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Die Grasshoppers segeln in die Abstigsrunde. GC Spieler Adrian de Vicente fliegt ueber den YB Verteidiger Martin Weber. Die Grasshoppers verlieren am 6. Dezember 1992 im Hardturm-Stadion in Zuerich das Meisterschaftsspiel der Nationalliga A gegen die Young Boys und verpassen mit dieser Niederlage die Finalrunde.  (KEYSTONE/Walter Bieri)

GC segelt in die Abstigsrunde und Adrian de Vicente fliegt über YB-Verteidiger Martin Weber. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

Das Gespött der Nation! GC landet trotz hochkarätigem Kader in der Abstiegsrunde

6. Dezember 1992: Die Grasshoppers können mit der Niederlage gegen die Young Boys ihren Kopf nicht mehr aus der Schlinge ziehen und landen mit einem hochkarätigen Kader in der Auf-/Abstiegsrunde. Die totale Blamage kann der stolze Rekordmeister aber verhindern.



Die Prognosen vor Saison sind höchst unterschiedlich für die Gegner, welche an diesem milden Dezember-Tag in der letzten Qualifikationsrunde im Berner Wankdorf aufeinandertreffen. Im Sommer gelten die Grasshoppers fast überall als der erklärte Meisterschaftsfavorit, den Young Boys hingegen wird ein mühsamer Kampf am Strich vorausgesagt. Jetzt geht es für die stolzen Hoppers jedoch nicht um den Meistertitel, sondern um die Teilnahme an der Finalrunde.

Die Ausgangslage:

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Die Tabelle vor dem letzten Spieltag in der Qualifikationsrunde. Screenshot: weltfussball.de

Auf dem Feld steht am EWR-Abstimmtungs-Sonntag die wohl beste GC-Mannschaft aller Zeiten: Pascal Zuberbühler, Mats Gren, Ramon Vega, Harald Gämperle, Urs Meier, Murat Yakin, Ciriaco Sforza, Thomas Bickel, Mario Cantaluppi, Giovane Elber und Adrian De Vicente sollen die Katastrophe verhindern.

Aufgrund einer Sperre kann Alain Sutter nicht mittun, auch Marcel Koller fehlt den Zürchern verletzungshalber. Auf der Ersatzbank nehmen unter anderem Spieler wie Joel Magnin und Peter Közle Platz.

Das hochkarätige GC-Kader der Saison 92/93:

Die Mannschaft des Grasshopper Club Zuerich, aufgenommen im Juli 1992. Oberste Reihe von links nach rechts: Assistent Sven Gruetter, Murat Yakin, Mario Cantaluppi, Heinz Hermann, Thomas Bickel, Ramon Vega, Sigour Gretarsson, Mats Gren, unbekannt, Adrian de Vicente; Mittlere Reihe von links nach rechts: zwei Betreuer, Massimo Lombardo, Harald Gaemperle, Johan Vogel, David Nakid, Giovane Elber, Ciriaco Sforza, Mauro Calvi, Trainer Andre

Oberste Reihe von links nach rechts: Assistent Walter Grüter, Murat Yakin, Mario Cantaluppi, Heinz Hermann, Thomas Bickel, Ramon Vega, Sigi Gretarsson, Mats Gren, Harald Gämperle, Adrian de Vicente; Mittlere Reihe von links nach rechts: zwei Betreuer, Massimo Lombardo, Patrick de Napoli, Johann Vogel, David Nakhid, Giovane Elber, Ciriaco Sforza, Claudio Calvi, Trainer André «Bigi» Meier, Trainer Oldrich Swab; Sitzend von links nach rechts: Urs Meier, Marcel Koller, Joel Magnin, Goalie Pascal Zuberbühler, Goalie Martin Brunner, Goalie (Unbekannt), Peter Közle, Giorgios Nemtsoudis und Alain Sutter. Bild: KEYSTONE

Dass es überhaupt zum grossen Showdown für den Rekordmeister kommt, hat die Star-Truppe dem schlechten Start unter Coach Oldrich Svab zu verdanken. Der Vorstand unter Präsident Benno Bernardi ersetzt Svab während der Saison durch den hochdekorierten Leo Beenhakker.

«Es war eine Flucht nach vorne. Rückblickend denke ich, dass wir zu spät reagiert haben.»

Präsident Bernardi über den Trainerwechsel

Der holländische Star-Trainer landet nach Stationen bei Ajax Amsterdam, Feyenoord Rotterdam, der holländischen Nationalmannschaft, Real Saragossa und Real Madrid in Zürich. Als Leistungsausweis bringt er je drei holländische und spanische Meistertitel mit.

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Leo Beenhaker: Zuerst im Bernabeu, jetzt im Hardturm tätig. Screenshot: realmadridbalkan.org

Wie Bernardi später gegenüber der «NZZ» gesteht, erfolgte der Trainer-Wechsel wohl zu spät. «Unter Beenhakker holten wir viele Punkte», meint auch Mats Gren im «Tages-Anzeiger». Und er schiebt nach: «Wenn wir nicht den schlechten Start gehabt hätten, hätten wir es geschafft.»

