Nach «Malvinas»-Banner: Falkland-Spannungen zwischen England und Argentinien nehmen zu
So hielten nach dem Spiel mehrere argentinische Spieler, etwa Giovani Lo Celso, Lisandro Martinez und Nicolas Otamendi, ein Tuch in die Luft mit der Aufschrift «Las Malvinas son argentinas» – auf Deutsch «Die Falklandinseln sind argentinisch». Es handelt sich dabei um eine politische Botschaft: Argentinien erhebt weiterhin Anspruch auf die Inselgruppe im Atlantik. 1982 kam es zum Krieg zwischen Grossbritannien und Argentinien um das Gebiet, den die Briten gewannen. Die Inseln sind heute deshalb noch immer britisches Überseegebiet.
Wer genau den Schriftzug auf das Banner gesetzt hat, ist noch immer unklar. Doch dass es die Argentinier nach ihrem Sieg in die Luft hielten, sorgt in England für mächtig Ärger. «Das ist völlig unangemessen», sagte der britische Wirtschaftsminister Peter Kyle gegenüber Sky News. «Politik sollte sich vom Fussball fernhalten. Das ist ein ganz klarer Grundsatz der Weltmeisterschaft.»
Auch Ex-Minister Tobias Ellwood zeigte sich angesäuert. «Hier ging es nicht nur darum, England zu provozieren, sondern auch darum, Argentinien dabei zu helfen, die Demütigung von 1982 zu verarbeiten – die das Land noch heute beschäftigt», wird er beim «Standard» zitiert. Das sei eine «jämmerliche Aktion», so Ellwood.
Noch deutlichere Worte fand der britische TV-Moderator Piers Morgan. Dieser kommentierte das Bild auf X mit den Worten: «Klassenlose Idioten. Ich hoffe, Spanien schlägt sie im Finale genauso haushoch, wie wir sie im Falklandkrieg geschlagen haben.»
Classless pr*cks.
— Piers Morgan (@piersmorgan) July 16, 2026
I hope Spain beat them as badly in the Final as we beat them in the Falklands War. pic.twitter.com/mC1YWVWfIb
FIFA nun gefordert
Der Tenor in England ist klar: Sowohl Kyle als auch Ellwood fordern die FIFA auf, zu handeln. Dies müsste sie gemäss IFAB-Reglement tatsächlich tun: Dieses untersagt politische und religiöse Botschaften durch eine Mannschaft oder einzelne Spieler. Vergehen muss die FIFA sanktionieren.
Wie die Strafe genau aussehen könnte, ist derweil unklar. Die FIFA hat sich bislang nicht zum Fall geäussert. 2014 gab es allerdings schon einen ähnlichen Fall: Schon damals posierten argentinische Spieler vor einem Banner mit derselben Überschrift. Dafür wurde dem argentinischen Verband eine Strafe in der Höhe von 20'000 Pfund (knapp 22'000 Franken) aufgebrummt.
Vizepräsidentin provoziert mit Video
Die Lage zwischen Argentinien und Grossbritannien bleibt derweil auch nach dem Spiel angespannt. Die argentinische Vizepräsidentin Victoria Villarruel sorgte nach dem Spiel für Aufruhr, indem sie auf X ein Video postete, das gemäss «Forbes» argentinische Soldaten 1982 auf den Falkland-Inseln zeigen soll. «Es war kein Spiel wie jedes andere», schrieb Villarruel dazu.
¡Argentina finalista del mundo! Gracias Enzo, Gracias Lautaro, Gracias Selección Argentina por darnos una alegría más! 🇦🇷 ¡No era un partido más! pic.twitter.com/JL5NoIt8Kj
— Victoria Villarruel (@VickyVillarruel) July 15, 2026
Villarruel hatte schon vor dem Spiel die Stimmung angeheizt. Sie bezeichnete die Engländer als «Piraten-Usurpatoren» und erklärte, nicht «politisch korrekt» zu bleiben. So gehe es darum, «den Invasoren Einhalt zu gebieten».
Argentinien meldet Vorfall
Am Donnerstagmorgen ging der Zwist weiter. Der argentinische Aussenminister Pablo Quirno beschuldigte die britische Marine, ein Schiff sei Anfang Monat «illegal» in die Gewässer des südamerikanischen Landes gelangt. Er sprach von einer «militärischen Intervention».
Argentinien erklärte, es handle sich um die HMS Medway, ein Patrouillenboot. Die Durchfahrt sei nicht mit der argentinischen Regierung abgesprochen gewesen. Man habe deshalb einen formalen Protest gegen das Vorgehen eingereicht. (dab)
