So wirkt sich das Erdbeben in Kolumbien auf den Kaffeepreis aus
In den vergangenen Jahren stiegen die Kaffeepreise kontinuierlich an. Gründe dafür waren höhere Kosten für Personal, Energie und Betrieb, hiess es vom Verband Cafetier Suisse. Auch Hitzewellen, Trockenheit und veränderte Niederschlagszeiten sowie Krankheiten und Schädlinge sorgten für Ernteeinbussen.
Auch weiterhin sind die klimatischen Bedingungen in den wichtigsten Ursprungsländern des Kaffees zentral, heisst es von Procafé, der Vereinigung zur Förderung von Kaffee, auf Anfrage. Die Entwicklungen rund um El Niño, Energiepreise, Frachtraten, Währungen und handelspolitische Entscheidungen können die Beschaffungskosten kurzfristig beeinflussen. Der Kaffeemarkt reagiert zudem sehr sensibel auf Erwartungen und kann bereits mit deutlichen Preisbewegungen reagieren, bevor es tatsächlich zu einer Angebotsverknappung kommt.
Die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) weist ausdrücklich darauf hin, dass Angebots- und Nachfrageschocks sowie Erwartungen über die zukünftige Versorgung wesentliche Treiber kurzfristiger Preisbewegungen sind.
Erdbeben in Kolumbien
Nun kommt ein weiteres Problem hinzu: Nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien am 10. August sind nun die Kaffeeexporte ausgesetzt, denn betroffen ist mit dem Hafen Buenaventura das Zentrum des kolumbianischen Kaffeeanbaus. Wie der nationale Verband der Kaffeebauern mitteilt, seien Inspektionen der Infrastruktur sowie Strassenschäden die Gründe dafür.
Auch der Agrarrohstoffhändler Sucafina berichtete von starken Einschränkungen beim Transport in der wichtigsten Anbauregion des Landes. Die Firma ist einer der Hauptabnehmer der hochwertigen kolumbianischen Arabica-Bohnen.
Kolumbien ist nach Brasilien und Vietnam der drittgrösste Kaffeeproduzent der Welt und der führende Anbieter von gewaschenem Arabica-Kaffee. Mit etwa 840'000 Hektar Anbaufläche kommt das südamerikanische Land auf eine Produktionskapazität von jährlich 14 Millionen 60-Kilo-Säcken, schreibt NTV.
Bedeutung für Schweizer Markt
Doch wie sieht es nun in der Schweiz aus? Steigen wegen des Erdbebens auch die hiesigen Kaffeepreise?
In der Schweiz stammten vergangenes Jahr 18 Prozent der importierten Rohkaffeebohnen aus Kolumbien. Eine längere Einschränkung würde somit auch die Schweiz betreffen. Da Rohkaffee aber auch aus anderen Ländern beschafft werden kann, würden die hiesigen Preise nicht gleich fest anziehen, schreibt Procafé.
Wie viel Kaffee am Ende kostet, hängt zudem von verschiedenen Faktoren ab – etwa von der Zusammensetzung der Mischung, bestehenden Verträgen, Wechselkursen, Transport- und Verarbeitungskosten sowie der Preisstrategie des jeweiligen Unternehmens. Procafé weist darauf hin:
Das Erdbeben könnte jedoch durchaus Einfluss auf die Preise haben, da Gebiete innerhalb des bedeutenden kolumbianischen Kaffeegürtels sowie wichtige Verkehrsverbindungen in Richtung des Pazifikhafens Buenaventuras betroffen sind. Von Procafé heisst es:
So entwickeln sich die Schweizer Kaffeepreise
Die gute Nachricht ist, dass die kolumbianischen Kaffeeexporte nicht vollständig zum Erliegen gekommen sind. Weiterhin gibt es Lieferungen über die nördlichen Häfen Cartagena und Santa Marta. Es ist derzeit noch zu früh, von einer fixen und dauerhaften Preissteigerung aufgrund des Erdbebens zu sprechen. Das Ereignis erhöht aber den Druck auf einen ohnehin angespannten Markt und damit auch das Risiko weiterer Preissteigerungen.
Der weltweite Kaffeemarkt ist weiterhin von hohen und stark schwankenden Preisen geprägt, was sich voraussichtlich in nächster Zeit nicht ändern wird. «Der Markt reagiert momentan sehr sensibel auf jede Veränderung bei Ernteerwartungen, Wetter, verfügbaren Beständen, Logistik und geopolitischen Rahmenbedingungen», heisst es vom Verband. Vor allem Arabica-Kaffee bleibe anfällig für kurzfristige Ausschläge. Nicht einzelne Ereignisse bzw. Risiken seien dafür verantwortlich, sondern mehrere zusammen.
Dann könnte dein Kaffee teurer werden
Der Kaffee in der Gastronomie und im Detailhandel werde nicht wegen einzelner Ereignisse teurer, die den Export beeinflussen. Laut internationaler Untersuchungen zeigen sich veränderte Rohkaffeepreise verzögert. Demnach würde das Erdbeben auch keinen grossen Einfluss auf den Schweizer Kaffeepreis haben. Höhere Preise könnte es laut Procafé jedoch bei längerfristigen Problemen geben:
Procafé betont, dass es sich bei ihrer Einschätzung um eine Momentaufnahme handelt.
