Wirtschaft
Digital

Apple bleibt dem KI-Rennen fern – das zahlt sich (bis jetzt) aus

epa13272030 People walk past an Apple Store at a shopping mall in Shanghai, China, 30 September 2026. According to China's National Bureau of Statistics, the manufacturing Purchasing Managers&#03 ...
Apple ist gemessen am Aktienwert in diesem Jahr das mit Abstand erfolgreichste Unternehmen unter den «Magnificent Seven».Bild: keystone

Apple bleibt dem KI-Rennen fern – das zahlt sich (bis jetzt) aus

Entgegen dem Trend unter seinen Konkurrenten hegt das Tech-Unternehmen keine grossen Ambitionen im KI-Bereich. Während Meta, Alphabet und Co. ihre enormen Investitionen rechtfertigen müssen, zahlt sich die Strategie für Apple im laufenden Jahr aus.
22.10.2026, 17:4422.10.2026, 18:10

Mark Zuckerberg, CEO von Meta, sagte 2024 Folgendes:

«Ich glaube, in vielerlei Hinsicht sind wir so etwas wie das Gegenteil von Apple. Die verfolgen diesen Ansatz: ‹Wir nehmen uns viel Zeit, feilen daran, bis es perfekt ist, und bringen es dann auf den Markt.› Vielleicht passt das zu ihrer Unternehmenskultur.»

Zuckerberg dürfte diese Sätze nicht ohne Zynismus gesprochen haben, denn die Feindseligkeiten zwischen den beiden Unternehmen haben jüngst stark zugenommen. Seine Aussage erklärt aber den Unterschied in Bezug auf künstliche Intelligenz zwischen den beiden Giganten Apple und Meta – dem Mutterunternehmen von Facebook und Instagram – ziemlich gut.

Zwar gehören beide zu den sogenannten «Magnificent Seven» (die Glorreichen Sieben), also den führenden und grössten Techunternehmen, zu denen auch Microsoft, Alphabet, Amazon, Nvidia und Tesla gehören. Doch während Meta, ähnlich wie die meisten dieser sieben Unternehmen, seit einiger Zeit fast sämtliches Geld auf die Entwicklung von KI und KI-Infrastruktur setzt, fährt Apple eine andere Strategie.

«Apple hat sich dem Wettlauf um KI-Ausgaben widersetzt und setzt darauf, dass letztlich das Kundenerlebnis – und nicht die Investitionen in die Infrastruktur – über den Erfolg entscheidet», erklärte ein Analyst gegenüber dem Guardian.

Apple buhlt mit Nvidia um «wertvollstes Unternehmen der Welt»

Zumindest in diesem Jahr zahlt sich dieses Aussitzen richtig aus: Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg hat die Apple-Aktie im Jahr 2026 um 27 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Der grosse amerikanische S&P-Aktienindex hat in derselben Zeit um 13 Prozent zugelegt, wobei Apple von allen Unternehmen den grössten Beitrag zum Anstieg geleistet hat. Das Unternehmen ist ausserdem in diesem Jahr das mit Abstand erfolgreichste unter den «Magnificent Seven», zumindest gemessen am Aktienwert.

Apple ist, Stand Oktober 2026, zudem die einzige Aktie in dieser Gruppe, die den S&P 500 in vier Zeiträumen – einem Monat, sechs Monaten, einem Jahr und drei Jahren – übertroffen hat.

Die Folge: Apple buhlt mit Nvidia um das Prädikat «wertvollstes Unternehmen der Welt». Im Juli konnte es den Halbleiter-Hersteller gar überholen, seither wurde Apple jedoch wieder knapp eingeholt. Dennoch liegt es nach wie vor mit deutlichem Abstand vor den anderen Tech-Giganten.

Die hohe Bewertung kommt dabei nicht von ungefähr. «Was auch immer KI-Aktien tun, die Apple-Aktie macht genau das Gegenteil», schreibt Bloomberg. Tatsächlich gilt Apple in diesen Zeiten als sicherer Hafen für Anlegerinnen und Investoren, die zwar weiterhin im Tech-Sektor investiert bleiben wollen, die sich aber vor dem Platzen der KI-Blase fürchten.

