Wirtschaft
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SVP-Unternehmer rekrutieren in der EU

Magdalena Martullo-Blocher, CEO der Ems-Chemie spricht an der Bilanzmedienkonferenz der Ems-Gruppe am Freitag, 6. Januar 2026 in Zuerich. (KEYSTONE/Claudio Thoma)
Magdalena Martullo-Blocher ist Vizepräsidentin des Verwaltungsrates, Delegierte des Verwaltungsrates und Mehrheitsaktionärin der Ems-Chemie Holding AG.Bild: keystone

Trotz «Keine 10-Millionen-Schweiz!»-Initiative: SVP-Unternehmer rekrutieren in der EU

02.06.2026, 21:2002.06.2026, 21:29

Während die SVP für ihre Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» Stimmung gegen Zuwanderung macht, wirbt die Firma EMS-Chemie aktiv in der EU um Mitarbeitende. Chefin Magdalena Martullo-Blocher ist Vizepräsidentin der Schweizerischen Volkspartei.

Im Mai tauchten Stellenangebote auf deutschen Seiten wie StudySmarter.de sowie auf internationalen Plattformen wie talent.com und jobsleads.com auf. Auch auf «Frontaliere Ticino» wurden Inserate für italienische Grenzgänger publiziert. Das zeigt eine Recherche von Radio Télévision Suisse (RTS), dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk der französischsprachigen Schweiz.

Blochers Ems-Chemie sucht nach Angestellten auf «studysmarter.de».
Blochers Ems-Chemie sucht nach Angestellten auf «studysmarter.de».Bild: screenshot studysmarter.de

«Für bestimmte Berufe muss EMS-Chemie Spezialisten aus dem Ausland holen. In der Schweiz wird nicht genug ausgebildet», antwortet der Presserdienst auf Anfrage von «RTS». Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 2’800 Personen in der Schweiz, der Ausländeranteil liegt «im Schweizer Durchschnitt» bei 35% im Jahr 2025. watson berichtete bereits 2023 über Stellenausschreibungen der EMS-Chemie im Ausland.

Ein Chemiker-Job in der Hauptfabrik in Graubünden fiel besonders auf. Die Stelle wurde auch im Ausland ausgeschrieben, obwohl sie wegen der hohen Arbeitslosenquote in diesem Berufsfeld zuerst bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren hätte publiziert werden müssen. Die Anzeigepflicht für Berufe mit hoher Arbeitslosigkeit wurde nach der SVP-Initiative gegen Masseneinwanderung 2014 eingeführt. Deshalb übernahm das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Veröffentlichung der Stelle.

Magdalena Martullo-Blocher wollte gegenüber «RTS» keine Auskunft geben.

Frontaliere Ticino ist eine Onlineplattform, die sich an italienische Grenzgänger richtet.
Frontaliere Ticino ist eine Onlineplattform, die sich an italienische Grenzgänger richtet.Bild: screenshot frontaliereticino.ch

Auch Green.ch und Swisslife

Auch andere SVP-nahe Unternehmen handeln ähnlich: Das von SVP-Nationalrat Franz Grüter geführte Unternehmen Green.ch schaltet ebenfalls internationale Stellenanzeigen, und Swiss Life unter Präsident Rolf Dörig sucht gelegentlich auch direkt im Ausland nach Angestellten. Die SVP-Sponsoren Emil Frey und Ernst Fischer AG suchen offiziell nicht in der EU, beschäftigen aber europäische Staatsbürger, «die bereits länger in der Schweiz ansässig» sind.

Politiker kritisieren die Doppelzüngigkeit der SVP: «Hat selbst Frau Blocher keine andere Wahl, als auf ausländische Arbeitskräfte zurückzugreifen, um weiterhin erfolgreich zu sein, haben wir es also mit perfekter Heuchelei bei dieser Initiative für eine 10-Millionen-Schweiz zu tun», kommentiert Mitte-Nationalrat Vincent Maître die Stellenausschreibung.

Von der SVP bezog bisher nur Peter Spuhler, Verwaltungsratspräsident der Stadler Rail AG, öffentlich Stellung gegen die SVP-Initiative. Er hält sie für «zu extrem», da sie die Personenfreizügigkeit beenden würde und Industrie, Forschung sowie Gesundheitswesen nicht mehr genügend Personal rekrutieren könnten.

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84 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Steibocktschingg
02.06.2026 21:32registriert Januar 2018
Klassiker: Problem verursachen, schuld sind aber die anderen.

Wenn es ja so schlimm ist, dass so viele Ausländer hierher kommen, wieso genau gehen all die SVPler nicht mit gutem voran und rekrutieren vor allem Schweizer? Na? Dann sollten ja die Probleme, die sie so bejammern, weniger dringend werden.
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Chris_A
02.06.2026 21:38registriert Mai 2021
Das sind so die alltäglichen Wiedersprüche der Rechtspopulisten. Die machen nicht Initiativen um irgend ein Problem zu lösen sondern ihre Anhänger bei Laune zu halten. Und die wollen immer radikalere Vorstösse. Das immer noch so viele Leute auf die reinfallen ist gelinde gesagt tragisch.
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Cosmopolitikus
02.06.2026 21:38registriert August 2018
Das sind nun wirklich keine News. Dieses Doppelzüngigkeit ist bei der SVP schon lange Programm. Nur scheint es, dass es weder die Partei noch die Wähler selbst in keiner Weise stört. Nur blöd, dass es die anderen Parteien merken und monieren.
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