Wirtschaft
Schweiz

Forderung der Jungfreisinnigen: Gebühren nach Uni-Abschluss zurückzahlen

Gegen Teilzeitarbeit – junge FDP will, dass Studiengebühren zurückbezahlt werden

31.12.2024, 09:5531.12.2024, 13:40

Die Forderung stammt aus einem Positionspapier zum Thema Bildung, das die Jungfreisinnigen an ihrer Delegiertenversammlung im Dezember verabschiedet haben.

Es umfasst gemäss Tages-Anzeiger zehn Forderungen, darunter die Ausbildung an Fachhochschulen und Universitäten, die sogenannte tertiäre Bildung.

Der brisanteste Vorschlag betrifft dabei die Studiengebühren. Die Jungfreisinnigen um Jura-Student und Präsident Jonas Lüthy fordern, dass diese nach dem Studium unter gewissen Umständen zurückbezahlt werden.

Dies sei eine Reaktion darauf, dass gut ausgebildete Personen in der Schweiz zunehmend Teilzeit arbeiten würden. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagt Lüthy:

«Früher zahlten Akademiker ihre Studienkosten meist indirekt zurück, indem sie nach dem Studium in einem hohen Pensum in einem gut bezahlten Job arbeiteten und genügend hohe Steuern bezahlten. Heute erodiert dieser Gesellschaftsvertrag zunehmend.»

Die Jungfreisinnigen sprechen von einer «nachgelagerten Gebühr», die nur von denen bezahlt werden müsse, deren Einkommenssteuern «unter einem die Studienkosten deckenden Schwellenwert liegen».

Lieber bei Kitas ansetzen

Auf in der Vergangenheit ähnlich lautende Vorschläge folgte umgehend Kritik. So wurde von zwei Bildungswissenschaftlern moniert, dass Frauen von einer Rückzahlungspflicht überproportional betroffen seien, weil sie sich häufiger um die Kinderbetreuung kümmerten, was dazu führe, dass sie entsprechend öfter Teilzeit tätig seien.

Auch SP-Nationalrat Matthias Aebischer kann der Forderung des Jungfreisinns wenig abgewinnen. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagt er: «Die FDP und die Jungfreisinnigen machen Politik für Menschen mit viel Geld – es müsste doch umgekehrt sein: Wer dank seines Studiums später einen guten Job hat und viel verdient, könnte die Kosten seiner Ausbildung zurückerstatten.»

Matthias Aebischer, SP-BE, spricht waehrend einer Debatte im Nationalrat, waehrend der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 13. Maerz 2019 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
SP-Nationalrat Matthias Aebischer.Bild: KEYSTONE

Aebischer fordert die Jungfreisinnigen auf, bei Vergünstigungen für Kitas anzusetzen. Weil diese so teuer seien, führe dies in der Schweiz zu mehr Teilzeitarbeit.

Von einer Teilzeitstrafe will Jonas Lüthy nichts wissen. Die Idee sei geschlechtsneutral formuliert. Es liege in der Verantwortung jedes einzelnen Paars, «sich die Erwerbs- und Familienarbeit so aufzuteilen, dass beide nach dem Studium in einem vernünftigen Pensum arbeiten können».

Auch würde eine Rückzahlungspflicht junge Menschen mit wenig finanziellen Mitteln nicht vor einer akademischen Ausbildung abschrecken, da die Nachzahlungen erst nach dem Studium zu entrichten seien und auch nur von denjenigen Personen, «die sich nicht durch ausreichende Erwerbsarbeit verdient machen».

Wann und in welcher Form die Forderungen auf das politische Parkett kommen, ist derzeit noch offen. (rst)

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288 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Baffes
31.12.2024 10:38registriert November 2017
Tolle Idee. Sehen wir ja in den USA wie gut das funktioniert wo Leute mit 200% Pensum trotzdem bis Ende 40 abbezahlen und andere dank der Zinsen sogar noch länger.
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JonSerious
31.12.2024 10:24registriert Februar 2015
Ja genau, und dann privatisieren wir das Gesundheitssystem und die Gefängnisse. Und was macht eigentlich unsere Waffenlobby, können wir die noch stärken und die Waffengesetze lockern? USA, U... eeeh Hopp Schwiiz!
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goschi
31.12.2024 10:54registriert Januar 2014
Sag mir, dass du eine partei voller Richkids bist, denen die reichen Eltern alles ermöglichen (um dann zu behaupten, du hast alles mit eigenen händen aufgebaut, mit VorsorgeFonds und zinslosen Darlehen im Rücken, wenn nicht direkt dem Erbe), ohne zu sagen, dass du ein totales Richkid bist!
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