In den letzten Tagen und Wochen war dies wieder gut zu erkennen: Vergangene Woche, die für die KI-Industrie an den Aktienmärkten eine besonders schlechte markierte, verloren die «Magnificent Seven» 3,1 Prozent an Marktwert. Gleichzeitig sank der Philadelphia Stock Exchange Semiconductor Index, ein Index, der die 30 grössten Halbleiter-Unternehmen der USA abbildet, gar um über 11 Prozent.

Apple trotzte diesem Einbruch und legte um 2 Prozent zu. Dazu dürfte jedoch nicht nur der Umschwung-Effekt – von KI-Aktien auf Apple-Aktien – beigetragen haben, sondern auch die besonders guten Verkaufszahlen für das Anfang September vorgestellte erste Falt-Smartphone des Herstellers.

Laut Apple fiel die Nachfrage nach dem neuen iPhone Duo «geradezu aussergewöhnlich» aus. Demnach hatten sich die voraussichtlichen Liefertermine bereits wenige Minuten nach Beginn der Vorbestellungen auf Ende Januar 2027 verschoben.

Was bei Apple ebenfalls positiv auffällt, ist der sogenannte Free Cash Flow: die Menge an Geld, die einem Unternehmen nach Abzug aller laufenden Kosten und notwendigen Investitionen übrig bleibt. Der Free Cash Flow des Unternehmens hat in den letzten zwölf Monaten wieder zugenommen – ganz im Gegenteil zu demjenigen seiner Konkurrenten.

Während die grossen KI-Unternehmen lange stark positive Cash Flows aufwiesen, verschlingen ihre Investitionen in die KI-Infrastruktur immer mehr von diesem Geld. Alle von ihnen haben einen rückläufigen Free Cash Flow und bei einigen liegt er mittlerweile gar im negativen Bereich.

Apple CEO John Ternus displays the iPhone Duo on Wednesday, Sept. 9, 2026, on the Apple campus in Cupertino, Calif. (AP Photo/Jeff Chiu)
John Ternus
Der neue Apple-CEO John Ternus. Bild: keystone

2025 war es noch anders

Noch im vergangenen Jahr war Apple mit 8 Prozent Wachstum unter den «Magnificent Seven» was die Aktie anbelangt am unteren Rand. Doch dass es dem Konzern weiter so gut läuft, ist nicht sicher. Denn während die Aktie zwar ausserordentlich beliebt ist, lässt der Gewinn – für Tech-Verhältnisse – im Vergleich zu wünschen übrig. Das führt dazu, dass Apples Kurs-Gewinn-Verhältnis derzeit so hoch ausfällt wie seit 2008 nicht mehr.

Laut Daten von Bloomberg wird der in ein paar Wochen kommunizierte Quartalsgewinn ein geschätztes Plus von 15 Prozent aufweisen – was jedoch weit unter dem Gewinnwachstum der anderen Tech-Unternehmen liegt. Darüber hinaus werde erwartet, dass sich das Wachstum im Geschäftsjahr 2027 auf 9,7 und im Geschäftsjahr 2028 auf 5,5 Prozent verlangsamen wird.

Allerdings hat Apple einen Vorteil.

Warum hält sich Apple aus dem KI-Rennen raus?

Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten wird sich der iPhone-Hersteller keine Sorgen machen müssen, den riesigen Erwartungen an die Gewinne, welche die Investitionen in KI abwerfen sollen, gerecht zu werden.

Aber warum hält sich das 1976 gegründete Unternehmen aus einer so zentralen Technologie weitgehend raus? Die Antwort ist nicht ganz einfach, am Ende dürfte es eine Mischung aus «Verschlafen» und bewusster Entscheidung sein.

Wobei es nicht ganz korrekt ist, von einem Raushalten zu sprechen: Auch Apple investiert einige Milliarden in KI-Infrastruktur, nur ist das im Gegensatz zur Konkurrenz sehr wenig.

