Damit es nur einen Sieger gibt: So soll ein «doofes» Kilchberger verhindert werden
«Doof» seien sie, diese Schwingfeste mit mehreren Siegern. Das liess kürzlich ein bekannter Spitzenschwinger verlauten. Zwei Sieger beim Innerschweizer Verbandsfest, drei beim Luzerner Kantonalen, vier auf dem Brünig: In der laufenden Saison gab es mehrere geteilte Festsiege. Die Bilder mögen für Kameradschaft stehen. Der breiten Öffentlichkeit ist allerdings schwer zu erklären, weshalb ein Wettkampf mehrere Sieger hervorbringt.
Beim Aargauer Kantonalen wäre die Sache beinahe vollends ins Absurde gekippt. Hätte der Schlussgang, der bereits zehn Minuten alt war, ohne Sieger geendet, hätten sich am Ende sieben Schwinger den 1. Rang geteilt. Der eine oder andere Funktionär dürfte aufgeatmet haben, als Nick Alpiger diesen letzten Kampf doch noch für sich entschied und das Gruppenfoto verhinderte.
Mehrere Festsieger seien «sicher nicht optimal», sagt Fridolin Beglinger, der Technische Leiter des Eidgenössischen Schwingerverbands. Der Glarner gibt aber auch zu verstehen, dass die Regeln des Nationalsports nun mal solche Szenarien mit sich bringen. «Der Schlussgang ist kein Final. Deshalb können Schwinger, die nicht im Schlussgang stehen, wieder aufschliessen. Das gehört einfach dazu.»
Tatsächlich gibt es diesbezüglich ein hartnäckiges Missverständnis. Der Schlussgang hat nichts mit einem Final zu tun, sondern ist bloss der 6. Gang für diejenigen beiden Schwinger, die nach fünf Gängen an der Spitze liegen. Deshalb können die Schlussgang-Teilnehmer wieder eingeholt werden, falls die Verfolger im 6. Gang entsprechend punkten.
2021 gab es auch erstmals bei einem Kilchberg-Schwinget drei Sieger – Samuel Giger, Damian Ott und Fabian Staudenmann. Droht vielleicht auch in diesem Jahr ein solches Szenario? Fridolin Beglinger, der kraft seines Amtes die Einteilung beim Kilchberg-Schwinget präsidiert, sagt: «Im sechsten Gang muss clever eingeteilt werden. Man muss voraussehen, wie die Duelle laufen werden. Ich will niemandem zu nahe treten, aber die vier Sieger auf dem Brünig hätten mit einer anderen Einteilung vermieden werden können.»
Ungleichgewicht in der Einteilung
Doch auch die Einteiler haben die Fäden nur bedingt in der Hand. Die Notengebung der Platzkampfrichter ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Im Brünig-Schlussgang wurden den beiden Schlussgang-Teilnehmern unterschiedliche Noten vergeben. Armon Orlik bekam für den Gestellten eine 8,75. Die Leistung von Fabian Staudenmann stuften die Platzkampfrichter aber höher ein und belohnten ihn mit einer 9,00. Ohne diese Differenzierung wäre Staudenmann nicht auf dem geteilten 1. Rang gelandet. Beglinger räumt ein, dass eine schlaue Einteilung nur etwa 70 Prozent eines Schwingfests beeinflusst. «30 Prozent sind immer noch Zufall.»
Mit ihren 70 Prozent hat die Einteilung unbestritten einen beträchtlichen Einfluss auf den Verlauf eines Schwingfests. Damit die Schwinger einen Wettkampf wie das Kilchberger gewinnen können, brauchen sie also einen fähigen Supporter in der Einteilung. Jeder Verband ist am Samstag mit seinem Technischen Leiter im Einteilungskampfgericht vertreten. Res Schmid für die Berner, Urban Götte für die Nordostschweizer, Stefan Muff für die Innerschweizer, Remo Stalder für die Nordwestschweizer und Christian Kolly für die Südwestschweizer. Angeführt werden sie aber von Fridolin Beglinger, ebenfalls einem Nordostschweizer. Es gibt also eine Doppelvertretung. Ist das fair?
Beglinger sagt, er könne die Interessen seines Teilverbandes problemlos zur Seite schieben. «Das wird mir sicher gelingen. Das musste ich schon tun, als ich vom Technischen Leiter der Glarner zum Technischen Leiter der Nordostschweizer wurde.» Den 1. Gang durfte er in Eigenregie einteilen. Ab Samstagmorgen wird er sich vor jedem Gang mit den Kollegen absprechen müssen. Seine Integrität scheint unbestritten. Selbst der Berner Vertreter Res Schmid sagt: «Er wird das zu 100 Prozent seriös machen und nicht im Sinne der Nordostschweizer einteilen.»
Favoritenrolle? Die Berner wissen nichts davon
Nachdem die Berner zuletzt auf der Schwägalp drückend überlegen waren, werden sie für Samstag als grosse Favoriten gehandelt. Res Schmid wehrt sich allerdings gegen diese Ansicht. «Ich sehe uns nicht in der Rolle der Gejagten», sagt er. Trotz der deutlichen Dominanz auf der Schwägalp sei man nicht in Euphorie verfallen. «Die Ausgangslage ist nach wie vor offen.»
Der Berner sieht die Nordostschweizer auf Augenhöhe, er spricht von starken Nordwestschweizern und Innerschweizern. «Auch ein Lukas Bissig kann an einem guten Tag etwas bewirken», sagt Schmid. Dass die anderen Teilverbände eine Allianz bilden könnten, um mit vereinten Kräften die nächsten Berner Festspiele zu verhindern, glaubt er nicht. «Das wird nicht passieren», sagt Schmid entschieden.
Fridolin Beglinger, der erstmals an einem Eidgenössischen Anlass als Chef der Einteilung amtet, ist sich seiner Verantwortung bewusst. Er sagt: «Ich spüre etwas Anspannung.» Sein Ziel sei, auch abseits der Spitze attraktive Paarungen zusammenzustellen. «Und wir wollen natürlich einen würdigen Sieger finden.» Oder eben mehrere. (schweizheute.ch)

