SVP-Nationalrätin will Importverbot für geschächtetes Fleisch
Bereits seit über 130 Jahren ist das Schächten, also das Töten von Tieren ohne Betäubung, in der Schweiz verboten. In bestimmten Religionsgemeinschaften darf Fleisch jedoch nur dann gegessen werden, wenn das Tier durch Schächten getötet wurde, da dies ihren Speisevorschriften entspricht. So ist das beispielsweise im Islam und im Judentum der Fall.
Damit Gläubige halal beziehungsweise koscheres Fleisch konsumieren können, ist dessen Import in die Schweiz zum Teil gestattet. Die SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel möchte diesen Import jedoch verbieten, schreibt der «Tages-Anzeiger». Dafür hat sie am Dienstag eine Motion eingereicht. Unterstützt wird der Vorstoss ausschliesslich von Mitgliedern der Fraktion der Schweizerischen Volkspartei.
Der Import von geschächtetem Fleisch sorgt immer wieder für Diskussionen. Bereits vor etwa zehn Jahren wollte der SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor die Ausnahmeregelung überprüfen lassen.
Der Import umgehe das Schächtungsverbot
Für Fehr Düsel sei das Tierwohl und die Tierwürde wichtig. Wie medizinische Erkenntnisse zeigten, hätten Tiere beim betäubungslosen Halsschnitt und dem anschliessenden Ausbluten grosse Schmerzen, Todesangst und würden teilweise einen minutenlangen Todeskampf erleiden, sagt sie.
Die Nationalrätin beschreibt die Importerlaubnis als «Paradoxie». «Der Import ist eine Umgehung des inländischen Schächtverbots, und das Tierschutzgesetz wird auf diese Art und Weise ausgehöhlt», sagt Fehr Düsel.
Der Bundesrat hielt 2016 fest, dass ein gleichzeitiges Verbot von Herstellung und Import die Glaubens- und Gewissensfreiheit unverhältnismässig beschränken würde. Die SVP-Nationalrätin findet, die Religionsfreiheit dürfe nicht immer als Gegenargument herhalten:
Fehr Düsel zufolge wäre eine Elektro-Kurzzeitbetäubung der Tiere eine Alternative. Diese würde, laut ihr, bereits von einem Grossteil der muslimischen und jüdischen Gemeinschaften akzeptiert werden.
Kritik von religiösen Verbänden
Der Schweizerische Israelitischen Gemeindebund (SIG) kritisiert den Vorstoss der SVP-Nationalrätin. Jonathan Kreutner, Generalsekretär der SIG, sagt: «Ein Verbot, das die Koscherversorgung in der Schweiz unterbindet, würde jüdisches Leben hier verunmöglichen.»
Eine Betäubung des Tiers vor dem Schlachten erfülle die religiösen Vorschriften für koscheres Fleisch nicht, so Kreutner. Ein Importverbot würde somit erheblich in die Religionsfreiheit eingreifen. Deshalb lehnt der SIG ein entsprechendes Verbot ab.
Laut Fathima Ifthikar, Generalsekräterin der Föderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz (Fids), würde ein Verbot verhindern, dass religiöse Speisevorschriften in der Schweiz gelebt werden. Zwar würden viele Musliminnen und Muslime eine Betäubung akzeptieren, aber nur, wenn das Tier bei der Schlachtung noch lebt. «Entscheidend ist aber auch nicht allein die Zahl der Menschen, die es betrifft. Die Religionsfreiheit schützt gerade auch die Praxis von Minderheiten», sagt sie.
(pem)
