Kanada kontert: Zölle in Höhe von bis zu 50 Prozent auf US-Güter
Das ist passiert
Kanada gedenkt, den von den USA auferlegten Zöllen «Dollar für Dollar» entgegenzutreten. Dies sagte der kanadische Finanzminister François-Philippe Champagne an einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag (Schweizer Zeit).
Die kanadischen Gegenzölle würden mit einer Rate von 15 bis 50 Prozent auf diverse US-amerikanische Produkte erhoben. Insgesamt werden Güter im Wert von knapp 28 Milliarden kanadischer Dollar (rund 20 Milliarden US-Dollar) verzollt. Die Gegenzölle sollen am 8. September um Mitternacht in Kraft treten.
Die Gegenzölle seien verhältnismässig, sagte Finanzminister Champagne. Zudem befinde sich Kanada schon seit langem im Zollstreit mit dem südlichen Nachbarn, deshalb wisse man genau, welche Produkte zusätzlich verzollt werden müssen. Andere Massnahmen, wie etwa Ausfuhrabgaben auf kanadischen Strom oder Erdöl seien derzeit nicht vorgesehen.
Diese Güter sind betroffen
Die ganze Liste von Gütern, die von den neuen Gegenzöllen betroffen sind, umfasst 99 Seiten. In groben Zügen:
- 50 Prozent auf Stahl und Aluminium (bislang zu 25 Prozent verzollt);
- 50 Prozent auf «diverse Güter», darunter Honig, Möbel und Kleidung;
- 25 Prozent auf Elektrogeräte, Milchprodukte, Fisch und Meeresfrüchte;
- 15 Prozent auf bestimmte Werkzeuge und Maschinen, wie etwa Gabelstapler und Klimaanlagen.
Diese Massnahmen kommen dazu
Industrieministerin Mélanie Joly präsentierte im Zuge der Konferenz ein Paket in Höhe von 7,5 Milliarden kanadischer Dollar, um kanadische Betriebe von den Folgen des Zollstreits zu entlasten.
So sollen etwa Kleinbetriebe zinsfreie Kredite aufnehmen können. Weiter werden betroffene Betriebe mit «baureifen Projekten» von 2 Milliarden CAD unterstützt. Zudem sollen 3.5 Milliarden CAD zur direkten Unterstützung betroffener Arbeitnehmer bereitgestellt werden.
Das ist der Hintergrund
Die USA verhängten am Wochenende Zölle von 50 Prozent auf kanadische Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar - darunter etwa Hockeyschläger, Möbel, Honig und Wein.
Erst am Montag hatte Trump mit einer Erhöhung der Importabgaben für Autos, grosse und kleine Lastwagen, Autoteile und Stahl auf 50 Prozent ab dem 1. Januar 2027 gedroht. Wie in der Vergangenheit könnten Unternehmen die Zölle umgehen, indem sie in den USA produzierten, hiess es weiter. 85 Prozent aller aus Kanada exportierten Autos gingen 2024 in die Vereinigten Staaten.
Derzeit fordern die USA nach kanadischen Angaben auf Basis von Abschnitt 232 des «Trade Expansion Acts» aus dem Jahr 1962 Zölle in Höhe von 25 Prozent auf importierte Autos, Lastwagen und entsprechende Teile. Zudem erheben sie bei Stahl, Aluminium und Kupfer Importabgaben von 10 bis 50 Prozent.
(Ergänzt mit Material der awp/sda/dpa)