Nichtsdestotrotz können es die Grasshoppers im Heimspiel gegen die Young Boys noch aus eigener Kraft in die Finalrunde schaffen, da Hauptkonkurrent Lugano einen Punkt zurückliegt. Das Szenario scheint aber eher für das Heimteam zu sprechen, wie YB-Trainer Martin Trümpler vor dem Spiel spekuliert: «Uns kommt die Ausgangslage entgegen, denn so können wir zu Hause so spielen, wie wir dies auf fremden Terrain jeweils mit Erfolg tun.»

«Bei den Grasshoppers haben sie die Situation wohl nicht richtig eingeschätzt.»

FCZ-Manager Raimondo Ponte tages-anzeiger

So können die Berner nach einem schnell vorgetragenen Konter in der 29. Minute durch Christiansen in Führung gehen. Die zahlreich angereisten GC-Anhänger schöpfen im mit 16'000 Zuschauer ausverkauften Wankdorf nach dem Ausgleich durch Ramon Vegas Kopfballtreffer zwar nochmals Hoffnung, doch acht Minuten vor dem Ende leitet ein Missverständnis zwischen Urs Meier und Mats Gren die Niederlage ein. YB-Ausländer Piotr Nowak profitiert von der «blöden Situation» (Zitat Gren) und markiert den 2:1-Endstand.

GC Spieler Giovane Elber fliegt wird von YB Verteidiger Martin Weber gebremst, im Hintergrund GC Spieler Adrian de Vicente. Die Grasshoppers und die Young Boys trennen sich am 12. September 1992 im Hardturm-Stadion in Zuerich beim Meisterschaftsspiel der Nationalliga A 1 zu 1 unentschieden.  (KEYSTONE/Walter Bieri)

Auch Giovane Elber beisst sich an Weber die Zähne aus. Bild: KEYSTONE

«Man kann schon sagen, dass acht Minuten zur Qualifikation gefehlt haben.»

Mats Gren nach dem Spiel

Die finale Niederlage der Zürcher widerspiegelt das eigentliche Manko des Teams, den Grasshoppers fehlen gegen die konterstarken und aufsässigen Berner die Leader, welche das Ruder in schwierigen Momenten herumreissen können.

Präsident Bernardi meint, dass er sich vor allem auch von Rekordnationalspieler Heinz Hermann mehr erhofft habe. Nach dessen Zuzug im Sommer sei die Mannschaft innerlich zerstritten gewesen, erklärt Sportchef Erich Vogel Jahre später: «Heinz war zwar kein Intrigant, aber es kam trotzdem Neid auf. Ein Parade-Beispiel, wie ein einzelner Spieler das ganze Innenleben eines Teams durcheinanderbringen kann.»

Servette-Goalie Pascolo Marco Pascolo stoppt den GC Spieler Giovane Elber, Nummer 9, im Hintergrund Mitte Heinz Hermann (GC) und rechts, Ciriaco Sforza (GC). Die Grasshoppers verlieren am 9. August 1992 im Hardturm-Stadion in Zuerich das Meisterschaftsspiel der Nationalliga A gegen Servette mit 0 zu 2 Toren.  (KEYSTONE/Str)

Neuzugang Heinz Hermann gilt 1992 bei GC als Störfaktor. Bild: KEYSTONE

«Sie sind einfach fussballerisch nicht so gut, wie sie wahrhaben wollen.»

GC-Legende Fredy Bickel blick

Wie so oft zeigt sich die Mannschaft auch zu unentschlossen und meist orientierungslos. Von einem klaren Konzept ist gegen YB gemäss «NZZ» einmal mehr wenig zu sehen. Bernardi stimmt in die Kritik ein und hinterfragt das System von Trainer Beenhakker im entscheidenden Spiel. Ausserdem meint der GC-Präsident: «Leos Daueroptimismus hat wohl gelegentlich die Optik getrübt. Ich bin gespannt auf seine Analyse. Das Potential war da, das Resultat ist indessen verheerend.»

Der Saisonrückblick 1992/93:

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Unglaublich! Aarau wird Meister, GC in der Abstiegsrunde. Video: YouTube/Arowa5000

Tatsächlich wird GC zum Gespött der Nation. Weil Lugano gegen Xamax zu einem 2:0-Erfolg kommt, überholen die Tessiner GC noch und der lange nicht für möglich gehaltene Gang in die Auf-/Abstiegsrunde wird für die Hoppers Tatsache. Der ruhmreiche zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte nicht in der Finalrunde – damals unvorstellbar.

Die Tabelle nach der Qualifikation:

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Screenshot: weltfussball.com

Spieler und Verein blicken schweren Zeiten entgegen. Das Budget muss gekürzt werden und wie Präsident Bernardi verrät, geht der sportliche Misserfolg den Spielern direkt ans Portemonnaie. In den Verträgen ist nämlich eine Klausel eingebaut, die für den Fall in die Abstiegsrunde nur noch die Auszahlung eines fixen Betrags vorsieht. Es gibt also keine Spiel- und Punkteprämien mehr. Somit können die Spitzenspieler nur noch mit einem Drittel des bisherigen Lohns rechnen.

