Wirtschaft
Digital

Anthropic schlägt Pause im KI-Wettlauf vor: Gefahr durch Kontrollverlust

Gefahr durch Kontrollverlust: Anthropic schlägt Pause im KI-Wettlauf vor

Das 1-Billionen-Dollar-Startup warnt: Modelle der künstlichen Intelligenz könnten bald in der Lage sein, sich ohne menschliche Beteiligung weiterzuentwickeln.
05.06.2026, 09:0105.06.2026, 09:01

Das KI-Unternehmen Anthropic bringt eine Pause bei der Entwicklung leistungsstarker Künstlicher Intelligenz ins Gespräch. «Wir glauben, dass es gut für die Welt wäre, die Option zu haben, die Entwicklung besonders fortgeschrittener Modelle zu verlangsamen oder zu pausieren», hiess es in einem Blogeintrag des KI-Entwicklers.

Ziel wäre, in dieser Zeit gesellschaftliche Strukturen anzupassen sowie die Forschung voranzutreiben, die sicherstellen soll, dass Künstliche Intelligenz im Interesse der Menschen agiert.

Anthropic räumte ein, dass für einen solchen Schritt ein Einvernehmen der grossen Entwickler Künstlicher Intelligenz notwendig wäre. Bisher ist in der Branche keine Bereitschaft dazu zu erkennen. Die Unternehmen überbieten sich eher mit Plänen, hunderte Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur wie gewaltige Rechenzentren zu investieren.

Keine einseitige Pause

Auch Anthropic-Chef Dario Amodei hatte etwa auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos im Januar betont, dass der KI-Wettlauf mit China eine Verlangsamung der Entwicklung sehr stark erschwere, da es kaum eine durchsetzbare Vereinbarung geben könne. Einseitige Pausen lehnt Anthropic ab: Dies würde nur ändern, wer vorn liege.

Dario Amodei, Co-Gründer und CEO der US-amerikanischen KI-Entwicklerfirma Anthropic, 2024.
Dario Amodei.Bild: imago-images.de

Als konkrete Massnahme will das Forschungsinstitut der KI-Firma nun gemeinsam mit anderen ein System zur Kontrolle ausarbeiten, das Entwicklern die Sicherheit geben soll, dass sich alle Teilnehmer an ein solches Moratorium halten und sich nicht jemand heimlich einen Vorteil verschafft.

Auch Tech-Milliardär Elon Musk hatte sich vor Jahren für eine sechsmonatige Pause bei der KI-Entwicklung ausgesprochen, um Risiken vorzubeugen. Später wurde bekannt, dass er parallel die Gründung einer eigenen KI-Firma vorantrieb.

KI, die sich selbst weiterentwickelt

Auslöser für den aktuellen Vorstoss ist laut Anthropic der schnelle Fortschritt der KI-Modelle, vor allem bei der Fähigkeit, sich selbst zu verbessern und weiterzuentwickeln. Wenn sie dazu in der Lage sein würden, werde das Risiko steigen, dass die Menschen die Kontrolle über die Künstliche Intelligenz verlieren. Der Meilenstein könne schneller erreicht werden als viele Institutionen dazu bereit sein würden, warnte Anthropic.

Die Firma, die die KI-Software Claude entwickelt, tritt oft als Mahner auf und forderte unter anderem auch eine striktere Regulierung der Branche, um Risiken vorzubeugen. Aus dem Weissen Haus von Präsident Donald Trump wurde Anthropic deswegen vorgehalten, dies würde die US-Industrie im globalen Wettbewerb bremsen.

Zuletzt sorgte Anthropic für Aufsehen mit der Software Claude Mythos Preview, die in verschiedenen Programmen zum Teil über Jahrzehnte unentdeckt gebliebene Sicherheitslücken fand. (sda/awp/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Was liebst du an Zürich?
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
81 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
The litterbox incident
05.06.2026 09:14registriert März 2025
Eine Pause ist illusorisch. Das ist wie bei den ganzen Abrüstungsverträgen der letzten 50 Jahre - wer bescheisst, bekommt einen Vorsprung auf die, die sich daran halten. Sogar wenn die Welt sich auf eine KI-Pause einigen könnte, würde die Entwicklung halt im Geheimen weitergehen.
792
Melden
Zum Kommentar
avatar
Interessierter
05.06.2026 09:34registriert Juni 2016
Manchmal denke ich: „Vielleicht gut, dass ich schon so alt bin“.

Was uns hier erwartet kann wirklich gefährlich für uns Menschen werden. Vor allem wenn man an Narzisten wie Trump, Putin und Xi denkt. Jeder hat Angst, dass der andere eh im geheimen weiterentwickelt um sich gegenseitig übertrumpfen zu können.

Es liegt irgendwie in der Psyche der Menschen. Das sieht man auch, auch wenn man an die Bemühungen der Machtmenschen bei der Klimakrise denkt. Es gibt keinen Grund an die Vernunft der Menschheit zu glauben. Es geht immer um Macht oder Geld.
382
Melden
Zum Kommentar
avatar
Gurgelhals
05.06.2026 09:32registriert Mai 2015
Ich übersetze diesen Aufruf mal in Normalsprache:

"Wir haben – natürlich ohne über die Konsequenzen nachzudenken und basierend auf einer unermesslichen Ausbeutung von menschlicher Arbeit und natürlichen Ressourcen – eine massiv fehlerbehaftete und hochgradig ineffiziente (und damit im Kern unwirtschaftliche) Erfindung in die Welt gesetzt und jetzt soll sich diese Welt vorerst mal damit abfinden, während wir in der Zwischenzeit versuchen einen Weg zu finden, wie wir mit diesen Kapitalvernichtungsmaschinen doch noch irgendwie Geld verdienen können."

Gern geschehen.
248
Melden
Zum Kommentar
81
So will die EU dem digitalen «Kill-Switch» von Donald Trump entkommen
Wenn er wollte, könnte der US-Präsident ganz Europa quasi auf Knopfdruck lahmlegen. Mit einer neuen Digitalstrategie will die EU die Abhängigkeit von US-Techkonzernen wie Amazon, Microsoft und Google per Gesetz mindern. Die Schweiz verfolgt einen «sanfteren» Weg.
Die EU-Kommission will mit einem umfassenden Massnahmenpaket dafür sorgen, dass Europa unabhängiger von digitaler Infrastruktur aus den USA und China wird. Dafür soll unter anderem die Nachfrage nach europäischen Halbleitern wachsen, wie aus einem Vorschlag der Brüsseler Behörde hervorgeht.
Zur Story