Wirtschaft
International

Kanadas Premier Carney bietet Donald Trump die Stirn

Auf dem Bild: Eine Kollage von US-Präsident Donald Trump und Kanadas Premierminister Mark Carney prügeln sich in Ice-Hockey Ausrüstungen
Bild: watson/keystone/getty
Analyse

Warum Kanada Nein zu Trump sagt

Der US-Präsident holt sich mit seinem dümmsten Handelskrieg eine blutige Nase.
24.08.2026, 13:3524.08.2026, 17:50

Je grösser, desto mächtiger. Mit dieser simplen Überzeugung hat Donald Trump einen Handelskrieg mit Kanada vom Zaun gebrochen. Schliesslich seien die USA viel reicher und stärker als der Nachbar im Norden, so die präsidiale Logik. Dieser habe daher über kurz oder lang gar keine andere Wahl, als das Handtuch zu werfen.

Das mit dem «grösser gleich mächtiger» ist jedoch so eine Sache. Trumps Kumpel Wladimir Putin könnte ein Lied davon singen, versucht doch der russische Präsident seit mehr als vier Jahren erfolglos, die ebenfalls viel kleinere Ukraine in die Knie zu zwingen.

Prime Minister Mark Carney speaks about Canada's response to new U.S. tariffs during a news conference on Parliament Hill in Ottawa on Saturday, Aug. 22, 2026. (Patrick Doyle/The Canadian Press v ...
Mark Carney bei seiner Pressekonferenz am vergangenen Samstag.Bild: keystone

Wie Wolodymyr Selenskyj sich gegen Russland zur Wehr setzt, so bietet auch Mark Carney, Kanadas Premierminister, dem US-Präsidenten die Stirn. Weil die amerikanischen Forderungen immer unverschämter wurden, und der von Trump mit den Verhandlungen beauftragte Jamieson Greer der eher dümmeren Fraktion des Kabinetts zugeordnet wird, hatte Carney am Wochenende die Schnauze voll. Obwohl Trump einmal mehr vollmundig erklärt hatte, ein Deal stehe unmittelbar bevor, brach der kanadische Premier die Verhandlungen ab.

Mehr noch, Carney spricht mittlerweile offen von einem Krieg zwischen den beiden nordamerikanischen Staaten und kündigt seinerseits Massnahmen gegen US-Importe an. «Um unsere Arbeiter und Unternehmer zu schützen, wird Kanada Dollar für Dollar gleichziehen», erklärt Carney und fügt hinzu: «Wir werden keiner Nation erlauben, unsere Zukunft zu bestimmen.»

Grosse Worte, gelassen ausgesprochen, aber was, wenn es ernst gilt? Die amerikanischen Strafzölle sind bereits in Kraft getreten. Wird also der kanadische Premier nicht bald Kreide fressen und im Weissen Haus zu Kreuze kriechen müssen?

Derzeit ist dies mehr als unwahrscheinlich. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens einmal betreffen die 50 Prozent Strafzoll, die Trump jetzt in Kraft gesetzt hat, nur 20 Milliarden Dollar der kanadischen Produkte, die amerikanische Konsumenten kaufen. Insgesamt belaufen sich die kanadischen Exporte derzeit auf 382 Milliarden Dollar jährlich. Betroffen sind vor allem Holz, Papier, Milchprodukte, Kleider und Alkohol. Darunter leiden werden primär kanadische KMU und amerikanische Konsumenten, doch sie bedeuten noch nicht das Ende der Welt.

Das ganze Zoll-Chaos aufzudröseln ersparen wir uns an dieser Stelle.

CHICAGO, IL - FEBRUARY 03: Jack Daniels Tennessee Whiskey is offered for sale at a liquor store on February 3, 2015 in Chicago, Illinois. Sales of U.S. produced bourbon and Tennessee whiskeys were up  ...
In Kanada nicht mehr erwünscht: amerikanischer Whiskey.Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Vor allem jedoch hat Trump die kanadische Mentalität vollkommen falsch eingeschätzt. Carneys resolutes Nein an die Adresse des Weissen Hauses wird von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung nicht nur ausdrücklich begrüsst, sondern geradezu gefordert. Der kanadische Podcaster Stephen Marche streicht in einer Gastkolumne in der «New York Times» denn auch die unterschiedliche Mentalität der beiden nordamerikanischen Nachbarn hervor:

«Die grosse Diskrepanz zwischen den Kanadiern und den Amerikanern – vor allem bei den Männern – ist ihre grundsätzliche Vorstellung, was Respekt verdient», so Marche. «Für die Amerikaner ist es die Fähigkeit, Macht auszustrahlen und Dinge zu erreichen, zu gewinnen. Das sind die wichtigsten Tugenden. In Kanada ist die herausstechende Tugend Zähigkeit, die Fähigkeit durchzuhalten.»

Carneys Kampfansage an Trump findet daher auch bei seinen politischen Gegnern Zustimmung. Selbst Pierre Poilievre, der sich als eine Art kanadische Antwort auf Trump profilieren wollte und damit die letzten Wahlen gegen Carney verlor, stellt sich jetzt hinter seinen Premier.

