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From left, Roger Federer of Switzerland, Nick Kyrgios of Australia, Naomi Osaka of Japan, Alexander Zverev, Dominic Thiem of Austria, Serena Williams of the United States, Caroline Wozniacki of Denmark, Petra Kvitova of the Czech Republic, Coco Gauff of the United States, Novak Djokovic of Serbia, Stefanos Tsitsipas of Greece and Rafael Nadal of Spain pose for a photo during the Rally For Relief at Rod Laver Arena in Melbourne, Wednesday, Jan. 15, 2020. Tennis stars have come together for the Rally for Relief to raise money in aid of the bushfire relief efforts across Australia. (Scott Barbour/AAP Image via AP)

Die Tennis-Elite – hier hat keiner Geldprobleme. Bild: AP

Aufstand gegen Federer und Nadal – Tennis-Proletarier nehmen Superreiche ins Gebet

Die Realität von Brayden Schnur, Liam Broady und Noah Rubin hat wenig mit jener von Roger Federer, Rafael Nadal oder Novak Djokovic zu tun. Hier die Proletarier des Tennis-Sports, dort die Superreichen. Die Kleinen sehen ihr Rolle im Tennis-Zirkus marginalisiert. Und proben den Aufstand.

simon häring / ch media



Bei den Australian Open sind der Kanadier Brayden Schnur (ATP 237) und der Brite Liam Broady (103) längst nicht mehr dabei, ausgeschieden in der Qualifikation. Doch die beiden wollen nicht hinnehmen, was Realität ist: dass die Tennis-Welt eine Zweiklassengesellschaft ist. Denn längst ist unbestritten, dass die Bedingungen, bei denen Spiele der Australian-Open-Qualifikation stattfanden, irregulär waren, ja sogar gefährlich für die Gesundheit.

Die Buschbrände in Australien hatten einen giftigen Rauchteppich über Melbourne gelegt. Die Stadt wies Bewohner an, Fenster und Türen zu schliessen, und möglichst wenig Zeit im Freien zu verbringen. In keiner Stadt der Welt war die Schadstoffbelastung an diesem Tag höher als in Melbourne. Der massgebende Wert orientiert sich am Index der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA, der als internationaler Standard gilt. Übersteigt die Feinstaubbelastung den Index von 200 Einheiten, werden Partien ausgesetzt. In der Spitze erreichte die Feinstaubbelastung am Dienstag 393 Mikrogramm.

epa08128867 A general view is seen of smoke haze at Melbourne Park in Melbourne, Australia, 15 January 2020.  EPA/MICHAEL DODGE AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

Die Show musste stattfinden – trotz gefährlichem Rauchteppich. Bild: EPA

Trotzdem wurden Broady, Schnur und die Hinterbänkler in einer E-Mail von der Profi-Organisation ATP und von den Organisatoren der Australian Open aufgefordert, zu spielen. Die Bedingungen seien unbedenklich. «Ein Schlag ins Gesicht», sagt Broady. Noah Rubin, auch er einer, der in der Qualifikantin ausschied, sagte: «Die Australian Open sind nicht das Leben eines Menschen wert.» Die Slowenin Dalila Jakupovic brach ihr Spiel gegen die Schweizerin Stefanie Vögele nach einem Hustenanfall ab. Die Kanadierin Eugenie Bouchard klagte über stundenlange Kopfschmerzen.

«Wo ist der Schutz der Spieler, Frauen und Männer?», sagt Broady. Alle hätten Anrecht auf gebührenden Schutz, und nicht nur ein paar wenige. Roger Federer sagte, er mache sich keine Sorgen um seine Gesundheit. Schliesslich dauere das Turnier höchstens zwei Wochen und nicht sechs Monate. Er teilte allerdings die Kritik, dass die Informationspolitik der Turnierleitung ungenügend war und die betroffenen Spieler verunsicherte.

Während sich die Tennis-Elite wie der Deutsche Alexander Zverev, der versprach, auf sein gesamtes Preisgeld von 4,1 Millionen australischen Dollar zu verzichten, sollte er das Turnier gewinnen, den Luxus leisten kann, ihr Image mit grosszügigen Spenden aufzupolieren, sind Spieler wie Broady, Schnur und Rubin auf jeden Zahltag angewiesen. «Wir können es uns nicht leisten, auf ein Turnier wie die Australian Open zu verzichten», sagte Rubin.

Bild

Liam Broady wollte nicht spielen, musste aber. bild: keystone

20'000 australische Dollar erhielt er für die Niederlage in der ersten Runde der Qualifikation. 2019 hatte er nur in Wimbledon und bei den US Open mehr verdient. Die Realität der Hinterbänkler spielt sich abseits des Rampenlichts ab. Wenn Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer ins Turnier starten, sind sie meist schon längst wieder abgereist. Doch sie wollen gehört werden, und proben den Aufstand.

Broadys Statement zur Qualifikation:

Federer und Nadal «selbstsüchtig und egoistisch»

Brayden Schnur hatte es gewagt, in seiner Kritik direkt auf den Mann zu spielen, als er sagte, Roger Federer und Rafael Nadal, die beide dem Spielerrat angehören, seien nur auf den eigenen Vorteil bedacht, seien selbstsüchtig und handelten egoistisch. «Sie stehen kurz vor dem Ende ihrer Karriere und denken nur noch an ihr Vermächtnis. Was gut für den Sport ist, interessiert sie nicht.»

