Bericht: Fast jedes fünfte Kind in der Schweiz ist armutsgefährdet
Am 17. Oktober ist Internationaler Tag für die Beseitigung der Armut. Anlässlich dessen will das Netzwerk Kinderrechte Schweiz, ein Dachverband und Verein, der sich für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention (KRK) in der Schweiz starkmacht, eine Zwischenbilanz ziehen. Ein neuer Bericht mit Fokus auf Kinderarmut soll zeigen, wo die Schweiz in Bezug auf diese Umsetzung steht.
Wie Netwerk Kinderrechte Schweiz schreibt, ist Kinderarmut auch in der reichen Schweiz kein «Randphänomen». Demnach sind schätzungsweise 114'000 Kinder hierzulande von Armut betroffen. Weitere 315'000 sind armutsgefährdet.
Besonders gefährdet seien Kinder aus Einelternhaushalten sowie aus kinderreichen Familien, heisst es. «Kinderarmut beeinträchtigt nicht nur den Lebensstandard, sondern auch Bildungs-, Entwicklungs- und Gesundheitschancen sowie die soziale Teilhabe», schreibt das Netzwerk.
Nationale Strategie gefordert
Das Netzwerk Kinderrechte Schweiz fordert unter anderem eine nationale Strategie zur Bekämpfung der Kinderarmut «mit verbindlichen Zielen und systematischer Erfolgskontrolle». Heute hänge es von Wohnkanton und Aufenthaltsstatus ab, welche Unterstützung eine Familie erhält – Kinderarmut betreffe jedoch Kinder in der ganzen Schweiz und dürfe nicht vom Wohnort abhängen.
Zudem bestünden nach wie vor zentrale Datenlücken, etwa zu ausserfamiliär platzierten Kindern oder zu den Gründen für Kindesschutzmassnahmen.
In seiner Mitteilung kritisiert das Netzwerk Kinderrechte Schweiz auch den Bundesrat: Das Parlament habe für eine Ombudsstelle für Kinderrechte bereits 2020 einen Auftrag erteilt, «und auch in der Vernehmlassung sprach sich eine deutliche Mehrheit für eine unabhängige Stelle aus, die Kinder individuell berät bei Bedarf vermittelt». Der Bundesrat halte jedoch an einer abgeschwächten Lösung fest, die genau auf diese Elemente verzichte. (lak)
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