Alle Weltrekorde im Letzigrund
Zwei Weltrekorde in Zürich – und Werro kommt ihm immer näher
Werro knackt beinahe den Weltrekord
Audrey Werro nähert sich dem Uralt-Weltrekord über 800 m immer mehr an. Die Freiburgerin triumphierte in 1:53,70, womit sie ihren Landesrekord um einen Zehntel verbesserte. «Ich bin sehr stolz auf meine Leistung», sagte sie im SRF.
Werro, die in der Freiluftsaison 2026 nach wie vor unbezwungen ist, fehlen nach dem neuerlichen Rekordlauf nur noch 0,42 Sekunden auf die Fabelzeit der Tschechoslowakin Jarmila Kratochvilova aus dem Jahr 1983. Die 22-Jährige blieb zum dritten Mal in ihrer Karriere unter der 1:54er-Marke.
In Abwesenheit von Olympiasiegerin Keely Hodgkinson war Femke Broeders-Bol wie in der Vorwoche an der Athletissima in Lausanne Werros härteste Gegnerin im Kampf um den Sieg. Doch die Europameisterin wies die Niederländerin, die bis rund 600 m vor Werro lag, abermals in die Schranken. In 1:54,71 stellte Broeders-Bol ebenfalls eine nationale Bestmarke auf. «Ich habe diese Taktik von ihr erwartet, es war auch cool, so zu rennen und nicht wie sonst alles von vorne zu laufen», sagte Werro. Dritte wurde die 1500-m-Europameisterin Georgia Hunter Bell aus Grossbritannien.
Dos Santos mit Weltrekord über 400 m Hürden
Zwei Weltrekorde innerhalb von 40 Minuten: Alison dos Santos über 400 m Hürden und Masai Russell über 100 m Hürden sorgten bei Weltklasse Zürich für einen historischen Abend.
Den Anfang machte Dos Santos. 45,80 Sekunden zeigte die Uhr nach den 400 m Hürden. Der 26-jährige Brasilianer unterbot den bisherigen Weltrekord von Karsten Warholm um 14 Hundertstel.
Ausgerechnet Warholm war der erste Zuschauer seiner eigenen Entthronung: Der Norweger, der 2021 im legendären Olympia-Final in Tokio 45,94 Sekunden gelaufen war, befand sich im selben Rennen. Dos Santos war nicht zu halten, Warholm musste sich in 46,69 mit Platz 2 begnügen. «Er war brillant», sagte er über seinen Nachfolger als Weltrekordhalter.
Dos Santos selbst rang nach seinem Coup um Worte. «Die Zuschauer und die Stimmung waren perfekt. Ich glaube, dieser Abend war fantastisch für mich und für alle, die gekommen sind, um zuzuschauen. Ich habe es für alle getan», sagte er. «Das war ein unglaublicher Abend, mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, was gerade passiert ist.»
Dos Santos trägt die Spuren eines schweren Schicksalsschlags sichtbar im Gesicht. Als er zehn Monate alt war, erlitt er bei einem Unfall mit siedendem Öl schwere Verbrennungen. Der Sport half ihm später, eine Welt zu finden, in der er nicht wegen seines Aussehens anders behandelt wurde.
Es war der 26. Weltrekord in der Geschichte von Weltklasse Zürich – und der erste seit 17 Jahren. Zuletzt hatte 2009 die russische Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa im Letzigrund eine globale Bestmarke aufgestellt. Aber er sollte nicht der letzte bleiben.
Auch Russell läuft zu Weltrekord
Nur rund 40 Minuten später raste Masai Russell über 100 m Hürden in 12,09 Sekunden zum nächsten Weltrekord. Die Amerikanerin unterbot die Bestmarke der Nigerianerin Tobi Amusan aus dem Jahr 2022 um drei Hundertstel. Amusan war dabei und wurde in 12,23 Zweite – wie Warholm über 400 m Hürden.
«Ich habe Tobi aus dem Augenwinkel gesehen und wusste deshalb, dass es schnell sein würde. Es war ein verrücktes Rennen. Ich bin gerade einfach überglücklich», sagte Russell dem SRF-Reporter.
