Sempach wird Schwingerkönig und erhält von Christian Stucki ein «Müntschi»
Die Berner drücken dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest im bernischen Burgdorf dne Stempel auf. Nach fünf Gängen liegen bis zum fünften Platz nur die starken Berner und das Einteilungsgericht muss bereits im sechsten Gang die Schwinger aus dem eigenen Verband aufeinander loslassen.
Zwei Führende sind Matthias Sempach und Christian Stucki. Beide Bösen haben sich in den ersten fünf Gängen keine Blösse gegeben und gingen stets als Sieger aus dem Sägemehl. Dies ändert sich aber im sechsten und siebten Durchgang. Während Sempach zweimal siegt, lässt Publikumsliebling Stucki Punkte liegen und stellt gegen Matthias Glarner und Christoph Bieri.
Aufgrund des hohen Vorsprungs von Sempach gibt es für alle ausser dem Leader einen Extragang, um den zweiten Schlussgangteilnehmer zu ermitteln. Erst zum zweiten Mal in der Geschichte des ESAF kommt es zu dieser Entscheidung. Stucki setzt sich gegen Edi Philipp durch und sammelt zehn Punkte.
Im Schlussgang gegen seinen Verbandskollegen geht es für Stucki «nur» noch um einen Viertelbonuspunkt, der aber reichen würde, um bei einem Sieg König zu werden. Favorit ist aber ganz klar sein Verbandskollege. Sempach reicht bereits ein Gestellter und er hat einen Gang weniger in den Beinen. Für Stucki spricht die Vergangenheit. Beim Kilchberger Schwinget 2008 standen sie sich ebenfalls im Schlussgang gegenüber und Stucki gewann das Fest mit einem Gestellten.
In den ersten fast zwölf Minuten des Schlusgangs in Burgdorf passiert fast nichts. Stucki versucht zweimal anzugreifen und hebt seinen Gegner in die Luft, aber Sempach lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Mit einem Fussstich drei Minuten vor dem Ende gelingt Sempach der entscheidende Zug und er bringt Stucki zu Boden. Nach kurzer Ringerei im Sägemehl ist es geschafft: Stucki verliert zum ersten Mal im Jahr 2013 und Sempach ist Schwingerkönig.
Als beide noch im Sägemehl liegen, kommt es bereits zur ersten Umarmung. Wenig später küsst Stucki seinen Kontrahenten, welcher Tränen in den Augen hat, auf die Stirn. Der gelernte Förstwart ist zwar nicht Schwingerkönig, wird dafür bei der «Nacht vom Schwingsport» zum «König der Herzen» gekürt.
Das Stucki im Moment seiner wohl grössten Niederlage so reagiert, brachte ihm landesweit viele Sympathien ein. Dazu sagt Schwingerkönig Sempach einige Wochen später bei g&g weekend: «Ich bin jetzt halt der, der eher grännt – und der Chrigu verteilt ab und zu gern Müntschi.»
Sechs Jahre später klappt es für Stucki dann doch noch mit dem Königstitel. In Zug setzt sich der 1,98 Meter grosse Hüne im Schlussgang gegen Joel Wicki durch. Damit krönt der damals 34-Jährige seine Karriere und steigt in den grossen Schwingolymp auf. 2023 endet die erfolgreiche Karriere von Stucki.
Sempach gewinnt ein Jahr nach dem Königstitel auch das Kilchberger Schwinget. 2018 im Alter von 32 Jahren hängt der Landwirt seine Schwinghosen aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel.
