DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Giuliani und der Bus

Bild: montage: watson/lea, material: keystone, shutterstock

Analyse

Wirft Trump jetzt Giuliani unter den Bus?

Der Präsident will plötzlich nicht gewusst haben, was sein persönlicher Anwalt in der Ukraine im Schild geführt hat.



Bill O’Reilly war einst Starmoderator bei Fox News, bevor er wegen sexueller Belästigung gefeuert wurde. Nun arbeitet er als Radio-Moderator. Aus alter Freundschaft hat ihm Präsident Trump ein Interview gewährt. Es hat es in sich. Hier ein Ausschnitt:

O’Reilly: «Was hat Rudy Giuliani für Sie in der Ukraine unternommen?»
Trump: «Das müssen Sie Rudy fragen. Ich wusste nicht einmal, dass er in die Ukraine fährt. Ausser mir hat Rudy noch weitere Klienten.»
O’Reilly: «Sie haben ihn also nicht in die Ukraine geschickt?»
Trump: «Nein.»

Republican presidential candidate Donald Trump speaks during his interview with Bill O'Reilly on the Fox news talk show

Donald Trump und Bill O'Reilly bei einem Interview in den alten Fox-News-Tagen. Bild: AP/AP

Einmal mehr lässt einen die Unverfrorenheit von Trump das Blut in den Adern gefrieren. Wie kann er nur behaupten, er hätte Giuliani nicht in die Ukraine geschickt? In der vom Weissen Haus veröffentlichten Zusammenfassung des Telefongesprächs zwischen Trump und Wolodymyr Selenskyj, dem Präsidenten der Ukraine, wird der US-Präsident wie folgt zitiert:

«Mr. Giuliani ist ein sehr respektierter Mann, und ich möchte, dass Sie ihn anrufen. Ich werde ihn bitten, Sie anzurufen, zusammen mit dem Justizminister. Rudy weiss Bescheid, und er ist ein sehr fähiger Typ. Wenn Sie mit ihm sprechen könnten, wäre das super.»

In den Hearings des Intelligence Committees der vergangenen beiden Wochen war der Name Rudy Giuliani allgegenwärtig. Zeuge um Zeuge erklärte, er sei der Kopf der Schattenregierung gewesen, die in privater Mission die offizielle US-Aussenpolitik unterlaufen und den neu gewählten Präsidenten Selenskyj unter Druck gesetzt habe – und zwar auf ausdrückliches Geheiss Trumps.

FILE - In this Wednesday, Nov. 20, 2019, file photo, U.S. Ambassador to the European Union Gordon Sondland testifies before the House Intelligence Committee on Capitol Hill in Washington, during a public impeachment hearing of President Donald Trump's efforts to tie U.S. aid for Ukraine to investigations of his political opponents. For readers of some prominent regional newspapers, following the impeachment inquiry is a far different experience depending on whether you seek out newsprint or go digital. Copies of the Charlotte Observer, Tampa Bay Times, Indianapolis Star, St. Louis Post-Dispatch and Idaho Statesman that arrived on doorsteps Thursday all had a story about Ambassador Gordon Sondland’s testimony at the top of their front pages. Yet if you clicked onto each newspaper’s web site mid-morning, you’d see a different lead story. (AP Photo/Andrew Harnik, File)
Gordon Sondland

Unmissverständliche Aussagen: EU-Botschafter Gordon Sondland. Bild: AP

Am deutlichsten drückte sich Gordon Sondland, der von Trump eigenhändig eingesetzte EU-Botschafter, aus. Er wurde am 20. Mai zusammen mit Energieminister Rick Perry und Sonderbotschafter Kurt Volker ins Weisse Haus beordert, um über den Stand der Dinge in Kiew zu berichten.

Den «drei Amigos» war bald klar, woher der Wind weht: «Fragt Rudy», wurden sie vom Präsidenten aufgefordert. «Wir wussten, dass wir uns an die Direktiven von Giuliani zu halten hatten», so Sondland.