Während des Rennens habe sie sich im «Flow State» befunden. Einen entscheidenden Gedanken habe sie dennoch gehabt: «Als ich auf die Ziellinie zukam, dachte ich mir: ‹Dieses Mal läufst du wirklich bis über die Linie durch.›» Im bisherigen Saisonverlauf habe sie vor dem Ziel immer wieder etwas Tempo herausgenommen. «Also wollte ich diesmal durchziehen und schauen, was passiert. Dann habe ich 12,09 gesehen. Verrückt.»
Dass ein Weltrekord möglich war, hatte Russell schon länger im Hinterkopf. «Bei den Zeiten, die ich dieses Jahr gelaufen bin, dachte ich immer wieder: Der Weltrekord könnte jederzeit fallen.» Eine Vorahnung hatte ihr ausgerechnet der erste Weltrekord des Abends gegeben. «Als ich gesehen habe, wie Alison den Weltrekord gebrochen hat, dachte ich: ‹Oh, heute Abend wird etwas passieren.›»
Auch die Kulisse trug dazu bei. «Das war wahrscheinlich die beste Atmosphäre, die ich ausserhalb der Olympischen Spiele je erlebt habe. Es fühlte sich hier fast wie bei Olympia an.» Das Publikum sei unglaublich laut gewesen und habe sie schon vor dem Rennen aufgeputscht.
Duplantis und Karalis im Weltrekord-Duell
Tatsächlich lag an diesem Abend noch mehr in der Luft. Auch Stabhochspringer Armand Duplantis und Emmanouil Karalis griffen nach der globalen Bestmarke. Aus den zwei Weltrekorden hätten also – mit Werro – sogar vier werden können.
Der schärfste Konkurrent von Duplantis war einmal mehr der Grieche Karalis. Die beiden liefern sich derzeit bei jedem Meeting packende Duelle auf allerhöchstem Niveau. Karalis überquerte 6,20 Meter im ersten Versuch und feierte damit einen Landesrekord. Und er schaffte es zusammen mit Duplantis in die Geschichtsbücher, als zum ersten Mal überhaupt zwei Athleten im selben Wettkampf 6,20 Meter oder höher sprangen. Zum Abschluss des spektakulären Wettkampfs versuchten sich beide Athleten vergeblich an der Weltrekordhöhe von 6,32 Metern.
Olympiasiegerin Alfred läuft achtschnellste Zeit
Ein hochklassiges Duell an der Spitze hat das 100-Meter-Rennen der Frauen geprägt. Julien Alfred, die Olympiasiegerin von 2024 in Paris, sicherte sich den Sieg in herausragenden 10,70 Sekunden. Mit dieser Leistung stellte sie nicht nur einen neuen Landesrekord auf, sondern lief auch die achtschnellste Zeit der Geschichte.
Die Sprinterin aus St. Lucia verwies die zeitgleiche US-Amerikanerin Melissa Jefferson-Wooden in einem extrem engen Rennen auf den zweiten Platz. Lediglich fünf Tausendstelsekunden trennten die beiden Kontrahentinnen nach der Ziellinie. Für Jefferson-Wooden, die mit ihrer Zeit eine starke neue Saisonbestleistung aufstellte, markiert dieses Fotofinish die erste Niederlage seit den olympischen Spielen.
Zapletalova erstmals in diesem Jahr geschlagen
Ein dramatisches Finish prägte das Rennen über 400 m Hürden der Frauen. Die Amerikanerin Anna Cockrell sicherte sich den Sieg in herausragenden 52,13 Sekunden und stellte damit einen Meetingrekord sowie eine Weltjahresbestleistung auf.
Lange Zeit deutete alles auf einen weiteren Erfolg von Emma Zapletalova hin. Die Slowakin lag bis zur zweitletzten Hürde in Führung und war auf bestem Weg, ihre Ungeschlagenheit in diesem Jahr zu wahren. Doch dann hängte die Europameisterin von Birmingham an der Hürde ein, verlor völlig den Rhythmus und fiel auf den letzten Metern noch auf den sechsten Schlussrang zurück. Für die Slowakin bedeutete dies die erste Niederlage der laufenden Saison.