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Brayden Schnur ist sichtlich unzufrieden. bild: twitter

Federer gab sich konziliant und sagte, sie würden sich alle gegenseitig Sorge tragen und am gleichen Strick ziehen. Schnur relativierte seine Aussagen später. Diese seien aus dem Kontext gerissen worden. Stattdessen sagte er: «Das Beispiel zeigt, dass wir eine Gewerkschaft brauchen, und mehr Solidarität unter den Spielern.» Und dafür brauche man die Unterstützung der Top-Spieler. «Ich bin keiner der Grossen. Meine Stimme wird nicht gehört, ihre schon.» Bei Federer und Nadal entschuldigte sich Schnur persönlich. Er bereue seine Wortwahl.

Doch der Schaden war bereits angerichtet. Das Beispiel zeigt, dass der Haussegen in Tennis-Familie schief hängt. Rubin sagt, er erwarte von Roger Federer, dass er sich auch über seine Karriere hinaus für eine gute Zukunft im Tennis einsetze. «Es steht mir zwar nicht zu, das zu sagen, aber ich tue es trotzdem: Ich bin der Meinung, es ist seine Verantwortung, dem Sport noch mehr zurückzugeben, als er ohnehin schon getan hat. Das ist es, was es bedeutet, Roger Federer zu sein.»

Liam Broady drückte es weit weniger drastisch aus, er nahm auch niemanden namentlich ins Visier, doch auf wen die Kritik zielt, war trotzdem klar, als er sagte, alle Spieler, Frauen und Männer, verdienten den gleichen Schutz, nicht nur ein paar wenige. «Wir lassen uns viel zu viel gefallen.» Doch das, was in Melbourne geschehen sei, sei zu gravierend, um es einfach vorbeiziehen zu lassen. Was kaum etwas an der Zweiklassengesellschaft im Tennis ändern wird.

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Beat-Galli 22.01.2020 15:18
    Highlight Highlight Kleiner Tip für die Armen....
    Besser Spielen oder Beruf wechseln.

    Zur Not: Arbeiten
    😇
  • Bruno Wüthrich 22.01.2020 09:21
    Highlight Highlight Auch beim Tennis müsste man so etwas wie ein soziales System einrichten. Zum Beispiel so:
    Ab dem Zeitpunkt, ab dem ein/e Spieler/in in die Top30 einzieht, liefert er/sie 10 Prozent der Einnahmen (Preisgeld und Werbung !!!) in einen Pool ab. Ab dem Eintritt in die Top20 sind es 15 Prozent und in den Top10 wären es 20 Prozent. Dieses Geld würde dann nach einem System an die Wenigverdiener verteilt.
    Hintergrund: Ohne all die Hinterbänkler würden auch die Topstars nicht so viel verdienen, wie sie es tun. Eine solche Umverteilung wäre nur gerecht und würde den Gutverdienenden nicht weh tun.
    • P. Meier 22.01.2020 13:52
      Highlight Highlight Warum so kompliziert bei den Preisgeldern? Die ATP müsste nur mit den Turnierveranstaltern den Verteilschlüssel der gesamten Preisgelder so regeln, dass die hinteren Ränge mehr bekommen. Dazu kommt, dass ich die Abgabe nach Weltrangliste problematisch finde. So käme es sicher zur unschönen Situation, dass bei verlorenen 1/8-Final die beiden Spieler unterschiedliche Netto-Preissummen erhielten.
    • winglet55 22.01.2020 14:23
      Highlight Highlight Auch ein Federer und ein Nadal waren einmal Hinterbänkler wtf.
      Die Preisgelder wurden seit Federer im Spielerrat war massiv erhöht, vorallem für die Hinteren Spieler. Nur muss sich jeder Spieler fragen ob er mit 25 im Ranking 100+, sich die Reiserei antun soll oder nicht. Aber jetzt an einem Federer und einem Nadal anzukreiden dass ihnen das Geld in den A*** geschoben wird, trifft meines erachtens die Falschen. Ein Bank CEO gibt ja auch keinen Rappen von seinem Traumsalär ab, um der Putzfrau das Gehalt aufzubessern, geschweige denn von seinem goldenen Fallschirm.
    • Bruno Wüthrich 22.01.2020 17:21
      Highlight Highlight Der Punkt ist doch der: Ohne ihre Gegner aus den hinteren Ranking-Regionen wäre Tennis trotz ihrer Zugpferde nicht gleichwertig zu vermarkten. Dies würde sich dramatisch auf das Einkommen für Leute wie Federer und Nadal auswirken. Denn es würden nicht nur deutlich weniger Preisgelder ausbezahlt werden können, auch das Geld von persönlichen Sponsoren würde deutlich weniger. Die Spitzenspieler haben also den Hinterbänklern viel zu verdanken (und nicht nur umgekehrt). Ich finde, diesem Umstand dürfte deutlich mehr Rechnung getragen werden.
  • Dan Rifter 22.01.2020 08:50
    Highlight Highlight Sowas von gerechtfertigt, diese Kritik.

    Die Schere bei den Preisgeldern ist massiv und wird immer grösser - die Gewinnsummen für ein zweiwöchiges Turnier finde ich schon fast unmoralisch.

    Meiner Meinung navh müsste man bei den Majors und den 1000er-Turnieren jeweils das Preisgeld für den Sieger oben wegnehmen und auf die hinteren Runden (ab 16telfinal oder so) verteilen. Mehr finanzielle Parität täte dem Tennis gut - vor allem wenn die aöte Garde dann mal weg ist (so 2030 wies ausschaut 😎)

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