Doug Ford, der ebenfalls konservative Gouverneur der Provinz Ontario, fordert gar noch eine härtere Linie gegen die USA. «Präsident Trump ist der Typ, der dir am ersten Tag das Pausengeld stiehlt», erklärte er am Samstag vor Journalisten. «Am zweiten Tag klaut er dir die Kochmütze vom Kopf und am dritten deine Joggingschuhe. Diesem Typen kann man auf keinen Fall vertrauen.»

Doug Ford, Premier of Ontario, gives a thumbs up after a Canadian celebration for the opening of Gordie Howe International bridge connecting Detroit and Windsor, Ontario Friday, July 24, 2026, in Wind ...
Doug Ford, der kämpferische Gouverneur der Provinz Ontario.Bild: keystone

Sich mit Ford anzulegen, ist im Übrigen keine gute Idee für die US-Amerikaner. So bezieht New York einen grossen Teil seines elektrischen Stroms aus Ontario.

Vor allem aber steht die kanadische Bevölkerung hinter Carney. 75 Prozent finden es in Ordnung, dass er die Verhandlungen hat platzen lassen. «Die meisten Kanadier sind in der Stimmung für eine aggressive Haltung», erklärt David Coletto vom Umfrageinstitut Abacus Data in der «New York Times».

Ganz anders sieht es hingegen bei Trump aus. Der US-Präsident steckt in einem historischen Umfragetief. Seine Handelspolitik wird immer heftiger kritisiert, mittlerweile gar von Republikanern. Susan Collins, eine Senatorin aus dem Bundesstaat Maine – einem Grenzstaat zu Kanada –, beklagt die «höheren Kosten und die Unsicherheit für die Wirtschaft in Maine». Collins muss im November ihren Sitz verteidigen.

Mike Pence, Trumps ehemaliger Vizepräsident, erklärte am Sonntag auf CNN: «Das Letzte, was wir jetzt gebrauchen können, ist ein Handelskrieg mit Kanada.» Das «Wall Street Journal» spricht derweil auf seiner konservativen Meinungsseite vom «dümmsten Handelskrieg» und stellt fest, dass dieser Krieg weder wirtschaftlich noch politisch Sinn ergebe.

Tatsächlich haben die USA derzeit genügend andere wirtschaftliche Probleme. Die Staatsschulden haben soeben die 40-Billionen-Dollar-Grenze überschritten. Das hat zur Folge, dass die Zinsen für die langfristigen Staatsanleihen steigen und steigen. Das wiederum führt dazu, dass auch die Zinsen für Hypotheken, Auto- und andere Kredite anziehen und damit die Erschwinglichkeitskrise und die Inflation antreiben. Bisher ist es weder dem neuen Fed-Präsidenten Kevin Warsh noch Finanzminister Scott Bessent gelungen, diesen Trend zu brechen.

Donald Trump photographed playing tennis at Mar-A-Lago while wearing an all-white outfit, February 13, 2000.

https://www.reddit.com/r/HistoryPorn/comments/18nnpqr/donald_trump_photographed_playing_te ...
Immer dicker: Donald Trump.Bild: reddit

Den Präsidenten hingegen plagen andere Sorgen. Seine Frau Melania ist anscheinend ob seines Verhältnisses zum «menschlichen Drucker» Natalie Harp verstimmt. Weil er sich mehr als unvernünftig ernährt, hat er in den letzten Jahren rund zehn Kilo zugelegt und bewegt sich mittlerweile an der Grenze zur Fettleibigkeit.

Scott Kahan, Direktor des National Center for Weight und Wellness, erklärt dazu in der «Washington Post»: «Wir wissen, das Fettleibigkeit ein grosses Risiko für die Gesundheit ist. Den Präsidenten davor zu schützen, sollte daher für den Sicherheitsdienst höchste Priorität haben.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Derweil, in Kanada ...
1 / 21
Derweil, in Kanada ...
quelle: instagram.com/p/bve7mrsayd0/ / instagram.com/p/bve7mrsayd0/
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Kanadas Premier Carney wehrt sich gegen Trumps Politik
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
95 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Dr. Atomi
24.08.2026 13:40registriert Juli 2024
Weshalb ziehen andere Länder nicht genauso ihr Ding durch wie Kanada.
Würden alle zusammenhalten, dann wäre die Politik von Trump schlagartig um 180 Grad anders.
3192
Melden
Zum Kommentar
avatar
El_Chorche
24.08.2026 13:59registriert März 2021
"Warum Kanada Nein zu Trump sagt"

Die Antwort lautet Rückgrat und Ehrgefühl... etwas, was unsere BR nur aus Romanen oder Filmen kennt
3057
Melden
Zum Kommentar
avatar
PxlP
24.08.2026 13:46registriert November 2015
"In Kanada nicht mehr erwünscht: amerikanischer Whiskey." Als Bildunterschrift unter dem meistverkauften schottischen Whisky.
15316
Melden
Zum Kommentar
95
Frankreich und Saudi-Arabien einigen sich über Mega-Manga-Park bei Paris
Was verbindet den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman? Beide sind begeisterte Anime-Fans. Nun sollen in Frankreich mit saudischem Geld gleich drei Freizeitparks entstehen. Einer davon soll der Kult-Serie «Dragon Ball Z» gewidmet werden, die es beiden Männern gleichermassen angetan hat.
Zur Story