Zum einen haben Apples eigene KI – heute Apple Intelligence genannt – sowie der weitreichend damit verknüpfte neue Sprachassistent «Siri AI» viele enttäuscht: Es kam zu Verzögerungen in der Einführung und die allgemeine Resonanz fiel verhalten aus. Es war mit ein Grund, weshalb das Jahr 2025 nicht so gut für Apple ausfiel und der Aktienkurs von Februar bis April 2026 zunächst deutlich einbrach.

THEMENBILD ZUM LITERATURTEXT DER SDA: SCHNITTSTELLE ZWISCHEN LITERATUR UND MASCHINE -- 16.02.2018, Hamburg: Eine junge Frau bedient auf einem iPhone die Spracherkennung des Apple-Programms Siri. K
Apples Sprachassistent Siri gibt es seit 2011. Bild: keystone

Während einige bereits diskutierten, ob Apple überhaupt noch zu den «Magnificent Seven» gehören dürfe, änderte das Unternehmen seine Strategie zunehmend – oder besser gesagt: führte sie immer weiter in die entgegengesetzte Richtung seiner Konkurrenz. Dazu gehört entscheidend, dass sich Apple künstliche Intelligenz in Teilen einfach bei anderen Anbietern leiht, statt sie selbst zu entwickeln.

Die Zusammenarbeit mit OpenAI wurde zwar nach wenigen Monaten gekündet und endete in einer Klage von Apple gegen das KI-Unternehmen. Der Vorwurf: das Stehlen von Geschäftsgeheimnissen, um eine eigene Hardware entwickeln zu können. Anfang des Jahres schloss Apple schliesslich einen mehrjährigen Vertrag ab, um Googles Gemini-Modelle und Cloud-Technologie als Basis für künftige KI-Modelle zu nutzen. Geschätzter Kostenpunkt: eine Milliarde US-Dollar pro Jahr – und damit um einiges kostengünstiger als die Entwicklung einer komplett eigenen KI-Infrastruktur.

Damit bleibt Apple mehr Geld für sein Kerngeschäft, allen voran das iPhone. Und genau dort setzt das Unternehmen auf das, was man als «Practical AI» beschreibt: KI wird nicht als eigenständiges Produkt inszeniert, sondern als intelligente Hilfsfunktion, die im eigentlichen Produkt integriert ist und dem Nutzer unterstützend bereitsteht.

Zudem setzt das Unternehmen einiges auf Datenschutz: Wichtige Daten werden, wo möglich, auf den Geräten selbst verarbeitet – ein Alleinstellungsmerkmal, womit sich Apple bewusst von seiner Konkurrenz distanzieren will.

Ob sich diese Strategie am Ende wirklich auszahlt, wird sich noch zeigen. Allerdings hat Apple einen entscheidenden Vorteil: Die Fallhöhe, falls es nicht klappen sollte, ist deutlich geringer als bei der Konkurrenz.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Der «MTV Photo Booth» anno dazumal
1 / 15
Der «MTV Photo Booth» anno dazumal

Los! Wen kennst du noch?

quelle: r/popculturechat
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Bundesratskandidat Wyssmann: «I think my English is okay»
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Meta muss 25 Milliarden wegen Cambridge Analytica zahlen
Der Skandal um die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica erschütterte einst das Vertrauen in Facebook. Jahre später bekommt der US-Techkonzern Meta nun die Quittung – im Bundesstaat New Mexico.
Der Facebook-Konzern Meta soll wegen des Jahre zurückliegenden Datenschutz-Skandals um Cambridge Analytica eine Strafe von 25 Milliarden Dollar zahlen. Zuvor hatten Geschworene im US-Bundesstaat New Mexico entschieden, dass Nutzer mit Blick auf Datenschutz und Redefreiheit von Facebook in die Irre geführt wurden. Der Richter berechnete in seiner Entscheidung einen Strafbetrag von knapp 219,5 Milliarden Dollar - reduzierte ihn dann aber im selben Satz auf 25 Milliarden (20,6 Milliarden Franken).
Zur Story