«Weder nachvollziehbar noch gerechtfertigt»: Trump-Zölle sorgen in der Schweiz für Ärger
Die USA haben der Schweiz neue Import-Zölle in der Höhe von 12,5 Prozent auferlegt. Diese stossen in der Schweizer Wirtschaft auf Unverständnis – eine Übersicht.
Swissmem
Die Schweizer Tech-Industrie fürchtet aufgrund der neu verhängten US-Zölle einen Wettbewerbsnachteil. Um diesen auszugleichen, forderte der Branchenverband Swissmem am Freitag bessere Standortbedingungen in der Schweiz.
Ein gezielter Bürokratieabbau sowie ein neues Freihandelsabkommen, etwa mit den Mercosur-Staaten, sollen hiesige Tech-Unternehmen nun entlasten, schrieb der Branchenverband in einer Mitteilung.
Laut Jean-Philippe Kohl, Vizedirektor von Swissmem, ist der Vorwurf der Zwangsarbeit «absurd». Unter solchen Bedingungen liessen sich keine Hightech-Produkte herstellen, da solche in der Schweiz entwickelt und grösstenteils im Inland hergestellt würden.
Die Zulieferer kämen in der Regel aus der EU, wo es keine Probleme mit Zwangsarbeit gebe, so Kohl. Dass nun höhere Zölle auf Schweizer Tech-Produkte erhoben werden sollen als auf europäische, das «schmerzt» den Branchenverband.
Es drohten zudem noch höhere Zölle, da in den USA derzeit eine weitere Untersuchung zu industriellen Überkapazitäten läuft, so Swissmem. Ein rechtsverbindliches Abkommen mit den USA, das die Schweiz gegenüber der EU nicht benachteilige, ist für den Branchenverband deshalb umso wichtiger. Damit bei den Geschäften mit den USA «endlich wieder etwas mehr Sicherheit und Stabilität» herrsche.
Swiss Medtech
Angesichts der neuen US-Zölle hat die Schweizer Medtech-Branche Entlastungen im Inland gefordert. Sie sieht sich deutlich benachteiligt gegenüber ihren Mitbewerbern aus der Europäischen Union.
«Wenn die Belastungen von aussen steigen, darf der Standort Schweiz nicht zusätzlich geschwächt werden», liess sich Adrian Hunn, Direktor von Swiss Medtech, am Freitag in einer Mitteilung zitieren. Es brauche gezielten Bürokratieabbau und keine neuen Kosten wie etwa die geplanten Aufsichtsabgaben auf Medizinprodukte.
Der Verband unterstütze die Bemühungen des Bundesrats um eine rechtsverbindliche Lösung mit den USA. Eine weitere Massnahme wäre die rasche Anerkennung von in den USA zugelassenen Medtech-Produkten in der Schweiz, hiess es im Communiqué.
Economiesuisse
Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse bewertet die neuen US-Zölle für die Schweiz als zusätzliche Belastung für Schweizer Unternehmen. «Aus Sicht von Economiesuisse ist dieser Entscheid weder nachvollziehbar noch gerechtfertigt», teilte der Verband am frühen Freitagmorgen mit. Der neue Zollsatz schaffe Wettbewerbsnachteile gegenüber Ländern mit tieferen Zollsätzen, darunter die Europäische Union (EU) und das Vereinigte Königreich.
Den Vorwurf, die Schweiz unternehme zu wenig gegen den Import von Waren aus Zwangsarbeit, wies auch die Economiesuisse zurück. «Es gibt keine Hinweise darauf, dass Schweizer Lieferketten genutzt würden, um Waren aus Zwangsarbeit in den US-Markt zu schleusen. Zwangsarbeit ist in der Schweiz bereits heute verfassungs-, zivil- und strafrechtlich verboten», erklärte der Verband. Zudem habe die Schweiz die einschlägigen ILO-Konventionen ratifiziert und die UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte umgesetzt.
Mit der heutigen Bekanntgabe halten sich die USA momentan an die im vergangenen November gemeinsam mit der Schweiz vereinbarte Absichtserklärung. Diese sieht für die meisten US-Importzölle aus der Schweiz eine Deckelung auf 15 Prozent vor. Die Schweiz habe ihrerseits bereits zentrale Elemente der Erklärung umgesetzt, so die Economiesuisse. Gleichzeitig erhöhe der neue Zollsatz die Kosten für Schweizer Exporte, ohne die bestehende Unsicherheit zu beseitigen. Umso wichtiger sei es, dass aus der laufenden US-Untersuchung zu angeblichen Überkapazitäten in der industriellen Produktion keine zusätzlichen Zollbelastungen entstehen würden.
Der Wirtschaftsdachverband fordert nun, dass die Gespräche mit den USA weitergeführt werden müssen, damit die Benachteiligung gegenüber der EU und weiteren Ländern beseitigt und weitere handelspolitische Unsicherheiten verhindert werden können. (dab, mit Material von Keystone-SDA)
