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Schweizer AKW muss Reaktoren drosseln und informiert mit Newsticker

AKW Beznau, Kanton Aargau.
Das von der Aare umflossene Atomkraftwerk Beznau hat mit der Hitze zu kämpfen.archivBild: Axpo

Schweizer AKW muss Reaktoren drosseln und informiert mit Kühlwasser-Newsticker

Der grösste Schweizer Energiekonzern Axpo fährt die Leistung beider Reaktorblöcke des Atomkraftwerks Beznau herunter. Grund dafür ist die steigende Temperatur der Aare.
24.06.2026, 13:4024.06.2026, 13:40

Bereits vor vier Tagen teilte Axpo mit, die Wassertemperaturen in der Aare genau beobachten zu wollen.

Auf der Firmen-Website wurde extra ein «Kühlwasser-Newsticker» lanciert. Dort will die AKW-Betreibergesellschaft über die Massnahmen wegen der hohen Wassertemperatur informieren. Und nun wurden wegen der anhaltenden Hitze Massnahmen nötig, wie am Dienstag mitgeteilt wurde.

Wo ist das Problem?

Das Kühlwasser des AKW wird der Aare entnommen und wird danach zurück in den Fluss geleitet. Ist die Aare nach der Durchmischung mit dem Kühlwasser wärmer als 25 Grad, muss Axpo die Leistung des Kraftwerks um bis zu 50 Prozent reduzieren. Oder wenn nötig ganz stoppen.

Beträgt die Wassertemperatur auch drei Tage nach der Reduktion der AKW-Leistung noch über 25 Grad, müssten die Reaktoren heruntergefahren werden.

Die Massnahmen sind Bestandteil einer Zwischenverfügung des Bundesamtes für Energie (BFE), die im Nachgang zum Hitzesommer 2018 erlassen wurde. Um die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten, kann laut Axpo von einem Abschalten der Reaktoren abgesehen werden.

Die Drosselung der AKW-Reaktorleistung durch die Betreibergesellschaft ist eine ökologische Schutzmassnahme. Sie beruht auf behördlichen Vorgaben zum Gewässerschutz. Die Aare, ein wertvolles Ökosystem für Tiere und Pflanzen, soll sich nicht weiter erwärmen.

Der Umweltverband Greenpeace warnte in einer Mitteilung vom Dienstag davor, die Atomenergie verschärfe die Folgen der globalen Erwärmung für die Gewässer. «Insbesondere die Fische sind aufgrund der hohen Temperaturen bereits gestresst», lässt sich Florian Kasser, Experte für Nuklearfragen bei Greenpeace, zitieren.

«Diese Situation zeigt, dass Atomenergie und die globale Erhitzung nicht vereinbar sind. Atomenergie ist keine Lösung, sondern verschärft die Folgen des Klimawandels.»
Greenpeace

Tatsächlich spitzt sich die Lage wetterbedingt zu. Laut Prognose von Meteoschweiz ist auch im Gebiet des AKW Beznau in den nächsten Tagen keine Abkühlung zu erwarten.

Wie wird gemessen?

In der Aare bei der Messstation Felsenau beim Ausfluss des Klingnauer Stausees, seien die Temperatur-Höchstwerte innerhalb einer Woche um rund vier Grad gestiegen, berichtete die «Aargauer Zeitung» (AZ) am Dienstagnachmittag. Am Montagabend habe die Station 24,9 Grad gemessen.

Für die tatsächlichen Massnahmen seien nicht die Messwerte der Station Felsenau relevant, jedoch seien die Modellrechnungen der Axpo nicht öffentlich und in Felsenau stehe die nächste Messstation mit öffentlichen Daten.

Zur Temperaturmessung mische das AKW das Wasser aus der Aare, mit dem, das zur Kühlung benutzt wurde. Danach werde der ausschlaggebende Wert berechnet.

Die Axpo gehört dem Staat
Die Axpo ist nicht nur AKW-Betreiberin, sondern der grösste Stromkonzern der Schweiz und vollständig im Besitz der Nordostschweizer Kantone sowie der zugehörigen kantonalen Elektrizitätswerke.
• Beznau (AG): Das älteste noch aktive AKW der Schweiz mit zwei Reaktorblöcken gehört der Axpo zu 100 Prozent. Sie ist die alleinige Betreiberin.
• Leibstadt (AG): Beim leistungsstärksten AKW hält die Axpo die Aktienmehrheit und führt operativ die Geschäfte.
• Gösgen (SO): Am dritten noch aktiven AKW hält die Axpo einen kleineren, strategischen Anteil. Die Geschäftsführung liegt beim Energiekonzern Alpiq.
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Christoph Brand, Geschäftsführer der Axpo.Bild: keystone

Wie war's im Vorjahr?

Ende Juni 2025 musste die Leistung des AKW Beznau reduziert werden, wie die AZ schreibt. Danach sei zuerst einer der Reaktoren und ein Tag später auch der zweite Reaktor und somit das ganze AKW heruntergefahren worden. «Sechs Tage später konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden.»

Was hat das mit Frankreich zu tun?

Auch Frankreich steht wegen seiner starken Abhängigkeit von der Atomergie vor exakt demselben physikalischen Problem, allerdings in einer ungleich grösseren Dimension.

Die staatliche Betreibergesellschaft muss in Hitzesommern regelmässig diverse AKWs drosseln oder ganz abschalten, weil die Flüsse zu wenig Wasser führen oder zu stark aufgeheizt sind, um Kühlwasser aufnehmen zu dürfen.

Wenn die inländische Energieversorgung massiv gefährdet ist – wie etwa im extremen Hitzesommer 2022 –, erlässt die französische Regierung Ausnahmegenehmigungen. Diese erlauben es vorübergehend, dass AKWs noch wärmeres Kühlwasser in die ohnehin überhitzten Flüsse leiten.

Quellen

(dsc)

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