Cockrell nutzte das Straucheln ihrer Konkurrentin aus und lief unangefochten zum Sieg. Wie stark die Leistung der US-Amerikanerin einzuschätzen ist, zeigt der direkte Vergleich: Mit ihren 52,13 Sekunden lief Cockrell exakt 17 Hundertstel schneller, als Zapletalova jemals gelaufen ist.
Heimsiege für Hoenke und Joseph …
Fabienne Hoenke rief über 200 m ihre nächste Topleistung ab. Die EM-Vierte triumphierte im Letzigrund trotz leichtem Gegenwind in 22,53 Sekunden – nur zweimal in ihrer Karriere war sie schneller.
Ebenfalls siegreich zeigte sich Jason Joseph über 110 m Hürden, ein Rennen das heuer nicht zum offiziellen Diamond-League-Programm gehört. Die 13,11 Sekunden bedeuteten zugleich Saisonbestleistung für den Europameister. Bei seinem Gold-Coup in Birmingham war Joseph um einen Hundertstel langsamer gewesen. Für einen weiteren Schweizer Erfolg am Donnerstag sorgte Rollstuhlfahrer Marcel Hug über 1500 m.
… und einige Schweizer Enttäuschungen
In Lausanne hatte Simon Ehammer die Weite von 8,13 Meter gereicht, um hinter dem Griechen Miltiadis Tentoglou Zweiter zu werden. In Zürich sprang der Ostschweizer nach zwei ungültigen Versuchen zunächst auf 8,07, später steigerte sich noch auf 8,14. Am Ende resultierte für den EM-Zweiten nur der 6. Rang. Einmal mehr der Beste war Tentoglou: Der Olympiasieger und Europameister triumphierte mit 8,45, wobei gleich vier Weitspringer über 8,30 Meter sprangen.
Sprinterin Géraldine Di Tizio-Frey reichte es im hochkarätigen Starterinnen-Feld über 100 m in 11,21 Sekunden nur zum 9. und letzten Platz. Auch Dominic Lobalu hatte im Kampf um den Sieg über 3000 m nichts zu bestellen und wurde in 7:49,51 Minuten – 22 Sekunden über seinem Landesrekord – nur 14.
Timothé Mumenthaler wurde über 200 m Siebter. Der EM-Dritte von Birmingham benötigte 20,34 Sekunden, womit er eine Viertelsekunden über seiner persönlichen Bestleistung blieb. In 19,62 gelang dem Amerikaner Kenneth Bednarek eine Jahresweltbestleistung.
Über 100 m Hürden entschied zwar Weltmeisterin Ditaji Kambundji das Duell zweier Schweizerinnen gegen Mehrkämpferin Annik Kälin um fünf Hundertstel zu ihren Gunsten. Doch in 12,82 Sekunden blieb die Bernerin zwei Zehntel über ihrer Saisonbestzeit. Kälin ihrerseits lief heuer schon 12,60. (ram/sda)
So verlief das Meeting:
Zum Abschluss noch eine JWB
Werro gewinnt überlegen
Dem Weltrekord kam Werro damit noch einmal um eine Zehntelsekunde näher. Auf die Uralt-Marke von Jarmila Kratochvilova aus dem Jahr 1983 fehlen der jungen Schweizerin noch 42 Hundertstel.
Werro gewann mit einer Sekunde vor Femke Broeders-Bol, die das Rennen bis zur Hälfte anführte und einen neuen Landesrekord aufstellte. «Ich habe diese Taktik von ihr erwartet, es war auch cool, so zu rennen und nicht wie sonst alles von vorne zu laufen.»
Ehammer fehlt einiges zum Podest
Duplantis hart gefordert
Der nächste Weltrekord!
Die Amerikanerin nutzt ihre fabelhafte Verfassung und die offenbar fantastischen Bedingungen in Zürich und gewinnt vor Weltmeisterin Tobi Amusan aus Nigeria, der sie den Weltrekord entreisst. Amusan hielt ihn mit 12,12 s vier Jahre lang.
Die Schweizerinnen Ditaji Kambundji und Annik Kälin belegen die Ränge 7 und 8.
Grosse Show mit dem Stab
Gibt es heute Abend noch einen Weltrekord? Duplantis' Marke liegt bei 6,31 m.
