Das dreckige Geschäft der Sweatshops in Italien
Bei Etiketten mit der Aufschrift «Made in Italy» denken die meisten zuerst an Qualität und Luxus. Eine Doku zeigt nun, dass oftmals das Gegenteil der Fall ist. Das Label taucht oftmals in Kombination mit günstiger Kleidung in der italienischen Stadt Prato in der Toskana auf. Die ARD-Doku «Trügerische Etiketten – Chinas Modemafia in Europa» zeigt: in Prato stieg in den vergangenen Jahren die Zahl der chinesischen Bewohnerinnen und Bewohnern rasant an. Zurzeit stellen sie sogar einen Viertel der Bevölkerung des Städtchens dar.
Die chinesischen Bewohnerinnen und Bewohner kauften nach und nach immer mehr Betriebe auf, um darin Kleidung herzustellen. Die Stoffe kommen dabei aus ihrer chinesischen Heimat. Das ursprüngliche Merkmal für Qualität ist bei «Made in Italy» so nicht mehr gegeben, heisst es vom italienischen Mode-Unternehmer Claudio: «Das Wichtigste für sie ist, das Markenzeichen ‹Made in Italy› zu nutzen, aber mit billigen chinesischen Produktionsmethoden und Stoffen. So können sie hier sehr billig produzieren und es als ‹Made in Italy› deklarieren», erklärt er in der Doku.
Schlechte Arbeitsbedingungen
Neben der schlechten Qualität arbeiten die Menschen in den chinesische Ausbeuterbetrieben, den sogenannten Sweatshops, auch unter extrem schlechten Bedingungen. Dumping-Löhne von 700 bis 800 Euro sowie 12-Stunden-Schichten sind hier keine Seltenheit. Hinter den Shops steckt die chinesische Mafia. Die Kriminellen sitzen dabei direkt in der Geschäftsführung der Unternehmen, erzählt der italienische Staatsanwalt Luca Tescaroli. Er soll die Mafia in Prato bekämpfen, schreibt «Focus».
Solche Kleidungsstücke aus den Sweatshops sind überall quer in Europa zu finden. Auch für Luxusmarken wie Armani, Valentino, Versace oder Max Mara produzieren die Sweatshops, schreibt Publiceye vor einigen Jahren. Journalist Stefano Liberti sagt dazu ernüchternd im Beitrag: «Wir kaufen ein T-Shirt und haben keine Ahnung, woher es stammt. Wir wissen gar nichts darüber. Aber wenn wir sehen, dass es Menschen gibt, die zwölf Stunden am Tag für vielleicht 30 Euro arbeiten, sieben Tage die Woche, dann sollten wir uns nicht mehr wundern, warum das T-Shirt nur zehn Euro kostet. Jemand anderes bezahlt den Preis, den du nicht bezahlst.»
(kek)
