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Hipster gegen Halal: Ein Streit um Pouletschenkel entzweit Frankreich

RECORD DATE NOT STATED Master Poulet Fast-Food Illustration - Paris Master Poulet, Fast-food chain, specialist in halal grilled chicken to take away in Paris, France on April 30, 2026. Photo by Alain  ...
Das umstrittene Fastfoodlokal der Kette Master Poulet in Saint-Ouen bei Paris.Bild: IMAGO / ABACAPRESS

Hipster gegen Halal: Ein Streit um Pouletschenkel entzweit Frankreich

Der Bürgermeister von Saint-Ouen will einen Fast-Food-Imbiss aus seiner Gemeinde werfen. Dahinter steckt ein hart gefochtener Kultur- und Klassenkampf.
07.05.2026, 17:0307.05.2026, 17:03
Stefan Brändle
Stefan Brändle

Die junge Frau mit dem Kopftuch versteht die Aufregung nicht: «Wenn ein Reicher Hühnchen isst, sagt auch niemand etwas. Aber jetzt, wo die Jungen endlich eine erschwingliche Snackbar haben, will der Bürgermeister sie mit allen Mitteln aus dem Ort werfen.»

Master Poulet ist hier in der Gemeinde Saint-Ouen das neue Reizwort. Die Kette surft mit Billigessen auf der aktuellen Modewelle der Hühnerfleisch-Imbissbuden. Mitte April hat sie in dem Vorort nördlich von Paris einen Ableger eröffnet.

Amerikanischer Fast Food stört weniger

Der linke Bürgermeister Karim Bouamrame wirft den Eignern aber vor, sie hätten nicht um die nötigen Bewilligungen ersucht. Ausserdem beklagten sich viele Anwohner über die Gerüche des bis tief in die Nacht geöffneten Hühnergrills.

Ein junger Kunde mit grauem Kapuzenpulli verteidigt hingegen Master Poulet: «Der Bürgermeister will den gut situierten Leuten den Vorrang geben und profitable Unternehmen anziehen. Die wollen keine Schlechtverdiener und Fast-Food-Stände, sondern richtige Restaurants und Brasserien.»

Das erklärt den Feldzug des Bürgermeisters gegen Master Poulet aber auch nur zum Teil. Schliesslich sind McDonald’s und Burger King ebenfalls in Saint-Ouen vertreten – doch am amerikanischen Fast Food stört sich hier niemand. Was hier viele stört: Master Poulet verkauft nur Halal-Fleisch, das nach dem islamischen Ritual geschlachtet wird. Das gilt für die meisten Marken, die in Frankreich seit gut einem Jahr wie Pilze aus dem Boden schiessen, mit Namen wie Chicken Street, Tasty Crousty oder Burger Addict. Sie wenden sich mit ihren Niedrigpreisen vor allem in den Vorstädten von Paris oder Lyon an ein junges, studentisches, prekäres, oft maghrebinisch-afrikanisches, also muslimisches Publikum.

Bruderstreit der französischen Linken

In der Debatte um Master Poulet wird der Halal-Trend aber kaum je angesprochen. Für rote Köpfe sorgt in Saint-Ouen vielmehr die alte Bruderfehde der Linken. Saint-Ouen ist nämlich ein Paradebeispiel städtischer Gentrifizierung. Viele Pariser Familien können die hohen Mieten nicht mehr bezahlen und ziehen über die Ringautobahn um die Hauptstadt hinaus nach Saint-Ouen. Diese Vertreter der bürgerlichen Mitteklasse stossen in Saint-Ouen frontal auf die angestammte Banlieue-Bevölkerung. Diese Arbeiter und Immigranten maghrebinisch-afrikanischer Abstammung entstammen aber einer anderen sozialen Klasse.

Das äusserte sich sehr klar bei den jüngsten Gemeindewahlen im März. Saint-Ouen bestätigte den liberalen und geschäftigen Sozialdemokraten Bouamrame im Amt. Die Nachbargemeinde Saint-Denis wählte dagegen den Linksradikalen Bally Bagayoko, dessen Partei der «Unbeugsamen» sich betont proletarisch und islamfreundlich gibt.

Und Bagayoko verpasste die Gelegenheit nicht, mischte er sich doch frohgemut in den Zoff um Master Poulet ein. Eines abends fuhr er nach Saint-Ouen und kaufte an dem Stand einen Sack voll Hühnerschenkel. Damit drückte er, wie er sagte, seine Solidarität mit der Hähnchen-Kette aus. Seinem Amtskollegen Bouamrame, dem angeblichen Verräter an der linken Sache, zeigte er dagegen lachend den Stinkefinger. In dem sehr französischen Streit mit dem Bürgermeister von Saint-Ouen steht es damit eins zu null für Master Poulet. (aargauerzeitung.ch)

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