JWB über 800 m
Ehammer über 8 Meter
Weltrekord über 400 m Hürden
Dos Santos deklassiert damit Karsten Warholm aus Norwegen, der Zweiter wird. Es ist der erste Letzi-Weltrekord seit 2009. Im Windschatten stellt der Zürcher Dany Brand als Siebter mit 48,92 s eine neue PB auf.
Alfred siegt im Fotofinish
Die Schweizer Starterin Géraldine Di Tizio-Frey wird Neunte und damit Letzte.
Ehammer startet mit ungültigem Versuch
Olyslagers schlägt Mahuchikh
Eine Niederlage musste Favoritin Yaroslava Mahuchikh einstecken. Mit 1,96 m wurde die Ukrainerin Vierte.
Lobalu völlig chancenlos
Geist gewinnt im Kugelstossen
Meetingrekord über 400 m Hürden
Hug, wer sonst?
Hoenke feiert tollen Sieg
Cynthia Reinle läuft mit 23,36 s so schnell wie nie in ihrer Karriere und wird Sechste. Hinter ihr klassieren sich Léonie Pointet und Mujinga Kambundji bei ihrem Comeback als Mutter.
Mahuchikh mit Fehlversuch
Geist führt im Kugelstossen
Joseph gewinnt 110 m Hürden
Das Programm
19.12 Uhr: Stabhochsprung Männer
19.20 Uhr: Kugelstossen Männer
19.50 Uhr: 1500 m Rollstuhl Männer (🇨🇭 Marcel Hug)
19.34 Uhr: 110 m Hürden Männer (🇨🇭 Jason Joseph)
20.04 Uhr: 400 m Hürden Frauen
20.16 Uhr: 3000 m Männer (🇨🇭 Dominic Lobalu und Jonas Raess)
20.29 Uhr: Weitsprung Männer (🇨🇭 Simon Ehammer)
20.32 Uhr: 100 m Frauen (🇨🇭 Géraldine Di Tizio-Frey)
20.41 Uhr: 400 m Hürden Männer
20.42 Uhr: Speer Männer (🇨🇭 Simon Wieland)
20.49 Uhr: 3000 m Steeple Frauen
21.08 Uhr: 800 m Männer
21.19 Uhr: 100 m Hürden Frauen (🇨🇭 Ditaji Kambundji und Annik Kälin)
21.26 Uhr: 1500 m Männer
21.41 Uhr: 800 m Frauen (🇨🇭 Audrey Werro)
21.53 Uhr: 200 m Männer
Ist auch der Letzigrund im Bann von Audrey Werro?
Werro ist mit 1:53,80 Minuten die Jahresschnellste und nur noch 52 Hundertstel vom Weltrekord entfernt. Ob allerdings noch genügend Luft für eine weitere Steigerung vorhanden ist, muss sich weisen.
Welche Schweizer können sonst ums Podest kämpfen?
Sind alle sieben Schweizer EM-Medaillengewinner dabei?
Die 4x100-m-Staffel der Frauen, die in Birmingham Silber gewann, steht nicht im Programm. Ihre Läuferinnen treten teilweise einzeln über 100 oder 200 m an.
Für den 110-m-Hürden-Europameister Jason Joseph wurde ein Rennen ins Vorprogramm aufgenommen. Dominic Lobalu ist nach EM-Silber über 10'000 m ebenfalls im Einsatz. In Zürich läuft er über 3000 m, jene Distanz, auf der er mit 7:27,68 Minuten den Schweizer Rekord hält. Auch EM-Bronzegewinner Timothé Mumenthaler stellt sich über 200 m starker internationaler Konkurrenz.
Auf welches Schweizer Duell darf man besonders gespannt sein?
Das Duell dürfte sich leicht hinter der Spitze abspielen. Mit der Olympiasiegerin Masai Russell und der Weltrekordhalterin Tobi Amusan sind zwei internationale Schwergewichte dabei.
Gibt es wieder eine Weltrekord-Show von Duplantis?
Zuletzt erhielt er allerdings ungewohnt starke Gegenwehr: Emmanouil Karalis übersprang in Lausanne 6,16 m und forderte Duplantis heraus. Dort liess der für Schweden startende Amerikaner anschliessend die Weltrekordhöhe auflegen, scheiterte aber recht deutlich. Für Duplantis geht es inzwischen zunächst um den Sieg.