«Ask Rudy» erinnert an «ask Michael». Das erklärte Trump seinerzeit auf die Frage von Journalisten, ob er von den Schweigegeld-Zahlungen an den Pornostar Stormy Daniels gewusst habe. Mit Michael war Michael Cohen gemeint, Giulianis Vorgänger als Trumps persönlicher Anwalt.

epa07402713 Michael Cohen, former attorney to US President Donald J. Trump, reacts while listening to the closing remarks of House Oversight and Reform Committee Chairman Elijah Cummings, while appearing before the House Oversight and Reform Committee in the Rayburn House Office Building in Washington, DC, USA, 27 February 2019. Cohen is scheduled to testify before three congressional committees over three days. Lawmakers plan to grill the convicted felon over the Trump Tower Moscow project, and Cohen's facilitation of hush money payments to two women who alleged to having affairs with Trump before he took office.  EPA/MICHAEL REYNOLDS

Trumps ehemaliger Fixer Michael Cohen vor dem Kongress. Bild: EPA/EPA

Selbstverständlich hatte Trump auch damals schamlos gelogen. Er wusste von den Zahlungen, wie sich später herausstellte. Rechtlich gesehen ist er damit «nicht angeklagter Mitverschwörer». Cohen sitzt nämlich wegen diesen Zahlungen im Knast. Weil ein amtierender Präsident nicht angeklagt werden kann, darf Trump weiterhin im Weissen Haus sitzen.

Im für ihn schlimmsten Fall nicht mehr allzu lange. Das Justizkomitee hat angekündigt, dass die rechtlichen Hearings schon am 4. Dezember beginnen werden. (Die Hearings vor dem Intelligence Committee waren gewissermassen die Untersuchungen.) Die Lage für Trump verschlechtert sich täglich:

Das Urteil im Fall McGahn könnte weitreichende Folgen haben. Es ist nicht nur eine schallende Ohrfeige an Trump und seinen Anspruch, über dem Gesetz zu stehen. Es könnte auch bedeuten, dass die Schwergewichte im Weissen Haus – Aussenminister Mike Pompeo, Energieminister Rick Perry und Stabschef Mick Mulvaney – in den Zeugenstand gezwungen werden.

Besonders gespannt wartet Washington derweil auf John Bolton, den gefeuerten Sicherheitsberater. Er nimmt seine Entlassung nicht auf die leichte Schulter und provoziert laufend mit Andeutungen. Er wisse von Sitzungen, die bisher noch nicht bekannt seien, liess er via seinen Anwalt wissen. Das Weisse Haus habe nun seinen Twitter-Account deblockieren müssen, erklärte er selber.

epa07832880 (FILE) - US National Security Advisor John Bolton speaks to media at the Palace of Independence in Minsk, Belaru, 29 August 2019 (Reissued 10 September 2019). Trump tweeted on 10 September 2019 that he asked his national security advisor John Bolton to resign and that he will name a new advisor on the following week.  EPA/TATYANA ZENKOVICH *** Local Caption *** 55425122

Ziert sich (noch): Der gefeuerte Sicherheitsberater John Bolton. Bild: EPA

Bolton hat einst gesagt, Giuliani sei eine Handgranate, die ihnen im Gesicht explodieren werde. Nun ist er selbst ein ungelenktes Projektil geworden, welches das Weisse Haus in die Luft jagen könnte.

Was Rudy Giuliani betrifft: Er wird sich kaum wie Cohen abschlachten lassen. «Ich habe Versicherung», liess er kürzlich in einem Interview mit Fox News in klassischem Mafia-Speak durchblicken. Wenige später präzisierte er eilig, er habe damit nicht auf den Präsidenten anspielen wollen.

epa07883526 (FILE) - Former New York City Mayor Rudy Giuliani (L) poses with US President Donald J. Trump at the clubhouse of Trump International Golf Club, in Bedminster Township, New Jersey, USA, 20 November 2016 (reissued 30 September 2019). The House Committees of Foreign Affairs, Oversight, and Intelligence issued a subpoena for Rudy Giuliani, President Trump's personal lawyers, demanding that he produce communications and records related to Ukraine in connection with the impeachment inquiry.  EPA/PETER FOLEY  ALTERNATIVE CROP

Ein Bild aus besseren Tagen: Rudy Giuliani und Donald Trump. Bild: EPA

Doch Trump wird wissen, was sein Anwalt gemeint hat und an wen die Botschaft adressiert war. Will er Rudy tatsächlich unter den Bus schmeissen, muss er sich warm anziehen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Trumps «Impeachment» erklärt:

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Chlorothalonil: Syngenta lässt dem Bund einen Maulkorb verpassen

Der Agrochemiekonzern Syngenta Agro hat im Zusammenhang mit einem Fungizid abermals erreicht, dass der Bund Informationen zu möglichen krebserregenden Folgen des Mittels nicht verbreiten darf. Das Bundesverwaltungsgericht hiess einen Antrag der Syngenta gut.

In einer am Donnerstag veröffentlichten Zwischenverfügung erteilt das Bundesverwaltungsgericht dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) klare Anweisungen: Das Bundesamt darf vier verschiedene Abbaustoffe, …

Artikel lesen
Link zum Artikel