Jetzt droht Zion Williamson gar der Verlust einer Menge Geld. Weil der 23-Jährige in der letzten Saison von 82 Spielen nur 29 – und damit deutlich weniger als die vertraglich geforderten 60 – absolvieren konnte, darf ihn sein Team im Sommer 2025 aus dem bis 2028 gültigen Vertrag entlassen. Williamson würden rund 126 Millionen Dollar durch die Lappen gehen.
Möglich macht dies eine Klausel in Williamsons Vertrag bei den New Orleans Pelicans. Neben der festgeschriebenen Anzahl Spiele, welche der Basketball-Star absolvieren muss, damit er das volle Gehalt über die gesamte Laufzeit erhält, beinhaltet der Vertrag auch eine Gewichtsklausel. So darf sein Gewicht in Pfund – ein amerikanisches Pfund entspricht rund 450 Gramm – zusammen mit seinem Körperfettanteil in Prozent einen Score von 295 nicht überschreiten.
Es ist eine ungewöhnliche Einigung, welche das NBA-Team und Williamson im letzten Jahr getroffen haben – aufgrund der bisherigen Karriere des Power Forwards erscheint sie allerdings sinnvoll. Den grossen Hoffnungsträger, der 2019 an erster Stelle im Draft ausgewählt wurde, plagten in seinen ersten vier Saisons häufig Verletzungen. Nur einmal stand er in mehr als der Hälfte der Spiele auf dem Feld, eine Saison verpasste er komplett.
Dies hängt wohl auch damit zusammen, dass er für seine Grösse viel Gewicht mit sich herumschleppt. Auf 1,98 Metern verteilen sich bei Williamson knapp 129 Kilogramm (284 Pfund). Damit ist er der zweitschwerste NBA-Star, obwohl er nicht ansatzweise zu den grössten gehört. Zum Vergleich: Modellathlet LeBron James bringt, obwohl er acht Zentimeter grösser ist, nur 113 Kilogramm auf die Waage.
Für Williamsons Resilienz ist sein hohes Gewicht nicht gerade förderlich, da vor allem die Gelenke stark beansprucht werden. Immer wieder fällt er deshalb mit Verletzungen aus – unter anderem sein rechtes Knie, sein linker Fuss sowie sein linker Knöchel sorgten bereits für Probleme. Aus diesem Grund sorgen sich die Pelicans schon länger um die Ernährungsweise ihres Stars.
Wie die Zeitung «The Times-Picayune» aus New Orleans berichtet, hätten die Verantwortlichen den Profi mehrmals darauf hingewiesen, dass er seine Ernährung und seinen Fitness-Zustand verbessern müsse. Doch mehrere dem Team nahe stehende Quellen hätten bestätigt: «Williamson hört nicht darauf.»
Der zu seiner NBA-Zeit ebenso nicht wirklich schmächtige, dafür umso dominantere Shaquille O'Neal sagte dazu: «Ich war genauso wie er. In meinen ersten beiden Jahren dachte ich, ich hätte hart gearbeitet, aber das stimmte nicht.» Dies müsse auch Williamson realisieren, dann könnte es ihm so gehen wie O'Neal: «Sobald er das merkt und diesen Killer-Instinkt bekommt, wird er ein gefährlicher Mann sein.»
Williamson selbst gab vor der laufenden Saison zu, Probleme mit der gesunden Ernährung zu haben. «Es ist hart», sagte er im Podcast von Ex-Basketballer Gilbert Arenas und fügte an: «Ich bin 22 und habe alles Geld der Welt.» Bisher habe er zu wenig Verantwortung übernommen und er hätte einige Dinge besser machen können. «Ich bin dabei, diese Fehler zu beheben», versprach Williamson.
Die Tatsache, dass der bereits zu Schulzeiten als Phänomen geltende NBA-Star so häufig verletzt ist, ist angesichts seiner Leistungen umso bitterer. Denn wenn er auf dem Court steht, ist Williamsons Spiel aufgrund seiner Athletik eine Augenweide. Krachende Dunks oder verrückte Blocks sind an der Tagesordnung. Von Beginn an gehörte er zu den besten Punktesammlern der NBA, im Schnitt erzielte er in seinen bisher 138 Spielen 25,2 Zähler.
Für die gegnerischen Verteidigungen ist er kaum aufzuhalten, in 60 Prozent der Fälle ist er beim Versuch, einen Korb zu erzielen, erfolgreich. Auch als Passgeber – eine seiner Schwächen am offensiven Ende – wird er immer besser. Seine Wurfschwäche aus der Distanz konnte er bisher aber nicht beheben, was ebenfalls ein Grund für seine Verletzungsanfälligkeit sein kann, da es in Korbnähe deutlich gedrängter zu- und hergeht, wodurch er viel Körperkontakt ausgesetzt ist.
Fast schon als katastrophal muss die Defensivarbeit Williamsons bezeichnet werden. Trotz seines Körperbaus ist er in der Verteidigung ausserordentlich schlecht und macht sein Team deshalb nicht wirklich besser. In bisher 24 Spielen in der laufenden Saison, in denen er durchschnittlich 22,3 Punkte erzielte, ist das Net-Rating seines Teams ohne ihn um 5,2 Punkte besser. Das bedeutet, dass die Pelicans auf 100 Ballbesitze gerechnet mit Williamson 0,3 Zähler mehr erzielen als der Gegner, ohne ihn sind es aber 5,5. Es ist der schlechteste Wert unter den Stammspielern.
Trotzdem stehen seine Mitspieler hinter Williamson. So sagt beispielsweise Jose Alvarado: «Er ist ein guter Typ und ein Mensch, der als Person wächst. Er akzeptiert all die Kritik, die er erhält, und bleibt dabei professionell.» Auch dank Williamson gewannen die Pelicans 17 ihrer ersten 30 Spiele. Dennoch scheint es so, als würde das Team um Williamson und Brandon Ingram nicht sein ganzes Potenzial ausschöpfen. Was vor allem daran hängt, dass ersterer sein Superstar-Versprechen noch nicht einlösen konnte. Dies könnte ihn nun teuer zu stehen kommen.
Zwar ist eine Entlassung gemäss The Athletic unwahrscheinlich, doch riskiert Williamson, nach Ablauf des Vertrags deutlich weniger Geld zu verdienen. Kann er sich nämlich nicht als konstanter Leistungsträger etablieren, wird ihm kein Team einen Vertrag in Höhe von rund 40 Millionen Dollar jährlich, die ihm laut seinem aktuellen Arbeitspapier zustehen, anbieten.
Dieses lässt jedoch auch zu, dass er sich die Gültigkeit seines Vertrags bis 2028 wieder erkämpfen kann. Wenn er ausreichend Spiele absolviert und die Gewichtsbeschränkung einhält, wären ihm die vollen 197 Millionen Dollar garantiert. Und zumindest die laufende Saison, in welcher er von 30 Partien erst sechs verpasste, ist ein gutes Zeichen dafür.