Raketenalarm kostet ukrainische Wirtschaft 37,5 Millionen Franken pro Stunde
Die Sirenen ertönen, Menschen suchen Schutz in Bunkern – und das Wirtschaftsleben kommt zum Stillstand. In der Ukraine gehen so jede Stunde, in der Angriffe drohen, umgerechnet rund 37,5 Millionen Franken verloren, wie der Guardian mit Verweis auf den ukrainischen Wirtschaftsminister Oleksandr Krawtschenko berichtet. Denn wenn die Leute in den Bunkern sind, kommt das Geschäft zum Erliegen.
Hinzu kommen russische Angriffe auf die ukrainische Industrie, Logistikzentren und Warenhäuser. Russland versuche, «so ziemlich die ganze Wirtschaft zu zerstören», erklärt der ukrainische Wirtschaftsminister. Allein in diesem Jahr habe Russland so schon einen Schaden von über 8 Milliarden Franken angerichtet.
Jedes Mal, wenn die Sirenen erklingen, müssen die Arbeitnehmenden Schutz suchen. Da manchmal bis zu zehn Stunden pro Tag Sirenen heulen, kostet das viel Geld. Die Regierung hat deshalb kürzlich ein neues System eingeführt, das zwischen Raketen- und Drohnenangriffen unterscheidet. Bei Phase Rot müssen die Leute Schutz suchen, bei Gelb hingegen nicht zwingend.
Seit der Einführung bleiben viele Geschäfte deshalb in der gelben Phase offen. Das heisst aber nicht, dass die Menschen sicher sind. Regelmässig kommt es zu tödlichen Angriffen. Laut Krawtschenko wird deshalb derzeit diskutiert, ob mehr private Unternehmen ein Luftabwehrsystem kaufen dürfen.
Dennoch bleibt der Schaden immens. Krawtschenko dementierte, dass auch Korruption zum Verlust beiträgt. «Die Kriegskosten steigen einfach», sagt er. Zwar hofft die Ukraine auf die Unterstützung von EU-Ländern, doch «die allgemeine Müdigkeit in Europa steigt», sagt der Minister. Er warnt, dass sich die Regierung auf den womöglich «härtesten, rauesten Winter» des Krieges vorbereiten müsse. Immerhin: Von den rund 44 Milliarden Franken, die die Ukraine für 2027 benötigt, wurden dem Land bisher knapp 17 Milliarden zugesichert. (vro)
