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Der älteste Tennisspieler der Welt aus der Ukraine träumt von Federer

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100 000 soldater längs Ukrainas gräns skapar internationell oro. Leonid Stanislavskyi, 97 ar, och lever i Ukraina. Han växte upp i ett land där diktatorn Josef Stalin skapade en av histori ...
Leonid Stanislawski Ende Februar, als er noch in Charkiw spielte.Bild: imago

Ukrainer (98) spielte schon gegen Nadal – jetzt träumt er im Exil von Federer

Leonid Stanislawski geht stramm auf die hundert zu. Doch das Alter hält ihn ebenso wenig von seiner Liebe zum Tennis-Sport ab wie der Krieg in der Heimat. Nach der Flucht aus der Ukraine schlug er in Polen einige Bälle mit Agnieszka Radwanska. Und Stanislawski träumt von mehr.
05.04.2022, 14:0705.04.2022, 14:55
Ralf Meile
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Im Guinness Buch der Rekorde ist er schon. Doch die neue Aufmerksamkeit hätte Leonid Stanislawski wohl vermutlich lieber nicht erhalten. Der vermutlich älteste Tennisspieler der Welt musste mit 98 Jahren aus seiner Heimat Charkiw in der Ukraine fliehen, weil die Stadt unter Beschuss von Putins Armee geriet.

Eigentlich habe er dort ausharren wollen, bis Putins Truppen weg sind. Aber er sei schwerhörig, sagte Stanislawski zur Nachrichtenagentur Reuters, und deshalb bekomme er es oft nicht mit, wenn Bomben einschlagen und Alarmsirenen heulen.

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100 000 soldater längs Ukrainas gräns skapar internationell oro. Leonid Stanislavskyi är 97 ar och lever i Ukraina. Han växte upp i ett land där diktatorn Josef Stalin skapade en av histor ...
Auch mit 98 hat man noch Ziele: Leonid Stanislawski will an die Senioren-WM in Florida.Bild: imago

Radwanska: «Er ist immer noch in einer super Verfassung»

Aber nun ist er doch noch ins sicherere Ausland geflohen. Seine Tochter Tanya, die sich bereits vor ihm nach Polen abgesetzt hatte, holte den rüstigen Senior zu sich. Und in Lublin, im Osten Polens, griff er bereits wieder zum Racket. Er schlug einige Bälle mit Agnieszka Radwanska. Die 33-Jährige war auf ihrem Höhepunkt die Nummer 2 der Welt.

«Es war ein grosses Vergnügen, den 98-jährigen Leonid zu treffen», schrieb Radwanska nach dem Treffen. «Er ist immer noch in einer super Verfassung. Ich bin sehr glücklich, dass ich ihm den Wunsch erfüllen konnte, mit mir zu spielen.» Sie wünsche ihm jede Menge Gesundheit und dass er in Zukunft noch viele weitere Rekorde knacken könne.

Teilnahme an der Senioren-WM in Palm Beach als Ziel

Für Stanislawski war es nicht die erste Begegnung mit der Tennis-Prominenz. Im vergangenen Jahr traf er auf Mallorca Rafael Nadal, in dessen Akademie schlug er einige Bälle mit dem «Stier aus Manacor».

Doch auch mit 98 Jahren hat man noch Wünsche. Er hoffe, sagte Stanislawski, auch mit Roger Federer und der neuen Weltnummer 1 der Frauen, Iga Swiatek aus Polen, auf dem Court stehen zu können.

Die «Partien» wären vermutlich eine ideale Vorbereitung auf die Senioren-WM in Florida. Die beginnt Ende April und ist Leonid Stanislawskis grosses Ziel. Wobei es ihm mehr ums Dabeisein geht als ums Gewinnen: Im vergangenen Jahr schied er in der Kategorie Ü90, welche der Tennis-Weltverband ITF auf seinen Antrag hin schuf, in der 1. Runde aus. Im ITF-Ranking seiner Alterskategorie findet man den Ukrainer auf Platz 56 von 73 Spielern weltweit, die gelistet sind.

«Niemals gedacht, dass wir das alles noch einmal erleben müssen»

Aber noch wichtiger ist Stanislawski freilich, dass der Krieg in seiner Heimat endet. «Ich habe schon den Zweiten Weltkrieg überlebt und ich werde auch diesen Krieg überleben», sagte er vor wenigen Wochen, als er sich noch in Charkiw aufhielt. Als junger Ingenieur der sowjetischen Luftstreitkräfte hatte er einst gegen Nazi-Deutschland gekämpft.

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In der Halle in Charkiw wird prominent mit dem Tennisspieler aus dem Guinness Buch geworben.Bild: imago

«Ich hätte niemals gedacht, dass wir das alles noch einmal erleben müssen», sagte er. «Als Putin seine Streitkräfte an unseren Grenzen versammelte, hätte ich nie geglaubt, dass es zu einer Invasion im grossen Stil kommen würde. Aber Putin hat es getan und das Massaker findet jetzt statt.» Leonid Stanislawski hofft auf ein baldiges Ende des Krieges – und darauf, in zwei Jahren den 100. Geburtstag feiern zu dürfen.

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