumal Erzrivale Cristiano Ronaldo sich wenige Wochen später mit Portugal zum Europameister kürte.
Wir wissen nun längst, dass Messi seine Karriere auch noch in der Nationalmannschaft gekrönt hat. Vor vier Jahren in Katar führte er mit bereits 35 Jahren Argentinien zum ersten Weltmeistertitel in seiner Ära. Sieben Tore steuerte er dazu bei, traf im Final doppelt und auch im Elfmeterschiessen. Zusätzlich gewann er 2021 und 2024 auch noch die Copa América.
So geht mittlerweile fast schon vergessen, dass Messi für seine Auftritte in der Nationalmannschaft früher viel Kritik einstecken musste. «La Pulga» wurde – neben der chronischen Erfolglosigkeit – vorgeworfen, auf dem Platz zu egoistisch zu sein. Er wurde dafür gescholten, dass er die Nationalhymne nicht singt und er neben dem Platz keine Zeit mit seinen Teamkollegen verbringen möchte.
Aber eben: Messi ist längst König von Argentinien. Was nach dem Weltmeistertitel von vor vier Jahren noch folgt, ist eigentlich nur noch Kür. Aber die Kür ist bislang unfassbar. Während Cristiano Ronaldo (41-jährig) und Neymar (erst 34-jährig) für ihre Teams mittlerweile eher Belastung als Bereicherung sind, ist Messi weiterhin Leader und Vollstrecker. Auch wenn er nicht mehr besonders viele Kilometer abspult und sich im Spiel gegen den Ball komplett rausnimmt, läuft in der argentinischen Offensive alles über Messi.
Mit acht Toren und vier Assists führte der selbst schon 39-jährige Stürmer vor dem Finalwochenende die Skorerliste an. Für den Gewinn des Goldenen Schuhs, der Auszeichnung zum besten Torschützen des Turniers, braucht er nach dem Doppelpack von Kylian Mbappé im Spiel um Platz 3 aber zwei Tore im Final. Niemand kreiert mehr Chancen, niemand schiesst häufiger, niemand dribbelt erfolgreicher. Es ist offensichtlich: Messi ist der beste Einzelspieler dieser WM.
Wir drehen die Zeit um einige Stunden nach vorne. Schauplatz: Metlife Stadium. Lionel Messi hat gegen Spanien die Chance, sich in einen exklusiven Zirkel zu spielen. Nur gerade 21 Spieler der Fussballgeschichte dürfen sich zweifache Weltmeister nennen. Es wäre der perfekte Abschluss einer unfassbaren Kür, mit der so niemand rechnete – und das ausgerechnet am Schicksalsort, an dem der Argentinier vor zehn Jahren enttäuscht das Ende seiner Nationalmannschaftskarriere angekündigt hat.