Fast die ganze Fussball-Schweiz belächelt das tief gefallene Starensemble um Sutter, Sforza und Elber, die Schadenfreude bei der direkten Konkurrenz hält sich allerdings in Grenzen. Weil der damalige Publikumsmagnet im Frühling nicht dabei ist, fehlen laut Berechnungen des «Blicks» Wintermeister YB und Co. über 300'000 Franken. Den grössten Abstrich muss dabei der Stadtrivale FC Zürich mit 200'000 Franken machen.

GC verhindert den Abstieg trotz hochkarätiger Konkurrenz (Basel und Luzern waren damals B-Klubs) dank zehn Siegen in 14 Abstiegsrunden-Spielen zwar souverän, die letzte Chance, die verkorste Saison zu retten, vergeben Grashoppers im Schweizer Cup aber kläglich. Im Cupfinal treffen die Zürcher ausgerechnet auf den FC Lugano und gehen glatt mit 1:4 unter. Leo Beenhakker wird zum Saisonende entlassen.

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Der spätere GC-Stürmer Nestor Subiat als Held im Cupfinal. Video: YouTube/catone82

GC verpflichtet im Sommer 1993 vom FC Wil den noch jungen Erfolgstrainer Christian Gross und gewinnt in der folgenden Saison den Cup. 1995 und 1996 folgen zwei Meistertitel und die bis heute unvergessenen Auftritte in der Champions League.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

Die unendliche GC-Saga

Chefsache: Keine Fussball-Fans im Büro, bitte!

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    Alle Leser-Kommentare
  • Principe 06.12.2019 23:47
    Highlight Highlight ausverkauftes Wankdorf mit 16'000........???

  • Burkis 06.12.2019 10:09
    Highlight Highlight Der GCZ aus dem letzten Jahrhundert, ach da blutet das Herz und ich kann die Angstbratwurst im Hardturm wieder riechen... gefürchtet und trotzdem bewundert, mit der halben Nati im Kader, ja so war das damals...
    Die Auf-/Abstiegsrunde 92/93 war aber richtig geil, mit über 20’000 in der alten Allmend in Luzern und 35’000 in Basel während die Meisterschaft vor 5’000 Fans ausgespielt wurde...
  • Snowy 06.12.2019 09:31
    Highlight Highlight Why Drugs?

    That‘s why, kids.
    Benutzer Bild
  • JaHO 06.12.2019 08:44
    Highlight Highlight Super, ich mag diese Unvergessen Artikel :)
    Apropos Abstieg da war ja was bei GC in letzter Zeit :P
  • Max Müsterlein 06.12.2019 08:29
    Highlight Highlight GC hat in der NLA gespielt?
    • hopplaschorsch12 06.12.2019 08:56
      Highlight Highlight Du hast einen Comedy-Award gewonnen?
  • neutrino 06.12.2019 07:41
    Highlight Highlight Super Artikel! Aber warum muss man dazu Schwarzweiss-Fotos bringen - 1992 war schon längst alles farbig.
    • Ralf Meile 06.12.2019 10:49
      Highlight Highlight Privat schon, aber eine Zeitung farbig zu drucken, war damals enorm teuer. Viele Blätter verzichteten darauf. Deshalb sind auch die Pressefotos jener Zeit in aller Regel Schwarz-Weiss, leider.
    • neutrino 06.12.2019 10:58
      Highlight Highlight Ok, danke für die Info! Hab gedacht, das ist ein Gag von euch;-)
  • Gattaca 06.12.2019 07:31
    Highlight Highlight Kann mich an beide Ereignisse erinnern. Das aber beides (EWR - Abstimmung + GC definitiv in der Abstiegsrunde) am gleichen Wochenende stattfand war mir nicht mehr bewusst. Das muss ja für einen GC Fan der gleichzeitig Befürworter des EWR war das totale Waterloo gewesen sein ......
    • Burkis 06.12.2019 09:26
      Highlight Highlight Genau so hab ich das erlebt...
  • Padawan 06.12.2019 06:37
    Highlight Highlight Herrlich zu lesen 😁 wie war damals das Ligasystem? Die letzten vier mussten in einer Gruppe mit den Nati B Teams um Auf-/Abstieg spielen?
    • satyros 06.12.2019 07:56
      Highlight Highlight Ungefähr. Damals gab es noch eine zweigleisige NLB (Ost und West) und die Auf-/Abstiegsrunde wurde in zwei Gruppen durchgeführt, mit jeweils zwei NLA- und sechs NLB-Teams, die um zwei Plätze in der NLA spielten. GC musste in die "Todesgruppe" mit Basel und Luzern.
    • Entenmann 06.12.2019 08:02
      Highlight Highlight Genau, die vier letzten der NLA gegen die vier ersten der NLB. Und für die Finalrunde der ersten acht wurden die Punkte halbiert. Im Herbst interessierte daher praktisch nur der "Strich"...
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