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Trump-Zölle: Handelsdefizit der USA steigt im August 2026 wieder

WASHINGTON, D.C., UNITED STATES - OCTOBER 05: U.S. President Donald Trump speaks to press members before boarding Marine One on the South Lawn of the White House in Washington, D.C., on October 5, 202 ...
Noch nie haben die USA so viel Güter importiert wie im August 2026.Bild: Anadolu

Trumps Zölle verfehlen ihr Ziel: Das US-Handelsdefizit wächst wieder

Mit Zöllen wollte Präsident Donald Trump das US-Handelsdefizit verkleinern. Doch im August 2026 importierten die USA so viel wie nie zuvor. Vier Grafiken zu Trumps liebstem Wirtschaftsmassstab.
13.10.2026, 13:2613.10.2026, 13:57

Das Handelsdefizit der USA ist so gross wie seit März 2025 nicht mehr. Damals deckten sich heimischen Unternehmen kurz vor Trumps grossem Zollpaket vom 2. April noch auf Vorrat ein. Gemäss dem U.S. Bureau of Economic Analysis (BEA) lag der Wert der importierten Güter der USA im August 2026 105,6 Milliarden US-Dollar über dem Wert der exportierten Güter.

Kurz vor den Midterm-Wahlen entwickelt sich für Trump damit ein wichtiger Messwert wirtschaftlicher Stärke in die falsche Richtung: die Handelsbilanz – also der Unterschied zwischen wie viel ein Land importiert und exportiert.

Grund für das steigende Defizit sind vor allem Importe von Chips, Servern und anderer Technik für den KI-Ausbau. Dazu kamen der durch den Iran-Krieg bedingt höhere Ölpreis und Firmen, die vor neuen Zöllen auf kanadische Waren nochmals rasch Waren auf Lager einführten.

Deshalb führte Trump die Zölle ein

Für Trump zeigt das Defizit, dass andere Länder die USA ausnutzen. Er glaubt, dass die USA mit jedem Import Fabriken und Jobs ans Ausland verlieren würden. Mit Zöllen wollte er das Defizit deshalb verkleinern.

Die Ankündigung der Zölle bewirkte zunächst das Gegenteil: Weil Unternehmen höhere Abgaben fürchteten, kauften sie Anfang 2025 massenhaft auf Vorrat ein. Das Defizit stieg im März 2025 auf einen Rekordwert.

Am 2. April 2025 belegte Trump dann fast alle Importe mit Zöllen. Diese berechnete er grob aus dem Handelsdefizit: Je mehr die USA aus einem Land importierten, als sie dorthin exportierten, desto höher fiel der Zoll aus. Er stützte sich dabei auf ein Notstandsgesetz, das IEEPA.

Weil das Handelsdefizit der USA gegenüber der Schweiz besonders gross war und immer noch ist, kündigte Trump für die Schweiz 31 Prozent an, ab August 2025 galten dann sogar 39 Prozent. Damit war für viele Schweizer Exportfirmen einer der wichtigsten Absatzmärkte in Gefahr.

Im Februar 2026 kippte dann der Oberste Gerichtshof der USA die Notstandszölle: Trump habe seine Befugnisse überschritten. Trump reagierte mit einem globalen Zoll von 10 Prozent, gestützt auf ein Handelsgesetz von 1974. Dieser lief nach 150 Tagen wieder aus.

Seit dem 24. Juli 2026 gilt für Waren aus der Schweiz ein Zoll von 12,5 Prozent. Die USA begründen das damit, dass die Schweiz die Einfuhr von Waren aus Zwangsarbeit nicht verbietet. Für Waren aus der EU sind es 10 Prozent.

Die Schweiz exportierte 2024 Pharmaprodukte für ca. 31 Milliarden Franken in die USA, das entspricht fast 60 Prozent aller Exporte in die Vereinigten Staaten. In dieser Kategorie kamen nur Waren im Wert von 4,7 Milliarden Franken zurück. Die Pharma macht damit allein ungefähr zwei Drittel des Schweizer Überschusses aus.

Für Schweizer Medikamente gilt heute ein Zoll von 15 Prozent.

Fachleute kritisieren Zölle schon lange

Ökonominnen und Ökonomen widersprachen Trumps Grundannahme bereits früh: Ein Handelsdefizit sei für viele der falsche Massstab, um die wirtschaftliche Lage eines Landes zu ermitteln.

Einige Fachleute sehen das Handelsdefizit zwar ebenfalls als besorgniserregendes Symptom für Ungleichgewichte in der globalen Fertigungsindustrie, wie in «The New York Times» zu lesen ist. Viele argumentieren jedoch, dass Zölle kein geeignetes Mittel seien, um das Defizit zu verkleinern.

Zudem landen die Kosten über die amerikanischen Importfirmen meist wieder bei der Kundschaft. Am Ende spüren die Zölle also vor allem die Konsumentinnen und Konsumenten in den USA.

Gemäss Christopher Rupkey, Chefökonom bei Fwdbonds, gebe es zudem schlichtweg keine gute Alternative zu Importen aus dem Ausland. Die amerikanischen Arbeitskosten seien einfach zu hoch, um Waren günstig herstellen und verkaufen zu können.

Tatsächlich kauften die USA im August 2026 Waren und Dienstleistungen für 420,8 Milliarden Dollar im Ausland ein. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Statistik 1992. Den bisherigen Rekord hatten die USA im März 2025 aufgestellt, kurz bevor Trump die Zölle einführte.

Damals deckten sich Firmen vor allem mit Konsumgütern ein. Heute kaufen sie Server, Chips und Netzwerktechnik für den Ausbau der künstlichen Intelligenz. Fachleute erwarten, dass diese Investitionsgüter die Importe bis ins Jahr 2027 hochhalten werden.

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